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Tödlicher Flugzeugabsturz 2021: Cockpit war nicht verriegelt

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Von: Tobias Stück

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Konnten nicht mehr eingreifen: Die eilig herbeigerufenen Rettungskräfte hatten keine Chance, das Leben des Piloten und seines Fluggastes zu retten. archiv
Konnten nicht mehr eingreifen: Die eilig herbeigerufenen Rettungskräfte hatten keine Chance, das Leben des Piloten und seines Fluggastes zu retten. © Fabian Diehl

Die Unfallursache eines tödlichen Flugzeugabsturzes, der sich im Juni vergangenen Jahres auf dem Flugplatz Stauffenbühl in Eschwege ereignet hat, ist jetzt endgültig geklärt.

Eschwege – Nach Darstellung der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) öffnete sich im Landeanflug, in etwa 30 Meter Höhe, die vordere Cockpithaube des Segelflugzeuges.

Beim Versuch des Piloten, die Haube zu schließen, geriet das Segelflugzeug in einen „steilen Bahnneigungsflug“ und prallte auf die Piste. Sowohl der Pilot als auch der Fluggast starben aufgrund ihrer Vielzahl an Verletzungen.

Die Bedingungen

Der 65 Jahre alte Pilot war mit seinem Fluggast am 23. Juni 2021, einem Mittwochnachmittag, um 16.52 Uhr auf dem Segelfluggelände Stauffenbühl mit dem Segelflugzeug G 103 C gestartet. Die Sicht war gut, die Lufttemperatur lag bei 21 Grad, Niederschläge waren nicht in Sicht. Der Start erfolgte im Windenschlepp. Es war der vierte Flug des Piloten mit demselben Fluggast an diesem Tag, heißt es im Bericht der BFU. Die drei vorhergehenden Flüge waren Platzrundenflüge von jeweils etwa fünf Minuten Dauer.

Der Landeanflug

Um 17.15 Uhr befand sich das Segelflugzeug im Landeanflug. Als das Segelflugzeug an der Winde vorbei flog, beobachtete der Windenfahrer, dass sich in einer Höhe von etwa 30 Metern die vordere Kabinenhaube öffnete. Der Pilot versuchte laut Zeugenaussagen, sie festzuhalten bzw. wieder zu schließen. Dabei sei das Segelflugzeug in einen „steilen Bahnneigungsflug“ übergegangen und etwa 40 Meter hinter dem Anfang der 900 Meter langen Piste auf den Boden geprallt.

Die Unfallstelle

Den Ersthelfern bot sich ein Bild der Zerstörung. In einem Bereich von etwa 50 mal 20 Metern nach der drei Meter langen Aufprallspur lagen das Seitenruder, Faserverbundbruchstücke der vorderen rechten Rumpfseite und Plexiglasbruchstücke der beiden Cockpithauben. Die vordere der beiden Hauben war abgerissen. Das Bugrad war in den Rumpf eingedrückt. Beide Sitzschalen waren durchgebrochen. Die Prüfung der Steuerung ergab laut Untersuchungsführer Jens Eisenreich keinen Hinweis auf eine Fehlfunktion. Beide Insassen seien durch die Folgen des Aufpralls an den Folgen eines Polytraumas gestorben. Die eilig herbeigerufenen Rettungskräfte konnten nicht mehr eingreifen.

Das Beweisvideo

Die BFU konnte zur Klärung der Ursache auf ein Video zurückgreifen. Der Fluggast hatte den Start und den Flug mit seinem Mobiltelefon gefilmt und den Film noch während des Fluges ins Internet gestellt. „Auf dem Film war zu sehen, dass unmittelbar vor und während des Windenstarts der Hebel der Verriegelung der vorderen Kabinenhaube senkrecht stand und sie somit nicht verriegelt war“, heißt es in dem Gutachten. Unter Punkt 13 des Startchecks sollte nach Segelflugsport-Betriebs-Ordnung (SBO) dieser Umstand ausgeschlossen werden. (Tobias Stück)

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