Alle Einwohner packten an

65 Jahre Grundsteinlegung der Friedrichsbrücker Kirche

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Christa Rangette war 21 Jahre alt, als sie ihre Tochter Jutta beim Einweihungsgottesdienst am Zweiten Advent 1955 taufen ließ. Walter Range vom Kirchenvorstand zeigt ein Gesangbuch zum Vergleich mit dem neuen Anstrich am Kirchturm.

Heute, am 14. Mai, jährt sich die Grundsteinlegung der Friedrichsbrücker Kirche zum 65. Mal. Die geplante Feier der Kirchengemeinde kann jedoch wegen der Corona-Krise nicht stattfinden und wurde auf Himmelfahrt 2021 verschoben.

Die Gemeinde ist – im Vergleich zu denen der umliegenden Orte – „erst“ 243 Jahre alt, sie wurde 1777 durch Landgraf Friedrich II. gegründet. Der siedelte seinerzeit dort zehn Kolonisten-Familien an. Die ersten 178 Jahre war Friedrichsbrück ohne Kirche, alle kirchlichen Handlungen, außer Taufen, fanden in Hessisch Lichtenau statt. Erst ab 1881 hatte das Dorf einen eigenen Friedhof.

1949 änderte sich die Lage. Zur damaligen Stimmung im Ort schrieb Pfarrer Hans Werner Biehn 1981 rückblickend: „Damals, kurz nach dem Zusammenbruch und just in dem Jahr, da die Bundesrepublik als einer der beiden Staaten in Deutschland gegründet wurde und die Trennung offensichtlich wurde, ging eine Bewegung durch Friedrichsbrück. Dieser Aufbruch machte es möglich, dass in einem so kleinen Ort trotz aller Schwierigkeiten, trotz des fehlenden Geldes und trotz mancher Engpässe in der Versorgung unsere Kirche gebaut werden konnte. Jeder spendete, soviel er konnte. Es gab niemand, der nicht selbst mit Hand anlegte beim Bau der Kirche. Denn jeder verstand diese Kirche als unsere, als meine Kirche, als unser Haus Gottes in Friedrichsbrück“.

Das Grundstück schenkte die politische Gemeinde der Kirchengemeinde und gewährte einen Baukosten-Zuschuss von 15 000 Mark. Die Zeichnung fertigte Konrad Kaiser aus Fürstenhagen an, die Bauausführung übernahm die Firma Karl Küllmer aus Hessisch Lichtenau, fleißig unterstützt von den Friedrichsbrückern. Am 14. Mai 1955 setzte Bürgermeister Franz Ludwig im Beisein der Bevölkerung und des zuständigen Pfarrers Peter von Freyhold den Grundstein.

Beim Richtfest einen Monat später verkündete Zimmermann Hans Hofmann aus Fürstenhagen: „Doch lasst uns Gott die Ehre geben und flehn um sein Geleit. Ein Sinnbild sei der Stätte Stille. Der Schwachen Trost, der Müden Heim.“ Sechs Monate später wurde die Kirche am Zweiten Advent 1955 in einem Gottesdienst mit gleich zwei Taufen eingeweiht.

Bei Renovierungsarbeiten im August 1997 wurden Heizung und Fenster ausgetauscht, neue Sitzauflagen angeschafft und der Anstrich erneuert. Auf die Wand hinter dem Altar malte Helmut Langenhagen ein Hoffnungslicht in Form eines großflächigen Ornaments. In 2018/2019 folgte die nächste Renovierung – Ausbesserungsarbeiten am Dach von Kirche und Friedhofshalle waren erforderlich.

Zum Farbton des neuen Außenanstrichs für den Kirchturm schlug Pfarrerin Anja Peters – inspiriert von den Farben der Häuser auf der dänischen Insel Bornholm – das Rot des Gesangbuchs vor. Die Gemeinde stimmte zu, und so hebt sich der rote Kirchturm seit vergangenem Jahr deutlich vom restlichen Gebäude mit seiner weißen Fassade ab.

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