HNA traf Glade in Hessisch Lichtenau

Von Berlin zurück zur Losse: Schauspieler Martin Glade zu Gast in seiner Heimatstadt

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Mit Frau Holle im Park seiner Heimatstadt: Schauspieler Martin Glade (43) ist in Hessisch Lichtenau aufgewachsen, lebt und arbeitet in Berlin.

Hessisch Lichtenau. Martin Glade spielt gern die schrägen Typen, die Sonderlinge, die Kranken und manchmal auch die Toten. Wir haben den Schauspieler in seiner Heimatstadt Hessisch Lichtenau getroffen.

Im Spielfilm „Der Baader-Meinhof-Komplex“ mimte er den Studenten Benno Ohnesorg, der im Juni 1967 während einer Demonstration durch einen Schuss in den Hinterkopf getötet wurde. Er selbst fühlt sich nicht als Star. Zum Gespräch kommt er mit Drei-Tage-Bart und verwuschelten Haaren. „War spät gestern“, sagt er und lacht dabei so, als kenne man sich schon seit 100 Jahren aus der Nachbarschaft.

Und genauso ist der 43-jährige auch. Freundlich, bescheiden und kein bisschen abgehoben. Namen von berühmten Schauspielern, mit denen er zusammengearbeitet hat, muss man ihm eher entlocken. Für ihn selbst ist das nichts Großes. „Ich hatte eben das Glück, vor allem in den 90er Jahren mit den ganz Großen des deutschen Filmgeschäfts zusammenarbeiten zu dürfen.“ Senta Berger, Gabi Dohm, Götz George, Ruth Maria Kubitschek und Til Schweiger, um nur einige zu nennen.

Lieber redet der 43-Jährige über andere Dinge. Zum Beispiel über den Naturgarten mit Spatzenhaus, den er mit seinen zwei Schwestern am Elternhaus in der Friedenstraße anlegen möchte. Und über die Benefiz-Veranstaltung von Kindern für Kinder, bei der er kürzlich in Hessisch Lichtenau „Stargast“ war. „Da hatte ich Lampenfieber, weil ich anfangs frei reden musste, und war froh, als er mit meiner Lesung anfangen konnte.“

Eine eigene Familie hat der 43-jährige bislang nicht gegründet. „Vielleicht soll das so sein. Ich bin Weltenbürger und Einzelgänger gleichermaßen. Einer, der gern für Kinder da ist, aber nicht als Vater, sondern eher als väterlicher Freund.“ Spaß hat er vielen Mädchen und Jungen schon gemacht, vor allem als Darsteller des Weihnachtshassers „Pit Piestig“ in der Serie „Beutolomäus“. Pit Piestig hat den Weihnachtsmann entführt als Rache dafür, dass er als Kind wegen einer Tierhaar-Allergie nie einen Hund geschenkt bekommen hatte. „Die Serie war bei KiKa ein unerwartet großer Erfolg.“ Zurzeit verfolgt der 43-Jährige eigene Projekte. Er hat unter dem Namen „Studiotat“ eine Produktionsfirma gegründet und arbeitet an einer Filmreihe, die dokumentarische und experimentelle Foto- und Filmaufnahmen aus dem vergangenen Jahrzehnt umfasst. Natürlich dreht er auch noch Spielfilme, „aber zurzeit gibt es nicht viele Rollen, wo ich als Typ reinpasse“, sagt er.

„Fast-Food-Fernsehen“ nennt er das, was aktuell über die Bildschirme flimmert. Wer früher, wie er, oft als Nebenrolle besetzt wurde, sei heute aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwunden. Dann heißt es warten, bis die Zeiten sich wieder ändern. Unglücklich ist Martin Glade über die Flaute nicht. Sie gibt ihm Zeit, kreativ zu sein.

Über Wasser hält ihn die Schauspielerei trotzdem. Mehr als das. „Ich liebe diesen Beruf wirklich.“

Zur Person: 

Schon mit fünf Jahren wusste Martin Glade, dass er Schauspieler werden wollte. „Kinski“ nannte ihn sein Vater früher scherzhaft, nach dem Schauspieler Klaus Kinski, der ein Vorbild Glades war. „Nicht wegen seines Charakters, sondern wegen der Intensität, mit der er seine Rollen gespielt hat.“ Als Jugendlicher gründete er mit Freunden das „Dachbodentheater“, schrieb eigene Stücke und führte diese in seiner Heimatstadt und in Witzenhausen auf. Trotz seines Hangs zur Bühne und zur Kunst wollte er seinen Eltern zuliebe das Fach-Abi im Bereich Wirtschaft und Verwaltung machen. „Aber als meine Eltern merkten, dass ich mit Zahlen nichts am Hut hatte und das Steuerbüro meines Vaters nicht weiterführen wollte, ließen sie mich meinen Weg gehen.“

Martin Glade bestand als damals jüngster Bewerber mit 18 Jahren die Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg, wo er von 1992 bis 1996 studierte. Einem breiteren Publikum wurde er durch Kinofilme wie „U-571“ (USA, 2000), „Auf Herz und Nieren“ (D, 2001, Produzent Til Schweiger), „Süperseks“ (D, 2004) und „Der Baader Meinhof Komplex“ (D, 2008) sowie durch "Tatort" und "Polizeiruf 110" bekannt. 2013 spielte er eine Nebenrolle in „Inside Wikileaks“ mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle.

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