Wir haben Auszubildende der Firma Anger begleitet

5000 Meter unter der Erde: Brunnenbauern über die Schulter geschaut

Hessisch Lichtenau. Die Firma Anger bohrt und baut Brunnen. Wir haben den Auszubildenden des international agierenden Unternehmens bei der Arbeit über die Schulter geschaut.

Wenn irgendwo auf der Welt Bohrungen niedergebracht oder Brunnen gebaut werden, kann es durchaus sein, dass die H. Anger’s Söhne Bohr- und Brunnenbaugesellschaft mbH aus Hessisch Lichtenau ihre Finger im Spiel hat. Aufträge für das Unternehmen sind zum Beispiel, neue Quellen für einen Mineralwasserhersteller zu erschließen, nach Trinkwasser oder aber nach Erdwärme beziehungsweise Heizwasser zu suchen. Das alles geschieht unter der Erde. Mal 100, mal 5000 Meter tief. Auftraggeber sind oft Ministerien oder Großfirmen mit zwischengeschalteten Ingenieurbüros.

Die Spezialmaschinen, die dafür benötigt werden, werden in Werkshallen im Industriegebiet Hirschhagen gewartet. In den Büros wird die Verwaltung abgewickelt. Sowohl für diese Aufgaben als auch für das Ausführen der Bohraufträge in aller Welt braucht es Fachkräfte. Die Geschäftsführer Uwe Schindler und Martin Müller-Ruhe setzen dabei auf die Ausbildung junger Menschen. Unter den rund 180 Mitarbeitern befinden sich derzeit 13 Azubis. Fünf technische Berufe können bei Anger erlernt werden. Wir stellen sie nach einem Besuch im Arbeitsalltag näher vor.

Drehen, Fräsen, Bohren

Zerspanungsmechaniker: Philipp Wilhelm (19) aus Eschenstruth durchläuft gerade sein erstes Lehrjahr.

An einer Bohr-, Dreh- und Fräsmaschine ist der Zerspanungsmechaniker zu Hause. Mit Hilfe von darin angebrachten Drehmeißeln repariert er Bauteile oder entfernt damit unerwünschten Rost. Auch das Produzieren neuer Werkstücke, zum Beispiel spezieller Messinghülsen, gehört zu seinen Aufgaben.

Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre, Voraussetzung ist der Realschulabschluss. Oliver Eberling, Betriebsleiter für Technik und Ausbildungsleiter für die technischen Berufe Zerspanungsmechaniker, Industriemechaniker und Elektroniker für Betriebstechnik, sagt: „Die Ausbildung hat in unserem Betrieb einen hohen Stellenwert. Fachkräfte, gerade in den seltenen Berufen der Brunnenbauer und Bergbautechnologen, sind von außerhalb schwer zu bekommen.“

Im Einsatz, wo gebohrt wird 

Bergbauchtechnologe: Philipp Waltinger (22) aus Jena ist in fünf Wochen fertig mit seiner dreijährigen Ausbildung.

Der Bergbautechnologe mit Fachrichtung Tiefbautechnik soll nach der Ausbildung eine stationäre Bohranlage bedienen können, mit der man sich bis zu 6000 Meter tief in die Erde vorarbeiten kann. Auszubildende des Berufes sind mit täglichen Aufgaben betraut, wie zum Beispiel das Überwachen von Tank und das Spülen der Maschinerie. Die Ausbildung dauert drei Jahre, Voraussetzung ist ein Realschulabschluss. Der Bergbautechnologe ist in der Regel im In- und Ausland auf Baustellen tätig und arbeitet in Tag- und Nachtschichten zwei Wochen am Stück täglich zwölf Stunden und hat danach zwei Wochen frei.

Das Tätigkeitsfeld eines Brunnenbauers ist ähnlich, beschränkt sich aber eher auf kleinere Anlagen. Auch für diesen Beruf dauert die Ausbildung drei Jahre.

Ohne Strom geht gar nichts 

Elektroniker für Betriebstechnik: Tim Ullrich (20) aus Hessisch Lichtenau ist seit knapp zwei Jahren Auszubildender.

Ohne Strom geht nichts - egal in welchem Unternehmen. Der Elektroniker für Betriebstechnik wartet oder repariert Elektromaterial, zum Beispiel von Bohrmaschinen. Er nimmt Prüfungen mit Multimetern vor und arbeitet an Baustromverteilern und Stromschränken, damit die Stromversorgung in den Werkshallen und auf den Baustellen gewährleistet ist. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre, Voraussetzung ist die mittlere Reife.

Instandhaltung der Maschinen 

Industriemechaniker: Lukas Thümling (19) aus Hessisch Lichtenau befindet sich im dritten Lehrjahr.

Wartung, Inspektion und Reinigung von Bohranlagen sind die Aufgaben des Industriemechanikers mit Fachrichtung Instandhaltung. Wenn Maschinen von der Baustelle kommen, liegen ihnen Pläne bei, was gemacht werden soll. Der Industriemechaniker repariert mitunter Schraubkupplungen von Schlauchanlagen, die den Wasserdurchfluss regeln. Dreieinhalb Jahre Ausbildung sind nötig. Ein Realschulabschluss wird erwartet.

Rubriklistenbild: ©  Künemund

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