Dankbar für die Einheit

Zeitzeugen berichteten bei Demonstration in Hessisch Lichtenau

Bei der Danke-Demo berichteten die Zeitzeugen Emmi Frölich und Gerd Krause (rechts) im Interview mit Bürgermeister Michael Heußner von ihren Erlebnissen.
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Bei der Danke-Demo berichteten die Zeitzeugen Emmi Frölich und Gerd Krause (rechts) im Interview mit Bürgermeister Michael Heußner von ihren Erlebnissen.

Etwa 80 Besucher folgten der Einladung zur Danke-Demo am Samstag in Hessisch Lichtenau, die Frank Wachsmuth, Pastor der Lossestädter Landeskirchlichen Gemeinschaft initiiert hatte.

Hessisch Lichtenau –  Lieder zur Wende und Berichte von Zeitzeugen gab es am Samstagabend, dem Tag der Deutschen Einheit, bei einer Danke-Demo anlässlich des 30. Jahrestags der Wiedervereinigung Deutschlands auf dem Lichtenauer Kirchplatz. Pastor Frank Wachsmuth hatte in Zusammenarbeit mit der Stadtjugendpflege und den christlichen Kirchen in Hessisch Lichtenau ein Programm zusammengestellt, in dem Ereignisse rund um die Wiedervereinigung mit Beginn der Grenzöffnung am 9. November 1989 bis zur Unterzeichnung des Einigungsvertrags vor 30 Jahren über eine Stunde im Mittelpunkt des Geschehens standen. Etwa 80 Besucher waren der Einladung gefolgt, die Bürgermeister Michael Heußner zur Veranstaltung mit viel Musik begrüßte.

Frank Wachsmuth moderierte und startete mit dem Lied „Die Gedanken sind frei“ ins Programm. Sophie Scholl spielte das Stück 1942 auf der Blockflöte für ihren Vater, der im Gefängnis saß, weil er Adolf Hitler kritisiert hatte. Dem Mädchen war klar, wir brauchen die Freiheit wie die Luft zum Atmen, wie es die Menschen in der Zeit der Wende ebenfalls spürten, so Wachsmuth. Deshalb erklang das alte Lied damals in neuer Frische, am Samstagabend vom Band zum Mitsingen – mit Abstand, und deshalb ohne Maske.

Etwa 80 Besucher kamen zur Danke-Demo in Hessisch Lichtenau.

Zum Thema „Was denkt die deutsche Jugend über die Wiedervereinigung“ äußerte sich Maximilian Pibiri, Vorsitzender des Jugendbeirats der Stadt. Angesichts der globalen Vernetzung heute klingt für ihn die Trennung von Hessen und Thüringen per Mauer wie ein Märchen der Brüder Grimm, das Konzept einer deutschen Teilung sei nur schwer begreiflich. Weltweit gebe es keinen erfolgreichen Mauerbau, der Länder effektiv voneinander getrennt habe. Und Pfarrerin Anja Peters brachte den Heiligen Geist ins Spiel, der entscheidend dazu beigetragen habe, dass die Bewegung in der Nacht vom 9. November nicht mehr aufzuhalten gewesen sei, der Mauerfall ohne Blutvergießen verlief.

Manfred Kaib, 1989 Bezirksvorsitzender der Kolpingsfamilien in Nordhessen, erinnerte sich an das Treffen mit Kolpingsfamilien der DDR im Frühjahr 1990 in Kassel, an den Konvoi von Trabbis im Bahnhof Bettenhausen. Ein besonderes Erlebnis für die Gäste war die Fahrt mit zwei Bussen durch Kassel. Zeitzeugin Emmi Frölich, vom gleichnamigen Lichtenauer Busunternehmen, berichtete, dass sie mit ihrem Mann Fritz auch schon vor der Grenzöffnung im kleinen Reiseverkehr Fahrten nach Eisenach und Gotha organisiert hatte.

Der DDR-Reiseleiter schwärmte da schon stets von einer Reise nach Paris. Nach der Grenzöffnung erfüllten sie ihm den Wunsch. Sogar für eine 50-köpfige DDR-Reisegruppe wurde die Fahrt organisiert. Die Personalausweise wurden dazu ganz unbürokratisch von Ordnungsamtsleiter Gerd Krause und seinem Team mit frisch ausgestellten Reisepässen getauscht, und ab ging’s in die französische Metropole. Wie sehr alle damals über ihren eigenen Schatten sprangen, machte nicht nur Krause im Interview deutlich, sondern auch der damalige Bürgermeister Adolf Winter, der aus Niedersachsen per Telefon zugeschaltet wurde.

Zeitzeuge Michael Adler stammt aus der Nähe von Zwickau und bekannte, im Westen zum ersten Mal in seinem Leben das Gefühl von Vaterland erlebt zu haben. Als Christ in der DDR groß geworden hatte er stets ein zwiespältiges Verhältnis zum Staat. (Lothar Röß)

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