Reise durch die Medizin und den Südringgau

Historische Doktorstube: Dr. Hans-Peter Marsch hat Privatmuseum in Herleshausen eröffnet

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Willkommen in der „Sammlung Marsch“: (von links) Doris Drude und Dr. Hans-Peter M arsch bei der Eröffnung der historischen Doktorstube in Herleshausen – in den Händen Inventar mit Seltenheitswert.

Herleshausen – Der Herleshäuser Arzt Dr. Hans-Peter Marsch ist leidenschaftlicher Sammler. Seine Schätze macht er der Öffentlichkeit nun in einem privaten Museum zugänglich.

Dr. Hans-Peter Marsch war stolz. Der Allgemeinmediziner aus Herleshausen hatte am Samstag seit Jahren mal wieder ein volles Wartezimmer. Nein, es ist keine Epidemie in der 2787-Einwohner-Gemeinde ausgebrochen. Trotzdem hatte der 75-Jährige allen Grund, eine gute Dosis seiner mitreißenden Mischung zu verteilen.

Er hat in seiner persönlichen Schatztruhe gegraben und infizierte Gast um Gast mit seiner Leidenschaft für Medizin und Geschichte. „Es ist für mich ein besonderer Tag und ich freue mich, dass so viele Menschen daran teilhaben möchten“, gestand Marsch, ehe er seine historische Doktorstube feierlich eröffnete, die den Besucher auf eine beispiellose Reise durch die Medizin und den Südringgau nimmt – pünktlich zur 1000-Jahr-Feier von Herleshausen.

Das Ärztehaus Nummer 11 im Herleshäuser Hainertor: Um 1895 kaufte der spätere Sanitätsrat Dr. Emil Marsch das Fachwerkhaus, später führte Erich Marsch die Praxis fort. 1972 übernahm dessen Sohn Hans-Peter Marsch die Praxis und hält die Familiendynastie seit nunmehr 124 Jahren am Leben.

Zu jedem Gegenstand eine Geschichte Parat

Der eloquente Mediziner hat Unmengen an Inventar, Dokumenten und Alltagsgegenständen gesammelt. Und zu jedem Gegenstand hat er eine Geschichte in petto. Wie aus der Pistole geschossen fängt er an zu erzählen. Die Zuhörer kleben an seinen Lippen. Nach einer Krankengeschichte geht Marsch auf einen Geburtskoffer ein. Danach plauderte er, blickend auf eine alte Bauernapotheke, aus dem Nähkästchen. „Es hat sich in der Medizin viel verändert“, gibt Marsch zu verstehen, währenddessen er seine Zuhörer mitnimmt. Mit auf eine Reise, die ein Aha-Erlebnis garantiert.

Marsch schaute an die Wand und fragte, von wem die Urkunde sein könnte. Er zögerte kurz und gab die Antwort selbst: „Es ist die Gründungsurkunde des Vaterländischen Frauenvereins des Deutschen Roten Kreuzes. Wohlgemerkt im Original und unterschrieben von keiner Geringeren als der Kaiserin Auguste Viktoria.“ Ein junger Zuhörer fragte: „Wer ist das?“ Und Marsch zeigte ohne mit der Wimper zu zucken auf das benachbarte Foto der Kaiserin. Im Anschluss öffnete Marsch einen Erste-Hilfe-Schrank, der aus dem Bahnhof Herleshausen stammt. Marsch packte in das erste Regal und präsentierte eine Flasche Chloroform aus dem Jahr 1889. Ein Zimmer weiter blickte Marsch auf ein über 100 Jahre altes Himmelbett mit handgewebtem Leinenbezug.

Individuelles Museum hat heutzutage Seltenheitswert

Dabei immer an seiner Seite: Doris Drude. Die ehemalige Museumsleiterin des Werratal-Museums in Gerstungen war der Kopf des Projekts und honorierte Marsch Lebensleistung: „Alles hat hier eine Geschichte. Gerade in der heutigen Wegwerfgesellschaft hat solch ein individuelles Museum Seltenheitswert. Ein Besuch lohnt sich.“

Das Projekt Historische Doktorstube ist noch lange nicht fertig. Im Obergeschoss sollen eine Trachtenstube, eine Bibliothek sowie eine Schulecke entstehen. Nach telefonischen Anmeldungen können Führungen vereinbart werden: Tel. 05654/314.

Von Marvin Heinz

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