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Angriff auf Schaf- und Ziegenherde bei Küchen

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Von: Stefanie Salzmann

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Angegriffen: Diese 170 Tiere starke Schaf- und Ziegenherde wurde in der Nacht zum Dienstag bei Küchen angegriffen. Mindestens zwei Schafe wurden gerissen.
Angegriffen: Diese 170 Tiere starke Schaf- und Ziegenherde wurde in der Nacht zum Dienstag bei Küchen angegriffen. Mindestens zwei Schafe wurden gerissen. © .:Privat

Zwei Schafe wurden gerissen, die 170 Tiere starke Herde gehetzt – Wolfsgutachter vor Ort

Küchen – Auf einer Weide zwischen den beiden Hessisch Lichtenauer Stadtteilen Hollstein und Küchen haben vermutlich ein oder mehrere Wölfe in der Nacht zum Dienstag eine Schaf- und Ziegenherde angegriffen. Dabei wurden nach jetzigem Stand mindestens zwei Tiere getötet.

Als die Schafhalterin der 170 Tiere starken Herde, Nina Hoeffel, am Dienstagmorgen zur Weide kam, lag der gesamte Zaun um – ein 90 Zentimeter hoher, unter Strom stehender Weidezaun. Die Herde befand sich daneben. Ein erstes gerissenes Tier entdeckte Nina Hoeffel nahe der Herde, einen weiteren Riss fand sie zirka 500 Meter entfernt in einem höher gelegenen Waldstück.

„Das muss eine ziemliche Hetzaktion gewesen sein“, sagt die Schafhalterin. Darauf deute zum einen die große Entfernung des zweiten Risses zur Herde hin, aber auch die Kampf- und Hetzspuren innerhalb des Pferches. „Man konnte deutlich an den Spuren sehen, dass die Herde im Pferch getrieben und gehetzt worden ist“, sagt Nina Hoeffel. In ihrer Panik seien eine ganze Reihe der Tiere versprengt worden. Ein letztes Schaf habe man gestern im Nachbarort Hollstein wiedergefunden.

Küchen: zwei Schafe von Wolf gerissen

Nina Hoeffel hatte gleich nach ihrer Entdeckung am Dienstagmorgen einen Wolfsrissgutachter kontaktiert, der noch am Vormittag nach Küchen gekommen und Gewebeproben von den Rissen für eine genetische Analyse genommen hatte. Diese nimmt das Hessische Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (HLNUG) vor – jene Behörde, die auch für das hessische Wolfsmanagement zuständig ist.

Ob es sich tatsächlich um einen Wolfsangriff gehandelt habe, kann die Schafhalterin jetzt noch nicht mit letzter Gewissheit sagen, dazu fehle es ihr an persönlicher Erfahrung. „Aber die Sachlage war eigentlich klar“, so Nina Hoeffel. Sie führt seit zwei Jahren ihren Betrieb als Schafhalterin und zieht jeden Tag mit ihrer Herde von Weide zu Weide rund um Reichenbach – vor allem in den Wintermonaten. „Wir sind jeden Tag woanders“, sagt sie.

Seit dem Angriff vorgestern Nacht übernachtet Nina Hoeffel bei ihrer Herde. „Ich will sehen, dass es meinen Tieren gut geht.“

Ans Aufgeben, wie viele ihrer Schäferkollegen, will Nina Hoeffel nicht denken. „Ich will den Beruf auf keinen Fall aufgeben“, sagt sie. Aber der Angriff auf ihre Herde jetzt habe deutlich gezeigt, dass die Wölfe den Mindestschutz für Weidetiere mühelos überwinden. Deshalb will sie jetzt für ihre Herde zwei Herdenschutzhunde anschaffen.

Das Gebiet dieses Angriffes gehört zu Einzugsgebiet der sogenannten Stölzinger Wölfin und damit auch ihrer möglichen Nachkommen. Um das benachbarte Hasselbach wurden in den vergangenen Wochen immer wieder zwischen drei und fünf Wölfe gesehen, die gemeinsam unterwegs waren. (Stefanie Salzmann)

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