Arbeit aus Leidenschaft

Klaus-Dieter Welker pflegt seit 27 Jahren das Mausoleum

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Ehrenamtliche Pflege: Anne Roll und Klaus-Dieter Welker vor dem Mausoleum der Brüder-Lenoir zwischen Fürstenhagen und Hessisch Lichtenau. 

Fürstenhagen. „Inzwischen ist es meine Leidenschaft, mich um das Gebäude zu kümmern", sagt Klaus-Dieter Welker. Das Gebäude ist für ihn das Mausoleum der Lenoir-Brüder in Fürstenhagen.

Bereits seit 27 Jahren pflegt, restauriert und betreut der 56-Jährige den Friedhof der Lenoir’schen Waisenhausstiftung ehrenamtlich. Jetzt wurde der Boden des Mausoleums erneuert. Er war an vielen Stellen durch die Witterung aufgeplatzt, lange Risse hatten sich gebildet. „Der Beton ist gesprungen und die Marmor-Granulat-Stücke des Terrazzobodens sind uneben geworden. Es ist immer mehr kaputt gegangen“, sagt Welker.

Das hat er geändert: Er hat das Gebäude und Gelände wieder auf Vordermann gebracht. Seit zwei Monaten wird der Boden jetzt so restauriert, wie er früher ausgesehen hat. Der dafür engagierte Restaurator muss dazu Farbproben machen, um den genauen Ton des Marmor-Granulates zu treffen. Der Boden wird dann mit einer speziellen Lackschicht versiegelt. Die Renovierung der 90 Quadratmeter kostet etwa 27.000 Euro. Das Geld dafür kommt aus der Stiftung, die die Stadt Kassel verwaltet. „Ich bekomme manchmal ein Schreiben von der Stiftung, in dem sie mir für meine Arbeit dankt“, sagt Welker, der schon lange eine Verbindung zu den Lenoir-Brüdern hat.

Schutzschicht: Klaus-Dieter Welker streicht über den neuen Terrazzoboden im Mausoleum der Lenoir-Brüder.

„Ich war früher selbst eines der Kinder, das im dem ehemaligen Kinderheim der Lenoir-Stiftung aufgewachsen ist.“ 13 Jahre hat er dort gelebt. Im Jahr 1988 ist er zufällig wieder am Mausoleum vorbei gekommen. „Es hat dort fürchterlich ausgesehen. Alles war verwildert, vieles verwüstet, und der Ort war absolut verwahrlost. Drei Jahre hatte sich niemand um das Anwesen gekümmert“, sagt Welker. Das habe ihm in der Seele weh getan. „Ich dachte mir, dass es so nicht weitergehen kann und habe aufgeräumt und restauriert.“

Zuvor hat er sich mit der Geschichte der Lenoir-Brüder auseinandergesetzt. „Ich war begeistert darüber, dass Georg André Lenoir sein Vermögen für Waisenkinder eingesetzt und ihnen ein Zuhause geboten hat“, sagt der 56-Jährige. Seitdem verbringt Welker, der in der Nähe des Mausoleums wohnt, etwa 15 Stunden die Woche damit, das Gebäude zu pflegen. Hilfe erhält er dabei von seiner Lebensgefährtin Marina Benedum. „Wir haben uns im Kinderheim kennengelernt, sie teilt meine Liebe zum Mausoleum.“ Seine gute Freundin Anne Roll ist die dritte, die tatkräftig mithilft. „Ich bin ja schon ein wenig traurig, wenn der Boden fertig ist. Ich weiß gar nicht, wie viel Zeit ich damit verbracht habe, mit einer Wurzelbürste das Moos und den Dreck davon zu entfernen“, sagt Welker und lacht. Auf dem Gelände des Mausoleums befinden sich außerdem noch ein See, Wald und Wiesen. Die pflegt Welker auch.

Wie lange der 56-Jährige das noch weitermachen kann, weiß er nicht: „Ich versuche, das Anwesen so lange zu verwalten, wie es geht.“

Die Stiftung der Lenoir-Brüder

Die Lenoir-Stiftung wurde von Georg André Lenoir gegründet. Der Physiker und Chemiker hatte ein gewaltiges Vermögen angehäuft, als er als Junggeselle im Alter feststellte, dass er nichts davon mitnehmen konnte. Er investierte in die Stiftung, die Waisenkindern der Stadt Kassel ein Zuhause geben sollte. Im Jahr 1893 wurde die erste Stiftungsurkunde ausgefertigt. Lenoir investierte nur Teile des Vermögens in die Stiftung. Er erwarb das Gut Teichhof in Fürstenhagen. Dort wuchsen Waisenkinder in familienähnlichen Gruppen auf. Georg André Lenoir wurde im Mausoleum, das zum Gutshof gehörte, beigesetzt. Die Stadt Kassel verwaltet heute die Stiftung. 

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