Corona in Nordhessen

Schließungen wegen Corona-Pandemie: Angst vor Ansteckung und um Existenz

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Auf dem ersten Blick wirkt die Poststraße in Hessisch Lichtenau normal. Weil aber viele Geschäfte nicht öffnen dürfen, herrscht weniger Betrieb. Im Futterladen Füllgraf darf noch eingekauft werden: Ein Angebot, das Dennis Glowka nutzt. Allerdings beschränkt Inhaberin Jasmin Füllgraf-Schmitt die Personenzahl im Geschäft.

Wegen der Corona-Pandemie sollen nur noch Geschäfte öffnen, die den täglichen Bedarf sicherstellen. Was macht das mit einer Stadt wie Hessisch Lichtenau? Ein Rundgang.

Auf den ersten Blick wirkt in Hessisch Lichtenau alles wie immer: Autos fahren durch die Straßen, einige Menschen sind zu Fuß unterwegs, im Eiscafé genießen Einzelne auf der Terrasse die Sonne. Erst beim näheren Hinschauen fällt auf, dass in vielen Geschäften kein Licht brennt und die Türen geschlossen sind. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, dürfen seit Mittwoch nur noch Geschäfte öffnen, die den täglichen Bedarf sicherstellen. 

Das Schreibwarengeschäft von Werner Glade hat weiterhin geöffnet, zur Erleichterung der Kunden. Neben dem Verkauf von Zeitungen ist das Geschäft auch eine Poststation. Um sich und Mitarbeiterin Birgit Oeste zu schützen, hat Glade über dem Verkaufstresen zwei dünne Plastik-Trennscheiben gehängt. Zudem will er an der Tür einen Hinweis mit der Bitte um Abstand anbringen. „Aber die meisten Kunden sind eh vernünftig“, sagt Glade. Ein bisschen Angst vor einer Ansteckung hätte sie schon, meint Birgit Oeste, „aber das kann genauso beim Einkaufen im Supermarkt passieren.“ Generell sei die Stimmung gedrückt. „Wir müssen das Beste daraus machen und wenn eine Ausgangssperre kommt, dann können wir das nicht verhindern“, sagt Werner Glade. Wie andere Händler auch kritisiert er den Mangel an konkreten Informationen. Es herrsche Verunsicherung, wer genau wie öffnen dürfe. 

Jasmin Füllgraf-Schmitt ist erleichtert, dass ihr Futtermittelladen zu den Einzelhändlern zählt, die weiterhin verkaufen dürfen. Auch zum Schutz der Kunden begrenzt sie nun die Anzahl der Personen im Geschäft. Deswegen ist der Haupteingang verschlossen und am Nebeneingang können Kunden klingeln. „Am Montag hatten wir einige Kunden im Laden stehen, die sich untereinander dann schon um Abstand baten, deswegen musste ich handeln“, erklärt sie die Regelung. Sie selbst habe keine Angst vor einer Ansteckung, da sie jung sei. Aber sie könne durchaus verstehen, dass ältere Menschen sich sorgen. Deswegen desinfiziere sie auch regelmäßig Türgriffe und Verkaufstresen.

Im Friseur-Salon Eisel von Monika Fiege sind derzeit deutlich weniger Kunden.

Das handhabt auch Angelika Hinkel von Foto Hinkel so. Die Situation schätzt sie als schlecht ein: „Das Geschäft ist gleich null, aber es sind ja auch kaum Leute auf der Straße.“ Dank ihres Paketshops fällt auch sie in die Gruppe der Dienstleister, die öffnen dürfen. Dennoch sei die Zahl der Kunden drastisch weniger geworden. „Wir müssen da sein, um zu existieren, aber wir können nicht ohne Kunden existieren.“ Dass sie sich mit dem Coronavirus anstecken könnte, diese Gefahr sieht auch sie. „Davon lasse ich mich aber nicht verrückt machen.“ Sie gehöre zwar zur Risikogruppe, werde aber generell selten krank. 

Deutlich ruhiger ist es auch im Friseur-Salon Eisel von Monika Fiege. Eigentlich gibt es bei Eisel keine Termine, die Kunden kommen vorbei und werden der Reihe nach dran genommen. Nun denkt man aber doch über Voranmeldungen nach. „Die Kunden rufen an und fragen, ob wir auf haben und ob es jetzt Termine gibt“, sagt Fiege. Auch unter ihren Kollegen gebe es die Angst vor einer Ansteckung. „Da kommt schon was auf uns zu“, so Fiege. Abstand halten sei im Salon jedoch kaum möglich. Sie appelliere deswegen an die Vernunft der Kunden. „Wer Krankheitssymptome hat, wird hoffentlich nicht bei uns in der Tür stehen.“ Monika Fiege schätzt, dass viele Kleinunternehmer Probleme haben werden, in derzeitigen Situation ihre Geschäfte am Leben zu erhalten. „Im Moment ist es wie ein Lotteriespiel, jeden Tag gibt es neue Regeln.“

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