Gutes tun ist aufwendiger

CORONA: Helfer der Tafeln im Kreis gehören zu Risikogruppen

Eine Frau von der Eschweger Tafel hat eine Lebensmittelkiste in der hand.
+
Die Eschwger Tafel in Corona-Zeiten.

Die Lebensmittelversorgung von sozial benachteiligten Menschen im Werra-Meißner-Kreis ist durch die Coronapandemie und die Hygieneauflagen aufwendiger geworden, dabei seien nach einem Jahr Corona mehr Menschen darauf angewiesen, wie die Tafeln in Eschwege und Witzenhausen, die Bürgerhilfe Sontra und die Arche in Hessisch Lichtenau beobachten.

Werra-Meißner - Die Nachfrage zu stemmen sei aber auch schwierig, weil die ehrenamtlichen Mitarbeiter aufgrund des Alters größtenteils zu den Risikogruppen zählen, wie die Einrichtungen bestätigen. Gleichzeitig seien inzwischen mehr Menschen im Kreis auf die Unterstützung angewiesen, wie Lina Schräder, Sozialarbeiterin in der Arche in Hessisch Lichtenau, und Monika Hemann, Vorsitzende der Tafel Witzenhausen, beobachten. „Viele Studenten sind inzwischen dazugekommen“, berichtet etwa Hemann. Wahrscheinlich wären es noch mehr, sagt Barbara Persch von der Bürgerhilfe Sontra. Doch aus Scham trauten sich manche nicht, die Hilfe anzunehmen.

Die Kunden, die sich Lebensmittel holen, seien dankbar, sagt Hans Liese, Vorsitzender der Tafel Eschwege. „Wir gehören zu den wenigen Anlaufstellen, die geöffnet haben.“ Damit das so bleibt, müssen sich alle – Mitarbeiter und Kunden – konsequent an die Hygieneregeln halten, so Liese. Das heißt, die Kunden betreten einzeln die Räume, alle tragen einen Mund-Nasen-Schutz und es wird permanent Desinfektionsmittel eingesetzt.

Der Übergang verlief aber nicht reibungslos. Zum einen gehört ein Großteil der ehrenamtlichen Mitarbeiter zu den Risikogruppen, zum anderen sind die Räume teils zu klein. In Witzenhausen etwa befindet sich die Lebensmittelausgabe seit dem vergangenen Sommer im Jugendzentrum. Die Eschweger haben laut eigener Ausgabe von ihrem Umzug in den ehemaligen Lebensmittelmarkt am Grünen Weg profitiert. „Hier haben wir genug Platz.“ In Hessisch Lichtenau funktioniere es auch deshalb gut, weil durch den geschlossenen Laden der Arche die Räume weniger stark frequentiert seien. Foto: Privat/nh

Auch Hilfe gegen Vereinsamung

Vor knapp einem Jahr hat die Eschweger Tafel die neuen Räume in dem ehemaligen Taufrisch-Markt Jantz am Grünen Weg 2 in Eschwege bezogen. Gerne hätten sie das groß gefeiert, sagt der Vorsitzende Hans Liese. Doch die Coronapandemie hat das Vorhaben durchkreuzt.

Mit Blick auf die vergangenen Monate sind die Ehrenamtlichen besonders froh über die neuen Räume. Denn sonst hätten sie nicht weiter öffnen und Lebensmittel an die Kunden ausgeben können. „In den alten Räumen wäre das unmöglich gewesen. Die waren einfach zu klein“, erklärt Liese. Dabei ist es für die Kunden gerade jetzt wichtig, dass die Tafel als Anlaufstelle ihre Türen offen halten kann, ergänzen die beiden Ehrenamtlichen Gudrun Daniel und Margret Streitenberger. Das Angebot der Tafel sei ein wichtiger Beitrag, um die Auswirkung der Pandemie abzumildern.

Dabei spielt nicht nur die Versorgung mit Lebensmitteln eine Rolle, sind sich die beiden sicher. „Für viele Alleinstehende ist es auch eine Hilfe gegen Vereinsamung.“ Daniel und Streitenberger sind mit Herzblut dabei, wie sie erzählen. „Für mich ist es der einzige Tag in der Woche, an dem ich rauskomme“, sagt Gudrun Daniel, die sich seit 2008 in der sozialen Einrichtung engagiert. Für die 38 ehrenamtlichen und die zwei festangestellten Mitarbeiter sei die Arbeit bei der Eschweger Tafel eine Bereicherung, so die Frauen. Es sei eine Möglichkeit, etwas Sinnvolles zu tun.

Pandemie ist Herausforderung für die Tafel

Doch natürlich ist die Coronapandemie eine extreme Herausforderung für die Tafel, wie Vorstandsmitglied Siegfried Furchert erklärt. Um die hohen Hygienestandards zu erfüllen, werde regelmäßig desinfiziert. „Stühle, Tische, Türen – eben alles, was angefasst wird“, so Daniel. Da aber sowohl die Mitarbeiter als auch die Kunden mitzögen und sich an die Regeln hielten, hätte sich das gut eingespielt.

Ein Problem sei dagegen das Warenlager: „Manchmal müssen wir ganz schön knapsen, damit jeder was bekommt“, sagt Margret Streitenberger. „Wir können nur verteilen, was da ist.“ Brot, Brötchen und Gebäck seien Mangelware. Auch Dosen – also Lebensmittel, die sich lange halten – fehlten. „Beim Open-Flair spenden viele Besucher. Das ist im vergangenen Jahr aber weggefallen“, sagt Liese. Auch die Spenden der Kirchen vom Erntedankfest seien stets hilfreich. Doch natürlich seien diese Lebensmittel ebenfalls irgendwann verteilt. Manchmal erhält die Eschweger Tafel auch Dosen aus privaten Vorratskammern. „Das ist der Fall, wenn jemand stirbt oder in ein Heim zieht“, erläuter Liese. „Wir sind über jede Spende dankbar.“

Hinweis: Wer die Eschweger Tafel mit Lebensmitteln unterstützen will, kann sich melden unter Tel. 0 56 51/33 80 92 oder per Mail an info@eschweger-tafel.de.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.