Protest gegen Lastwägen

Einwohner wollen weniger Lieferverkehr von der Basalt AG

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Gegen den Lkw-Verkehr: Einwohner von Quentel, Fürstenhagen, Eiterhagen und Empfershausen demonstrieren gegen die zahlreichen Lastwagen, die täglich durch die Ortschaften fahren. 

Mit Warnwesten und Megafon ausgestattet haben die Einwohner von Quentel, Fürstenhagen, Empfershausen und Eiterhagen  gegen den Lkw-Verkehr in ihren Ortschaften protestiert. 

An der Einfahrt zur Basalt AG versammelten sich nach Schätzung der Polizei rund 80 Demonstranten, um den Lastwagen den Weg zu versperren.

Obwohl die Aktion nur im engsten Kreis angekündigt worden war, war den Teilnehmern schon früh am Morgen klar, dass auch die Basalt AG von der Aktion erfahren haben musste. 

„Meine Frau sagte heute Mittag zu mir, so ruhig wie heute ist es in Quentel sonst nur am Wochenende“, sagte Heinrich Lutz von der Bürgerinitiative. An einem normalen Wochentag wäre es üblich, dass über 1000 Lastwagen durch die Ortschaften fahren.

„Mein Schlafzimmer ist zur Straße hin. Wenn die nachts halb vier anfangen zu fahren, das bekommt man schon mit“, sagt Hans Hofmann aus Quentel. Besonders schlimm seien die Heckklappen der Fahrzeuge: „Die machen ordentliche Schläge.“

Beim Ortsvorsteher von Empfershausen, Ralf Buschbeck, sammeln sich die Beschwerden über den Verkehr: Durch die Erschütterungen bilden sich bei einigen Häusern Risse bis ins Innere, Türen schließen nicht mehr, in den Schränken klappert das Geschirr, Lärm und Dreck belasten die Anwohner. Auch an der Straße sind schon lange Arbeiten überfällig. 

Warten bis 2022?

„Die Ortsdurchfahrt hätte eigentlich 2012 grundhaft neu gemacht werden sollen“, sagt Buschbeck. Doch bis heute wurde die Straße nicht gebaut. „Jetzt steht sie wieder auf der Prioritätenliste. Vielleicht kommt sie 2022 dran“, sagt Buschbeck. Er vermutet, dass die Basalt AG sich gegen eine Vollsperrung der Straße einsetzt, die aber für die grundlegende Erneuerung notwendig wäre. 

„Keiner fühlt sich zuständig“, beschwert sich Buschbeck, da das Werk im Söhrewald und damit im Kreis Kassel liege. Der Verkehr laufe aber über die Kreise Werra-Meißner und Schwalm-Eder.

„Wenn es einfach wäre, ständen wir heute nicht hier“, sagte Michael Heußner, Bürgermeister von Hessisch Lichtenau. Er sieht die Versäumnisse bereits beim Genehmigungsverfahren der Anlage der Basalt AG. Da die Anlage aber nicht auf dem Ortsgebiet der Stadt ist, hätte man nur begrenzten Einfluss gehabt.

Auch Fürsthagenner demonstrieren

Auch Svenja und Björn Dippel aus Fürstenhagen demonstrieren, weil sie unter dem Verkehr leiden. Seit fünf Jahren gehört ihnen ein Haus direkt an der Quenteler Straße. 

„Hätten wir damals gewusst, wie das mit dem Verkehr hier ist, hätten wir das Haus nicht gekauft“, sagt Svenja Dippel. Besonders um ihre beiden Söhne macht sie sich Sorgen. „Wenn die Kinder zur Schule laufen, gehen sie immer an die Seite, wenn ein Lastwagen kommt. Der Windstoß könnte sie sonst umwehen.“ 

Und Björn Dippel ergänzt: „Wenn man sieht, wie oft die Schilder an der Verkehrsinsel in Fürstenhagen abgefahren werden, da macht man sich schon Sorgen.“

Seit 2013 kämpft die Bürgerinitiative Quentel für weniger Lkw-Verkehr. „Die Politik muss wollen“, sagt Heinrich Lutz von der Bürgerinitiative. Die vorgeschlagene Alternativroute der Bürgerinitiative sei damals abgelehnt worden, da sie durch FFH-Gebiet führe. „Aber als die Windräder gebaut worden sind, hat es auch keine Rolle gespielt.“

Hoffnungsschimmer: Besuch des Petitionsausschusses

Die Bürgerinitiative Quentel hat in der vergangenen Woche Besuch aus Wiesbaden bekommen: „Der Petitionsausschuss des Landtages wollte sich die Situation vor Ort noch einmal anschauen“, sagt Heinrich Lutz von der Bürgerinitiative. Bereits 2017 war eine Delegation in Quentel gewesen. 

Danach habe Lutz nichts mehr von der Sache gehört. Beim aktuellen Ortstermin waren Vertreter des Verkehrsministeriums, des Regierungspräsidiums Kassel, von Hessen Mobil, dem Werra-Meißner-Kreis und der Stadt Hessisch Lichtenau dabei, wie Lutz berichtet. Zudem waren die Landtagsabgeordneten Knut John (SPD) und Lena Arnold (CDU) mit beim Termin in Quentel. 

„Die Berichterstatterin des Petitionsausschusses und die politischen Vertreter wollen sich nun noch einmal mit der Basalt AG in Verbindung setzen, um über alternative An- und Abfahrtsrouten der Lastwagen zu diskutieren“, sagt Lutz. „Die Hoffnung stirbt zuletzt. “

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