KVG: Kind wurde nicht aus der Bahn verwiesen

Achtjährige ohne Fahrkarte irrt im Dunkeln durch Hessisch Lichtenau

Im Dunkeln: Ann-Christin Sippel hatte ihren Fahrschein vergessen und musste laufen. Foto:  Shuhaiber

Hessisch Lichtenau. Die Grundschülerin Ann-Christin Sippel aus Fürstenhagen ist immer noch verängstigt.

Am Donnerstagabend vor einer Woche war das Mädchen nach einem Besuch bei der Großmutter in Hessisch Lichtenau auf dem Heimweg nach Fürstenhagen. Weil sie keine Fahrkarte hatte, sei sie vom Schaffner aus der Tram Linie 4 an der Endhaltestelle Bürgerhaus in Hessisch Lichtenau verwiesen worden.

„Der Fahrer ist aus seiner Kabine gekommen und hat mich nach meiner Fahrkarte gefragt. Ich habe ihm gesagt, dass ich meine Fahrkarte vergessen habe, da hat er mich aus der Straßenbahn rausgeschmissen“, erzählt Ann-Christin.

Die Schülerin begab sich daraufhin in der Dunkelheit zu Fuß auf den etwa 2,5 Kilometer langen Heimweg - vom Tal über die Orthopädische Klinik durch den Wald nach Fürstenhagen. Warum die Achtjährige nicht wieder zurück zur Großmutter gelaufen ist, kann sich ihre Mutter nicht erklären: „Ich vermute, sie war so verzweifelt, weil sie wusste, dass ich noch zur Arbeit muss und deshalb ganz schnell nach Hause wollte.“

Unterwegs wurde die Achtjährige von einem fremden Mann angesprochen, der ihr anbot, sie nach Hause zu fahren. „Sie ist nicht mitgefahren, weil ich ihr immer gesagt habe, sie darf nicht in fremde Autos einsteigen“, sagt ihre Mutter Mignon Sippel sichtlich erleichtert. Auch eine Frau habe angehalten und angeboten ihre Tochter nach Hause zu bringen, aber Ann-Christin sei nicht eingestiegen. Die Frau sei deshalb bei ihrer Tochter geblieben, während der Mann nach Fürstenhagen fuhr, um Ann-Christins Mutter zu informieren: „Der nette Mann klingelte bei uns zu Hause und bot mir an, gemeinsam mit ihm nach Hessisch Lichtenau zu fahren und meine Tochter abzuholen“, erzählt die zweifache Mutter, die den beiden Unbekannten unendlich dankbar für ihre Hilfsbereitschaft ist.

Leider sei sie an dem Abend so aufgeregt gewesen, dass sie vergessen habe, nach den Namen und Telefonnummern der beiden unbekannten Helfer zu fragen: „Gerne würde ich mich bei diesen Menschen für ihre Hilfsbereitschaft noch einmal persönlich bedanken, das war nicht selbstverständlich.

Das sagt die KVG...

„Als er abends die Tram 4 fuhr, bemerkte er an der Haltestelle Bürgerhaus ein Mädchen, das über die Sitze sprang und sprach sie darauf an, dass sie das bitte lassen solle“, sagt KVG-Sprecherin Heidi Hamdad. Auch fragte er sie, ob sie einen Fahrschein habe und wohin sie denn wolle. Sie sagte, sie wolle bis Fürstenhagen fahren und nein, sie habe keinen Fahrschein. Er habe daraufhin zu ihr sinngemäß gesagt, sie solle sitzen bleiben und dann in Fürstenhagen aussteigen - dass sie keinen Fahrschein hatte, war kein Problem. Bei der KVG werden keine Kinder ohne Fahrschein des Fahrzeugs verwiesen! Der Fahrer stieg dann kurz aus der Tram aus (er hatte Pause). Nach der Abfahrt bemerkte er das Mädchen auf dem Gehweg. Sie muss in seiner Abwesenheit die Bahn verlassen haben. Bei uns ist eine Beschwerde eingegangen. Darin wird angegeben, bei dem Mädchen sei der Fahrschein nach dem Einstieg kontrolliert worden. Das kann nicht sein. Fahrscheine werden beim Einstieg in Bahnen nicht kontrolliert und zu diesem Zeitpunkt fand keine Fahrausweisprüfung statt.

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