Barrierefreie Altstadt: 7500 Euro für neue Ideen

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Abschluss des Projekts „Barrierfreie Innenstadt“: Nutzer mit dem großen Kinderwagen der Kita Karpfenfänger, Rollstühlen und Rollatoren sowie Vertreter des Parlaments bei der Besichtigung des Ergebnisses in der Burgstraße im Juli 2015.

Hessisch Lichtenau. 750 Meter ist sie lang, die im holprigen Natursteinpflaster glatt verlegte Mehrgenerationen-Fahrbahn rund um die Lichtenauer Innenstadt.

Mehrgenerationen deshalb, weil der Geh- und Fahrstreifen nicht nur von Senioren mit Rollatoren gern genutzt wird, sondern auch von Frauen mit Stöckelschuhen und von Eltern mit Kinderwagen. Die Idee eines barrierefreien Stadtzentrums war preiswürdig.

Das befand kürzlich die Jury des bundesweiten Ideenwettbewerbs „Jeder will alt werden, keiner will alt wohnen“ des Unternehmens Kubus 360 (Stuttgart) und der Plattform Innovationskraftwerk und vergab den ersten Platz an das Projekt der Lossestadt.

Damit setzte sich Hessisch Lichtenau gegen 138 weitere Ideen durch, die ebenfalls für den mit 2500 Euro dotierten Preis ins Rennen gegangen waren. Jetzt hat die Stadt zusätzlich zum Preisgeld weitere 5000 Euro zur Verfügung, die von der Berliner Inno-Focus Businessconsulting GmbH zur Ideenumsetzung beigesteuert werden.

Bürgermeister Jürgen Herwig hat schon Pläne geschmiedet, wie das Geld sinnvoll eingesetzt werden kann: „Vielleicht können wir einige Parkbänke erhöhen, damit Senioren besser aufstehen können. Oder ein Ingenieurbüro damit beauftragen, Rampen für Geschäftseingänge zu planen, die durch hohe Stufen an den Eingängen oft nicht behindertengerecht sind.“

Doch auch wenn jetzt die Freude groß ist: Der Weg zum Preis war nicht einfach. Herwig erhielt für das Vorhaben nicht die Zustimmung des Magistrats und war auch im Stadtparlament zunächst auf Widerstände gestoßen. Er hielt aber an dem Vorhaben fest und erreichte im März 2014 mit einer eigenen Vorlage eine Mehrheit.

„Ich war damals verwundert, dass so viele gegen das Projekt waren - immerhin werden Kommunalpolitiker auch einmal alt und sind froh, ein solches Angebot nutzen zu können.“ sagte Herwig. „Jedenfalls bin ich froh, dass wir dieses wichtige Idee umgesetzt und mehr Bewegungsfreiheit für Menschen mit Einschränkungen geschaffen haben. Dafür erhalten wir jetzt eine schöne Anerkennung.“ Auch finanziell habe alles gepasst. 35.000 Euro steuerte die Stadt nach Auskunft des Bürgermeisters aus dem eigenen Haushalt bei, der Rest der Baukosten in Höhe von 160.000 Euro wurde aus dem Stadtumbauprogramm bezahlt.

Pinnwand-Aktion der HNA Witzenhausen

2007 rief die HNA/Witzenhäuser Allgemeine die Pinnwand-Aktion ins Leben. Dabei hatten Leser die Möglichkeit, schlecht begeh- oder befahrbare Bereiche ihrer Heimatstädte auf einem Stadtplan zu markieren und Verbesserungsvorschläge zu machen. Die Anregungen haben wir gesammelt und mit den Stadtverwaltungen analysiert, die ihrerseits viele Schwachstellen behoben. In Hessisch Lichtenau lief die Aktion im Februar 2008. Bereits damals war das holprige Natursteinpflaster der Kirch- und Burgstraße in der Kritik. Bürgermeister Jürgen Herwig sah aus Geldgründen zu diesem Zeitpunkt wenig Chancen für eine Umsetzung des barrierefreien Fahrspur-Projekts. Erst mit dem Stadtumbauprogramm konnte das Vorhaben 2014 angegangen werden. (kbr)

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