Auch in Texas gibt es ein Walburg

Haben schon zahlreiche Besucher aus den Vereinigten Staaten willkommen geheißen: Renate und Ottfried Rüppel sind für viele amerikanische Walburger die erste Anlaufadresse. Foto:  Merkel

Walburg. 1880 wanderte Heinrich Döring in die USA aus und benannte ein Dorf nach seinem Heimatort.

„Was wir schon Besuch aus Amerika gehabt haben!“ Renate Rüppel und Ehemann Ottfried können die Besucher aus den Vereinigten Staaten, die in den vergangenen Jahren kamen, gar nicht mehr zählen. In Walburg/Texas und Umgebung kennt man die Adresse des Ehepaares gut, denn Renate ist eine geborene Döring, stammt aus dem Haus Am Rain 5 im heutigen Hessisch Lichtenauer Stadtteil Walburg.

Und in genau diesem Gebäude war am 16. September 1855 Heinrich Döring geboren worden, ist dort aufgewachsen. Als junger Mann wanderte er 1880 nach Amerika aus, wollte die Armut in der Heimat hinter sich lassen, in Texas sein Glück machen.

Zunächst versuchte er sich bei Berry’s Creek als Farmer. Nach einem Sonnenstich, so berichtet es die Familienchronik, gab er die Landwirtschaft auf und organisierte die Post in der Region. Er verzichtete darauf, der Poststation und dem darum entstehenden Dorf seinen Namen zu geben und benannte beide nach seinem Geburtsort Walburg.

Sowohl geschäftlich als auch privat machte Heinrich Döring in den Staaten sein Glück. Mit seiner Frau Lena geb. Braun, die er 1882 heiratete, hatte er elf Kinder. Das erste wurde 1882 geboren, das jüngste 1907. Seine Schwester Katharina Liese folgte im 1891 und der Neffe Wilhelm Döring trat 1921 den Weg über den großen Teich an.

Heinrich, der sich bald Henry nannte, kam 1907 noch einmal zu Besuch in seine alte Heimat und starb 1916 in Walburg/Texas, wo er auch Präsident der örtlichen Bank war.

Ottfried und Renate Rüppel haben sich 1979 als junge Leute aufgemacht und die Spuren des Verwandten in Texas gesucht und gefunden. Gerne erinnern sie sich an diese Eindrücke. Die größte Zahl aus Texas war 2014 an die Wehre gekommen: Eine Gruppe der evangelisch-lutherischen Gemeinde auf den Spuren der Reformation. Der letzte amerikanische Walburger war vergangenes Jahr zu Besuch. „Die wollen immer den Friedhof sehen und sind enttäuscht, dass die Gräber längst abgeräumt sind“, erzählt Renate. Aber das Geburtshaus steht noch, vermittelt einen Eindruck.

Walburg in Texas ist eine kleine, von der Landwirtschaft geprägte Gemeinde von etwa 250 Einwohnern in der Nähe von Austin an der Interstate Highway 35.

Bekannt sind die zwei Gaststätten: Dales Essenhaus und das Walburg German Restaurant mit Biergarten, das im ehemaligen Gebäude der HY. Doering Company untergebracht ist.

Das von dem Lehrer Herbert Beysiegel verfasste Walburg-Lied ist übrigens von einem amerikanischen Walburger vertont worden: Martin Doering schrieb die Melodie.

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