Betroffene haben psychischen Einschränkungen

Hephata sucht im Werra-Meißner-Kreis Gastfamilien für kranke Menschen 

Sucht Gastfamilien: Katja Ehmer von der Hephata Diakonie betreut Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen.
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Sucht Gastfamilien: Katja Ehmer von der Hephata Diakonie betreut Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen.

Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen sind oft noch nicht in der Lage, alleine zu leben, sind aber zu stabil, um stationär betreut zu werden. Für diese Menschen sucht die Hephata Diakonie Gastfamilien.

Wir sprachen mit Katja Ehmer, die Klienten und Gastfamilien betreut, über das Projekt.

Wie viele Klienten von Ihnen suchen gerade im Werra-Meißner-Kreis?

Im Moment sucht ein Mann einen Platz. Allerdings betreuen wir in der Regel mehr Frauen, die in Gastfamilien leben.

Wie viele Klienten leben aktuell im Kreis in Gastfamilien?

Aktuell leben vier Klienten bei Familien, zwei Männer und zwei Frauen. Vom Landeswohlfahrtsverband, dem Kostenträger, sind uns bis zu sechs Unterbringungen in Gastfamilien gestattet.

Unter welchen Erkrankungen leiden Ihre Klienten?

Sie haben die akute Phase einer Abhängigkeits- oder Suchterkrankung hinter sich und leben jetzt abstinent. Oft leiden sie unter dem Korsakow-Syndrom, bei dem das Kurzzeitgedächtnis in Mitleidenschaft gezogen wird, die Menschen sind vergesslich. Andere Klienten haben Depressionen oder eine bipolare Störung.

Das klingt nach einer anspruchsvollen Aufgabe für die Gastfamilie.

Das ist es auch. Die potenziellen Gastfamilien müssen sich darüber bewusst sein, dass sie einen Fremden in ihre Familie aufnehmen. Sie müssen sich im Vorfeld mit dem Krankheitsbild und den damit einhergehenden Eigenschaften und Verhaltensweisen vertraut machen.

Wie hoch ist der Betreuungsaufwand?

Das kommt auf die Klienten an, je nachdem, welche Voraussetzungen sie mitbringen. Die Gastfamilien brauchen keine Betreuer-Ausbildung. Die Klienten sollen wie Familienmitglieder in den Alltag eingebunden werden, zum Beispiel an den Mahlzeiten teilnehmen. Und sie sollen auch Aufgaben übernehmen, zum Beispiel die Reinigung des Zimmers, das ihnen zur Verfügung gestellt wird. Außerdem sollte die Gastfamilie zum Beispiel auf die Tabletteneinnahme achten und den Klienten gegebenenfalls zum Arzt begleiten.

Wie lange leben Klienten in den Gastfamilien?

Es gibt keine zeitliche Begrenzung. Der Aufenthalt dauert so lange, wie es miteinander funktioniert und es für alle Spaß macht. Ich habe Klienten, die seit fast zehn Jahren in einer Gastfamilie leben.

Neben der finanziellen Aufwandsentschädigung: Welchen Gewinn hat eine Gastfamilie von dem Projekt?

Die Gastfamilien zeichnen sich durch Mitmenschlichkeit und Toleranz aus. Es ist eine Wechselwirkung: Ein Rentnerehepaar zum Beispiel hat durch einen Gast wieder eine Aufgabe. Aktuell betreue ich eine Familie, die die Klientin in alles einbindet, auch zum Beispiel, wenn sie zu Familienfesten fahren. Die finanzielle Aufwandsentschädigung steht für die Gastfamilien nicht im Vordergrund.

Kostet es Gastfamilien erst einmal Überwindung, einen fremden Menschen aufzunehmen?

Die Familien sind sich auch dank unserer Vorbereitung des Aufwands bewusst. Es gibt Informationsgespräche und ich besuche im Vorfeld die Familien, um zu erfragen, wie sie sich die Aufnahme eines Klienten vorstellen. Dann findet eine Anbahnung statt. Gastfamilie und Klienten treffen sich und verbringen immer mehr Zeit miteinander. Sie können sich aneinander herantasten und dann entscheiden, ob sie es zusammen versuchen wollen.

Betreuen Sie danach nur noch die Klienten oder auch die Gastfamilien?

Ich bin für beide da. Ich bin Ansprechpartnerin, um alle Seiten zu entlasten. Dazu gehört auch, dass ich die Klienten und Gastfamilien regelmäßig besuche und berate. Wir besprechen, welche Themen anliegen. Zudem bieten wir den Gastfamilien die Möglichkeit zur Supervision.

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