Porträt (8)

Heidi Schmidt will als Einzelbewerberin in den Bundestag

Heidi Schmidt aus Kassel will als Einzelbewerberin in den Bundestag: Unterstützt wird sie von der Internationalistischen Liste/MLPD. Eines ihrer wesentlichen Themen ist die Verbesserung der Situation der Bergleute.
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Heidi Schmidt aus Kassel will als Einzelbewerberin in den Bundestag: Unterstützt wird sie von der Internationalistischen Liste/MLPD. Eines ihrer wesentlichen Themen ist die Verbesserung der Situation der Bergleute.

Zehn Frauen und Männer kandidieren im Wahlkreis Werra-Meißner/Hersfeld-Rotenburg für den Bundestag. In unserer Porträtreihe stellen wir heute Heidi Schmidt vor, die von der MLPD unterstützt wird.

Werra-Meißner – Mittagspausen sind nicht mehr Heidi Schmidts Thema. Die 70-jährige ist Rentnerin und kann sich ihre Zeit frei einteilen. Sehr viel davon investiert sie in ihr politisches Engagement zum Wohle der Bergleute. Diese Arbeit würde Heidi Schmidt gerne im Bundestag einbringen. Deshalb tritt sie als Einzelbewerberin mit Unterstützung des Internationalistischen Bündnis/MLPD (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands) an.

Warum kandidiert eine Lehrerin im Ruhestand aus Kassel für eine sozialistische Liste in einem Wahlkreis, in dem diese Partei gar nicht präsent ist und in dem die Menschen in unmittelbarer Grenznähe zur früheren DDR die denkbar schlechtesten Erfahrungen mit dem „real existierenden Sozialismus“ gemacht haben? „Die Entwicklung in der DDR hat mich lange abgeschreckt“, sagt Schmidt. Sie sei zwar schon als Schülerin in Widerspruch zum Kapitalismus geraten. Doch die Ausprägung des Sozialismus, wie er in der DDR, der UdSSR und anderen Ländern des Ostblocks zu sehen war, wollte sie auch nicht unterstützen. Offen räumt sie ein, dass der Sozialismus noch in keinem Land wirklich funktioniert hat. Sie glaubt aber, dass der Kapitalismus das auch nicht tut und verantwortlich für die meisten Krisen auf der Welt ist.

Schmidt ist überzeugt von den grundsätzlichen Ideen des Sozialismus. „Ich stehe voll hinter der Internationalistischen Liste und dem Programm der MLPD“, betont sie. Darin finden sich Schlagworte wie „Befreiung der Arbeiterklasse“, „revolutionärer Kampf der Massen“ oder „Arbeiter in die Politik“. Letzteres ist auch Schmidts Ziel, sonst vermeidet sie Schlagworte und erzählt lieber von ihren Überzeugungen.

Als Ehefrau eines Franzosen habe sie lange in Lothringen gelebt und dort die Probleme der Bergleute mitbekommen. Mit dem geschärften Blick fielen ihr auch im Saarland und im Ruhrgebiet – weitere Stationen ihres Lebens – die Nöte der Bergleute und die Umweltprobleme, die durch Bergbau und Industrie entstehen, auf. Lange überlegte sie, wie sie sich politisch engagieren könnte. Einfach zusehen und schweigen war nie ihre Sache. „Ich wäre depressiv geworden, wenn ich nicht aktiv geworden wäre“, so Heidi Schmidt.

In der MLPD fand sie 1981 ihre politische Heimat. Dass diese Organisation selbstkritisch mit den Entwicklungen des Sozialismus in den Ostblockländern umging und davon sprach, dass die dortigen Parteien die Ideen des Sozialismus verraten und ihn von innen zerstört hätten, gefiel ihr. Dennoch hat sie kein negatives Menschenbild. Sie ist überzeugt, dass der Mensch nicht etwa gierig, machthungrig und auf persönliche Bereicherung aus ist, sondern grundsätzlich mitfühlend, liebevoll und hilfsbereit. Das will sie mit ihrer politischen Arbeit unterstützen.

Große Hoffnungen setzt Heidi Schmidt in die 3. Internationale Bergarbeiterkonferenz, die im Jahr 2023 in Dorndorf stattfinden soll und die sie mit vorbereitet. Sie soll ein wichtiger Meilenstein sein beim Zusammenschluss der 20 Millionen Bergarbeiter weltweit. Neben ihrer Wohnung in Kassel hat Schmidt inzwischen auch eine kleine Wohnung in Vacha (Thüringen), um vor Ort präsent zu sein. Auf anderen internationalen Konferenzen war Heidi Schmidt bereits als Dolmetscherin dabei und bringt dort ihre Sprachkenntnisse ein.

Persönliche Bereicherung soll es übrigens für die Politiker der MLPD in offiziellen Funktionen nicht geben. Sie verpflichten sich, alle Einkünfte bis auf eine Summe von 1160 Euro – ein Facharbeiterlohn – an die Partei abzugeben. „Ich brauche das Geld ohnehin nicht, ich kann gut von meiner Rente leben“, sagt Schmidt.

Ein Video von Heidi Schmidt finden Sie auf unserer Internetseite. Morgen erscheint ein Porträt von Beate Gerke von Die Basis. (Christine Zacharias)

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