Kirchliches Ehrenamt

„Glaubwürdig bleiben“ - Andreas Müller ist neuer Prädikant in Fürstenhagen

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Beim Einführungsgottesdienst in Fürstenhagen am 6. Januar: Prädikant Andreas Müller (Mitte) mit Dekanin Ulrike Laakmann und Pfarrer Dr. Marcus Meier. 

Hessisch Lichtenau. „Wenn der Glaube etwas mit dem eigenen Leben zu tun hat, wird es interessant“, sagt Andreas Müller. Er ist ab sofort Prädikant in der Kirchengemeinde Fürstenhagen.

Doch was bedeutet das, welche Aufgaben haben Prädikanten? „Früher waren Prädikanten eine Art Hilfsprediger“, erklärt Müller. Das sei in der Nachkriegszeit entstanden, als Pfarrermangel herrschte und beispielsweise Pfarrfrauen die Aufgaben übernehmen mussten.

Das Amt des Prädikanten ist ein ehrenamtliches. Müller wird in dieser Funktion Predigten, Gottesdienste sowie Trauungen übernehmen und steht in engem Kontakt zum Dekanat und den Pfarrern. Beruflich ist der 38-Jährige beim EC-Verband in Kassel tätig, der dem Landesverband zuarbeitet.

EC steht für „Entschieden für Christus“ und ist ein internationaler, christlicher Jugendverband. Für Müller ist es daher wichtig, junge Leute anzusprechen. „Man muss sich fragen: Trifft die Form die Lebenswelt?“ 

"Teenies haben oft spannende Lebensfragen"

Ein 10-Uhr-Gottesdienst am Sonntagmorgen passe vielleicht in den Alltag älterer Menschen, in den der jüngeren aber oft nicht. Doch wenn sie dann da sind, weil sie es für den Konfirmationsunterricht tun, könne man seiner Meinung nach auch auf ihre Welt eingehen und zum Nachdenken anregen. „Teenies haben oft spannende Lebensfragen“, sagt er.

Form und Tradition der Kirche allein seien nicht mehr relevant, allerdings dürfe man sie auch nicht völlig außen vor lassen. „Die Herausforderung ist, auf alle Generationen einzugehen. Wir müssen die Menschen wahrnehmen und sie mit unseren Möglichkeiten ansprechen“, findet Müller. Ihm sei es wichtig, auch offen für Kritik zu sein und vor allem das zu leben, was man predigt: „Wir müssen glaubwürdig bleiben.“ Wenn Menschen das Gefühl haben, die Person am Altar spricht von Dingen fernab der Lebensrealität, gehe die Glaubwürdigkeit schnell verloren.

Dass der Glaube etwas sehr Individuelles ist, hat Müller auf dem Jakobsweg in Spanien erlebt, wie er sagt: Dort sei er mit Jugendlichen unterwegs gewesen und habe zwei Kölner getroffen. Der eine sei auf der Suche nach dem Sinn des Lebens gewesen – „nach einem gemeinsamen Abend mit vielen Gesprächen sagte er, dass er jetzt wieder eine Ahnung davon habe“, berichtet Müller.

Er kann sich vorstellen, die Jugendarbeit voranzubringen

Bei seiner Arbeit im EC-Verbund schult er Mitarbeiter, ist für die kirchliche Jugendarbeit zuständig, kümmert sich um Jugendwochen und entwickelt Projekte. „Die Pröbistin ist auf mich zugekommen“, berichtet Müller, und da er in Hessisch Lichtenau wohnt, habe sich das Ehrenamt als Prädikant in Fürstenhagen für ihn angeboten, zumal es eine Aufgabe ist, auf die er sich freue. 

Am 6. Januar fand der Einführungsgottesdienst von Andreas Müller mit Dekanin Ulrike Laakmann und Fürstenhagens Pfarrer Dr. Marcus Meier statt. Normalerweise sei vor der Arbeit als Prädikant eine zweijährige Ausbildung nötig, so Müller, doch weil er bereits eine seminaristisch-theologische Ausbildung samt Anerkennungsjahr absolviert hat, werde ihm das angerechnet.

In Fürstenhagen könne er sich auch vorstellen, die Jugendarbeit weiter voranzubringen, „man muss schauen, wie es sich entwickelt – der Kontakt zu Jugendlichen entsteht fast immer über Beziehungen.“

Andreas Müller: Zur Person

Andreas Müller ist 38 Jahre alt und stammt aus dem Westerwald, einem kleinen Ort nahe Siegen. Er hat eine Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker gemacht, darauf folgte der Zivildienst und von 2003 bis 2006 eine seminaristisch-theologische Ausbildung in Wuppertal. Danach absolvierte er sein Anerkennungsjahr in Wuppertal. Seit drei Jahren arbeitet Müller beim EC-Verband in Kassel und lebt mit seiner Frau und den gemeinsamen zwei Kindern in Hessisch Lichtenau.

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