Heimatliebe über alles

Hans-Werner Wegehenkel - Bergknappe aus Überzeugung

Der Vorsitzende des Knappenvereins Kupferschiefer Bergbau in Sontra: Hans-Werner Wegehenkel mit der Standarte an der Lore vor dem Museum, das im historischen Rathauskeller eingerichtet und nach August Ratajczak benannt wurde.
+
Der Vorsitzende des Knappenvereins Kupferschiefer Bergbau in Sontra: Hans-Werner Wegehenkel mit der Standarte an der Lore vor dem Museum, das im historischen Rathauskeller eingerichtet und nach August Ratajczak benannt wurde.

Heimatliebe geht Hans-Werner Wegehenkel über alles. Der mann ist Bergknappe aus tiefster Überzeugung.

Sontra – Wenn er das Lied „Heimatliebe“ von den Kastelruther Spatzen hört, dann schlägt sein Herz schneller, denn die Melodie, aber noch mehr der Text, lösen bei Hans-Werner Wegehenkel aus Sontra ganz besondere Momente aus, in denen er tiefe Gefühle für seinen Geburtsort empfindet. „Ja, ich liebe meine Heimat, Sontra, meine Stadt, und im Speziellen gehört meine tiefe Leidenschaft dem Knappenverein Kupferschiefer-Bergbau, zu dem ich mich aus Überzeugung bekenne“, erklärt der 63-Jährige, dass der langjährige Vorsitzende August Ratajczak, der 2008 viel zu früh verstorben ist, sein großes Vorbild war.

„Du passt zu uns“

„Du musst Bergknappe werden, du passt prima zu uns. Mit diesen Worten hat mich August 1995 am Barbarastollen angesprochen und schon am Sonntag darauf stand ein Vorstandsmitglied mit einem echten Bergknappen-Tzscherperfrühstück vor meiner Haustür. So habe ich bei Brot, Schmalz, roter Wurst und Gurke den Entschluss zur Mitgliedschaft gefasst und gehöre dem Verein seit dem 1. Januar 1996 an“, konstatiert Hans-Werner Wegehenkel, dass er unter August Ratajczak nur ein Jahr Knappe war und bereits 1997 zum Standartenträger gewählt wurde. Dieses Amt belleidet er auch 24 Jahre später noch immer beim Kupferschiefer-Bergbauverein in Sontra.

Unheil abgewendet

Nur zwei Jahre nach seiner Wahl zum zweiten Vorsitzenden drohte Unheil: „2014 wurde ich gewählt, 2016 sollte der Verein, ein Jahr vor dem 30-jährigen Bestehen, aufgelöst werden“, erinnert er sich an die Fürsprache seitens des Hessischen Landesverbandes im Rahmen der Barbarafeier in Großalmerode. „Auch Landrat Stefan Reuß, der seither Mitglied ist, signalisierte uns seine Unterstützung. Und bei der Jahreshauptversammlung 2017 forderte uns Bürgermeister Thomas Eckhardt auf, den Verein und die Tradition unbedingt am Leben zu erhalten“, nutzt Hans-Werner Wegehenkel das Forum, um sich für diesen motivierenden Beistand zu bedanken.

30-jähriges Bestehen

Zur Breitwiesn 2017 feierten die Bergknappen den 30. Geburtstag gebührend und verbunden mit dem Hessischen Bergmannstag. 2018 wählten die Mitglieder Hans-Werner Wegehenkel zum Vorsitzenden, dessen dreijährige Bilanz allein in der Mitgliederentwicklung beachtlich ist. „Bei meiner Amtsübernahme zählten wir 23, mittlerweile sind es 44 aktive und passive Mitglieder, der Jüngste heißt Jorias Bach, die traditionsbewusst den Bergmannsgedanke verfolgen“, geht der Vorsitzende auf seine erste Amtshandlung ein.

„Nach sechsjähriger Abstinenz haben wir die Barbarafeier ins Jahresprogramm zurückgeholt und auch 2019 erneut ausgerichtet“, bedauert der Bergmann vom Scheitel bis zur Sohle, „dass uns die Pandemie danach wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht hat.“

Als absolut positiv führt er die Kooperation mit der Marchingband „Silver Lions“ an, die den Bergknappenverein musikalisch unterstützt „bei Gottesdiensten und der eigentlichen Barbarafeier“, geht sein Dank an dieser Stelle an Lars und dessen Vater Heinz Opfer, vergisst aber auch die städtischen Gremien, die Aktionsgemeinschaft des Sontraer Handels wie auch alle anderen Vereine nicht, die in den Mauern der Stadt beheimatet sind.

Dank an Ehefrau Beate

„Natürlich muss ich meiner Ehefrau Beate dankbar sein, die mir bei meinem ehrenamtlichen Engagement immer den Rücken freihält, selbst seit 2006 Mitglied ist und stets an meiner Seite bei den Besuchen von Europäischen, Deutschen und Hessischen Bergmannstagen steht“, erinnert sich Hans-Werner Wegehenkel an Reisen nach Holland und Slowenien, Sulzbach, Heringen oder Marienberg.

Apropos Erinnerungen: Die an August Ratajczak, der ja auch Namensgeber des Bergbaumuseums in den Kellerräumen unter dem historischen Rathaus ist, sind besonders ausgeprägt: „Wir waren zu Gast bei der Barbarafeier in Borken und mussten bei 30 Zentimeter Neuschnee nach Hause fahren. August hat mich um Ruhe gebeten, ist in einer Seelenruhe gefahren und hat mich um vier Uhr morgens bei meiner Frau abgeliefert, die, um in der Bergmannsprache zu bleiben, sprichwörtlich auf heißen Kohlen gesessen hat.“

Der Blick ins Jahr 2024

Wie hoch die Sontraer Bergknappen eingestuft werden, das macht auch die Delegiertenversammlung von allen Hessischen Verbänden deutlich, die 2019 in die Hänselstadt vergeben wurde. „In diesem Rahmen ist die Idee geboren, den Deutschen Bergmannstag 2024 nach Sontra zu holen. Wenn wir am 11. September den Zuschlag bekommen, dürfen wir uns auf rund 1000 Bergleute freuen, die dann den Weg zu uns finden werden“, schwärmt Hans-Werner Wegehenkel, der weiß, dass Bürgermeister Thomas Eckhardt alles geben wird, um Sontra und die Bergknappen perfekt vorzustellen, „wenn er mit einer Delegation von uns zum Vergabetermin nach Philippsthal fährt“.

Nachfolgerin in Sicht

Wörtlich: „Er sagt ohnehin über uns, dass die Bergbaugeschichte in Sontra immer sichtbarer wird“, ist dem Vorsitzenden der Blick in die Zukunft und der Fortbestand des Vereins ganz wichtig: „Ich freue mich sehr, dass mit Franziska Muscheid eine junge Frau Interesse bekundet. Ich könnte sie mir als meine Nachfolgerin vorstellen“, sagt Hans-Werner Wegehenkel abschließend. (Harald Triller)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.