Schließung des Lagers

Nach Angriff: Security-Firma hat Verständnis für Reaktion der Flüchtlinge

Hier gab es zu Auseinandersetzungen: Die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge im Senkefeld wird am heutigen Mittwoch endgültig geräumt. Foto: Bretzler

Hessisch Lichtenau. Die Angst vor Calden ging bei den Flüchtlingen schon Tage vor der Schließung der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) im Hessisch Lichtenauer Senkefeld um. Montag kam es zu Auseinandersetzungen.

„Als klar war, dass wir das Camp schließen, sagten viele Bewohner gleich: Da will ich nicht hin", berichtet Angela Lenhoff vom Sicherheitsdienst 24.

Obwohl einer ihrer Mitarbeiter von einem Faustschlag am Auge verletzt wurde, hat sie Verständnis für die Reaktion der Bewohner. „Der Aufruhr gestern Abend war die Entladung all der negativen Gefühle und der Unsicherheit, was sie in der neuen Unterkunft nun wieder erwartet.“ In Hessisch Lichtenau sei es die ganze Zeit über recht ruhig und familiär zugegangen. „Ich denke, hier kamen bei den Bewohnern Angst und Enttäuschung zusammen.“ Angst vor der EAE Calden, über die sie nach Auskunft von anderen Flüchtlingen laut Lenhoff nicht viel Gutes gehört haben, und Enttäuschung darüber, dass nicht ihr Transfer in die Zweitaufnahme der Kommune ansteht, sondern nur eine Verschiebung in die nächste EAE.

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„Man muss die Menschen verstehen“, sagt Lenhoff. „Sie haben viel hinter sich und wollen endlich irgendwo ankommen. Der Frust hat sich hochgeschaukelt und entladen. Und wenn einer anfängt, wird schnell ein aggressiver Pulk daraus.“ Bei Eintreffen der Polizei habe sich die Situation schnell beruhigt. „Zumal beim Einsatz ein Polizeihund dabei war, vor dem die Bewohner großen Respekt hatten.“

Lenhoff hatte im Vorfeld damit gerechnet, dass es bei der Abreise der Asylbewerber, die sich nach ihrer Einschätzung im Senkefeld recht wohl gefühlt haben, Probleme geben könnte. „Ich hätte mir vorstellen können, dass manche Bewohner nicht in die Busse einsteigen wollen und einen Sitzstreik machen.“ Dass am Ende Steine und Fäuste fliegen, sei kein schöner Abschluss ihrer Arbeit. Dennoch sei die Abreise gestern sehr emotional gewesen. „Viele, die sich am Montag noch aggressiv verhalten haben, waren traurig und haben jeden mit Handschlag verabschiedet. In diesen Bevölkerungsgruppen läuft ein Streit eben anders als bei uns. Es gibt schnell ein Riesengeschrei, auch um Kleinigkeiten.“

Polizeisprecher Jörg Künstler bestätigte auf Nachfrage nicht, dass Angst vor Calden das Motiv für den Angriff der Bewohner war. Auch von einem Polizeihund beim Einsatz hatte er keine Kenntnis.

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