Rotes Fachwerk als Markenzeichen

Die Kirche im Dorf lassen: In Wickersrode gab es einen Balkentausch zur Jahrtausendwende

Expertinnen: Enne Pipper (links, Ortskirchenausschuss) und Pfarrerin Dorothee Holzapfel stellen die Kirche vor.
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Expertinnen: Enne Pipper (links, Ortskirchenausschuss) und Pfarrerin Dorothee Holzapfel stellen die Kirche vor.

47 Gotteshäuser der evangelischen Kirche gibt es im ehemaligen Kirchenkreis Witzenhausen. Jede Kirche hat eine spannende Geschichte zu erzählen. Heute: die Fachwerkkirche Wickersrode.

Wickersrode – In der Ortsmitte von Wickersrode liegt gegenüber dem Anger, der einst der Gerichtsplatz war, die kleine evangelische Dorfkirche auf einem Platz mit leicht abschüssigem Hang.

Wickersrode wurde im 13. Jahrhundert zum ersten Mal urkundlich erwähnt, genauer gesagt 1297, wie das historische Ortslexikon des Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen weiß. Es hält auch fest, dass der Name an einen Vornamen erinnert der in der Familie von Bilstein damals geläufig war: Wigger. Er könnte das Dorf gegründet haben. Kurz nach 1376 bekam ein gewisser Hartmann das Burglehen zu Wickersrode von Landgraf Hermann übertragen. „1409 wird das Kirchspiel hier erstmals erwähnt und dass es zur Kirche in Reichenbach gehörte“, erklärt Pfarrerin Dorothee Holzapfel.

Frühklassizistisch: Die Fachwerkkirche von Wickersrode liegt mitten im Ort neben den ehemaligen Gerichtsplatz. Sie wurde 1796 erbaut und im Jahr 2000 umfangreich saniert.

Markenzeichen: Rotes Fachwerk

Im 16. Jahrhundert gab es gerade einmal zwölf Haushalte im Ort, deren Bewohner um 1554 aber wohl eine Vorgängerkirche der heutigen erbaut haben, so zitiert es die Tafel, die an der Westseite aufgehängt ist. 1796 wurde die heutige Fachwerkkirche erbaut, und zwar mit zwei Geschossen im Bereich der Emporen. Der frühklassizistische Bau, der über einem Sandsteinsockel errichtet wurde, besteht aus Fachwerk. Seine Stabilität erhält er durch ein regelmäßiges Gerüstraster, das gut zu sehen ist, da das rote Fachwerk nur an der Westseite gegen Wettereinflüsse mit Schiefer verhängt wurde.

Die Fenster sind klein und rechteckig. Im Chor wurde das Fachwerk hingegen als ein durchgehendes Geschoß gezimmert. Über dem Eingang erhebt sich ein Turm, der in Schiefer eingekleidet ist, mit einem achtseitigen Helm und einer Wetterfahne, die das Erbauungsdatum 1796 trägt. 1955 gab es eine Neugestaltung des Innenraums. 1998 bis 2000 wurde die Kirche vollständig renoviert. „Damals wurde das Fachwerk ausgewechselt, da die Balken faul waren“, erzählt Enne Pipper vom Ortskirchenausschuss. „Es kamen dazu eigens Fichtenbalken aus Frankreich, die dann wieder eingebaut wurden.“

Förderverein setzt sich für Kirche ein

Ein Förderverein wurde gegründet – er setzt sich dafür ein, dass das Fachwerk sichtbar erhalten bleibt. Auch im Dach wurden neue Balken eingezogen, um dieses zu stabilisieren. „Wenn früher hier die Bundeswehr mit ihren Panzern vorbeigefahren ist, hat das ganze Haus gewackelt“, erinnert sich Enne Pipper. Im Inneren ist die Kirche schlicht gestaltet, die Kanzel und der der Altar stammen noch aus der Bauzeit, sie wurden jedoch wie die Emporen in kräftigem Blau und Rot gestrichen.

Blau und rot: Der Innenraum wurde 1955 neu gestaltet.

Pfarrerin Dorothee Holzapfel kann sich in Wickersrode auf die Unterstützung des aktiven Ortskirchenausschusses verlassen. Die Gemeinde Reichenbach-Hopfelde, zu der Wickersrode gehört, engagiert sich zudem aktiv bei Churches for Future („Kirchen für die Zukunft“) für den Klimaschutz. Das Thema Wald ist der Pfarrerin wichtig. Zur Gemeinde gehören auch 60 Hektar Kirchenwald, die nach den Schäden der vergangenen Jahre zu Teilen wieder aufgeforstet werden müssen. Auch Obstbäume könnten auf Kirchenland gepflanzt werden. „Die Pflege der Flächen ist unsere Aufgabe“, sagt die Pfarrerin. „Es geht uns um die Bewahrung der Schöpfung, denn in einem gesunden Wald können viele Arten leben.“ (Kristin Weber)

Weitere Kirchengeschichten können Sie unter anderem schon aus folgenden Orten lesen: Sooden, Dudenrode, Hilgershausen, Kammerbach, Weißenbach, Orferode, Unterrieden und Reichenbach.

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