Um der Nachfrage Herr zu werden

Hausärzte gehen in die Offensive: Eschweger Gemeinschaftspraxis bot Impftag an

Großer Andrang: Etwa 80 Impfwillige standen direkt nach Beginn der Impfung mit dem nötigen Sicherheitsabstand für eine Spritze mit Astrazeneca an.
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Großer Andrang: Etwa 80 Impfwillige standen direkt nach Beginn der Impfung mit dem nötigen Sicherheitsabstand für eine Spritze mit Astrazeneca an.

Die Hausärzte am Eschweger Bahnhof haben einen besonderen Schritt gewagt: Sie boten fast einen ganzen Tag lang Astrazeneca-Impfungen ohne Termin an. Die Nachfrage war groß.

Eschwege – Für Ronald Braun, seinen Bruder Timo und Sebastian Bode steht die Entscheidung schon lange fest: Sobald sie die Möglichkeit haben, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen, sind sie dabei. Genau dann, wenn sie an der Reihe sind, ohne sich vorzudrängeln. Das Problem: Als Männer im besten Alter ohne Vorerkrankungen waren sie bislang in der Impfpriorisierung ganz hinten angestellt.

Bis vergangene Woche die Immunisierung mit Astrazeneca unabhängig von der Prioritätsgruppe freigegeben wurde. Für die Eschweger war sofort klar, dass sie sich um eine Impfung bemühen würden. Die Eschweger Hausärzte am Bahnhof haben am Mittwoch für solche Impfwilligen einen Impftag angeboten – ohne Termin und Voranmeldung.

Seit Ostern, als die Hausärzte in das Impfkonzept mit aufgenommen wurden, steht das Telefon in der Gemeinschaftspraxis am Bahnhof nicht mehr still. „Die Belastung ist seitdem extrem“, sagt Philipp Siebrasse, einer der fünf Hausärzte. Hunderte Anrufe und E-Mails gehen seitdem Woche für Woche ein.

„Das war die Notbremse, um Luft im Terminkalender zu schaffen“

Frank Enders, Dr. Bernd Heinemann, Dr. Philipp Siebrasse, Dr. Markus Theophel und Dr. Silke Winter haben sich deshalb dazu entschlossen, in die Offensive zu gehen. Weil Astrazeneca ausreichend vorhanden und gut lagerbar ist, hatten sie mehrere Hundert Impfdosen vorrätig. Mit einer Zeitungsanzeige haben sie beispielsweise den Termin am Mittwoch zwischen 11 und 16 Uhr beworben. „Das war die Notbremse, um uns zu entlasten und uns Luft im Terminkalender zu verschaffen“, sagt Siebrasse.

Mit einem Ansturm haben sie nach den vielen Nachfragen in den vergangenen Tagen gerechnet und deshalb schon im Vorhinein die Patienten darauf hingewiesen, Wartezeit einzuplanen und die Parkplätze in der umliegenden Umgebung zu nutzen.

Schon vor dem Beginn der Impfungen war eine Menge los. Rund 80 Impfwillige hatten sich auf dem Parkplatz versammelt – die meisten mit Maske, alle mit respektvollen Sicherheitsabstand. Durch einen Nebeneingang, etwas abseits des normalen Praxisgeschehens, wurden die Patienten dann in das Behandlungszimmer geführt.

Abstand bis zur zweiten Impfung kann selbst ausgesucht werden

Die normale Sprechstunde wurde um 11 Uhr beendet, anschließend nur noch Akutfälle angenommen. Alle fünf Ärzte und die Assistentinnen konzentrierten sich auf die Impfungen. Nach einem kurzen Aufklärungsgespräch bekommen die Patienten die lang ersehnte Spritze. „Alle waren freundlich und entspannt“, berichtet Bode.

Den Abstand bis zur zweiten Impfungen konnten sich die Patienten selbst aussuchen, Sechs, acht oder zwölf Wochen stehen zur Auswahl. Nach rund einer Dreiviertelstunde verließen die Patienten erstgeimpft die Praxis. Nach drei Stunden waren bereits 250 Menschen geimpft.

Für Sebastian Bode und Ronald Braun stellte die Wahl des Impfstoffes kein Hindernisgrund dar. „Nebenwirkungen kann es bei jeder Impfung geben“, sagt Braun.

„Wir sollten unseren Ärzten und der Medizin einfach vertrauen“, ergänzt Sebastian Bode. Hinterher waren alle erleichtert. „Es fühlt sich gut an“, sagt Bode. Man könne jetzt sorgenfreier durchs Leben gehen. „Wir schützen nicht nur uns, sondern auch unsere Familien und unser näheres Umfeld“, sagt Ronald Braun. Dass man jetzt auch die Planung für den Sommerurlaub angehen könne, sei ein positiver Nebeneffekt.

Ob das Hausarztzentrum am Bahnhof noch mal so einen Termin anbieten wird, ist indes noch nicht entschieden. (Tobias Stück)

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