Fahrerin berichtet aus ihrem Alltag

Busfahren in Zeiten von Corona: Die Schüler fehlen schon

„Wenn ich alleine bin, dann singe ich“: Sabine Ahrens ist seit 25 Jahren Busfahrerin mit Leib und Seele.
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„Wenn ich alleine bin, dann singe ich“: Sabine Ahrens ist seit 25 Jahren Busfahrerin mit Leib und Seele.

Im Öffentlichen Nahverkehr darf man derzeit nur noch mit Maske mitfahren, die Fahrgastzahlen sind seit Beginn der Corona-Pandemie zurückgegangen. So erlebt das eine langjährige Busfahrerin.

„Man hat die kleinen Quälgeister ja schon vermisst“ – Sabine Ahrens freut sich, dass ihr Bus nun wieder von Schülern genutzt wird. Sieben Mal fährt sie mit ihrem Linienbus 441 täglich von Morschen nach Spangenberg und retour. Die großen Zahlen sind es zwar noch nicht wieder. „Aber die Schule ist ja noch nicht wieder für alle geöffnet“, erklärt sie. Obwohl: „Stehen muss bei mir im Bus eigentlich nie jemand“.

Seit 25 Jahren ist die fröhliche blonde Frau Busfahrerin, immer bei der in Hessisch Lichtenau beheimateten Firma „Froelich-Reisen“. Eigentlich hatte sie geplant, im Mai das Jubiläum gebührend mit den Kolleginnen und Kollegen zu feiern. Aber Corona machte auch da einen dicken Strich durch die Rechnung.

Immerhin hat es geklappt, dass Chef Bernd Froelich ihr zum Silbernen Jubiläum angemessen gratulierte. Dazu ist sie in der Mittagspause in die Zentrale in Hessisch Lichtenau gekommen. Er hatte die junge Frau damals auch persönlich eingestellt. Einen Blumenstrauß und ein Stück Torte gab es aus aktuell gebotener Entfernung.

„Am Betriebsort Melsungen war ich die erste Busfahrerin“, erinnert Sabine Ahrens sich. „In Melsungen war das damals eine kleine Sensation“.

„Ich habe aber schon immer ein Interesse an großen Maschinen gehabt“, erzählt die Bauerntochter aus dem Morschener Ortsteil Wichte. Alle Trecker hat sie gefahren, auch die großen, mit allen Anbaugeräten gearbeitet. „Eigentlich hätte ich Mechaniker oder Schlosser lernen sollen“, erzählt sie nachdenklich. Sie machte aber eine Ausbildung als Hauswirtschafterin, fuhr dann Schüler für eine Behinderteneinrichtung.

Im April 1995 machte sie dann ihren Busführerschein und fing am 1. Mai bei Froelichs in Melsungen an.

„Ich habe es nie bereut“, sagt sie. Auf der ersten Fahrt hat sie damals die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr aus Morschen gefahren, die über die Chauffeurin hellauf begeistert waren. Ein Herr sah das anders, wollte nicht von einer Frau gefahren werden. „Dann müssen sie halt laufen“, hat sie ihm geantwortet. „Wir sind aber richtig gute Freunde geworden“, erzählt sie.

Überhaupt: Sie kennt ihre Passagiere. „Manchmal melden die sich ab, wenn sie in den Urlaub fahren“. Bus fahren in Coronazeiten? Als die Schulen geschlossen waren, da hatte Ahrens auf vielen Fahrten keine Passagiere. Langweilig wurde ihr dabei aber nicht. „Dann höre ich halt Musik. Oder ich singe selbst!“ Die regelmäßigen Chorproben in ihrem Wichter Gesangverein vermisst sie sehr. Sie lobt den Spuckschutz aus durchsichtiger Folie, der den Fahrerraum nun zuverlässig abschirmt: „Das sollen die sich patentieren lassen“. Nun kann sie wieder ohne Maske fahren, die Menschen können wieder vorne einsteigen. Nach Feierabend wird sie den Bus bei sich in Wichte abstellen und von dort am nächsten Morgen wieder starten.

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