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Demokratiekonferenz setzt ein Zeichen gegen Rassismus

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Von: Kerim Eskalen

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Die „AG Extrem“ kniet solidarisch: Die Schülerinnen und Schüler der Freiherr-vom-Stein-Schule gedenken allen Menschen, die Opfer von Rassismus geworden sind.
Die „AG Extrem“ kniet solidarisch: Die Schülerinnen und Schüler der Freiherr-vom-Stein-Schule gedenken allen Menschen, die Opfer von Rassismus geworden sind. © Kerim Eskalen

Es war ein denkwürdiger Abend in der Freiherr-vom-Stein-Schule in Hessisch Lichtenau, der so manchen Zuschauer bei den Berichten über Rassismus schockierte.

Hessisch Lichtenau – Zum ersten Mal seit 2019 fand das jährliche Format der Demokratiekonferenz am 7. Juli wieder unter Präsenzbedinungen statt. Die Coronapandemie hat dies in den vergangenen Jahren verhindert. Die Konferenz selbst ist Teil des Projekts „Demokratie Leben!“, unter der Trägerschaft des Werra-Meißner-Kreises.

Bereits vor Beginn der Veranstaltung wurden alle Besucher auf die Thematik Rassismus sensibilisiert. Ob durch einen verdunkelten Eingang mit rassistischen Kommentaren durch Lautsprecher oder ein anschließendes Rassismuslabyrinth. „Wir wollen den Teilnehmern bereits vor Beginn der Konferenz die Stimmung möglichst nahe bringen“, sagt Katharina Franke, Koordinatorin des Projekts „Demokratie Leben!“.

Darauf folgte die Vorstellung der „AG Extrem“, die von Schülerinnen und Schüler der Freiherr-vom-Stein-Schule geführt wird. Sie setzen sich für mehr Gleichbehandlung von Menschen ein. Ihr Motto dabei lautet: „Mensch ist Mensch“, wie der Schüler Tom Stange erklärte. Rassismus gäbe es laut Stange nicht erst seit gestern. Seine Botschaft an alle Anwesenden: „Gemeinsam zu lieben und gemeinsam zu leben. So sollte es doch sein.“

Im Anschluss kam es zu den Berichten von Blanka Pudler, einem damals 14-jährigen Mädchen, das von Nazideutschland in Konzentrationslager nach Auschwitz und anschließend nach Hessisch Lichtenau deportiert wurde. Pudlers Aussagen nach dienten die Methoden in den Konzentrationslagern vor allem einem Zweck: Man sollte sich nicht mehr als Mensch fühlen. Dabei trug die Schülerin Anna Hardt die Erzählungen derart leidenschaftlich vor, dass den Zuschauern der Eindruck vermittelt wurde, man wäre dabei gewesen.

Begleitet und kommentiert wurden die Berichte von Politologe und Pädagoge Dieter Vaupel. Die Geschehnisse sollten die Schattenseiten der jüngeren deutschen Geschichte in Erinnerung rufen, die auch in Hessisch Lichtenau nicht Halt machten. Später berichtete auch die ehemalige Kandidatin der Sendung „Germany´s next Topmodel“ Lijana Kaggwa, die zudem Patin der Schule in Hessisch Lichtenau ist, von ihren traumatischen Erlebnissen als Kind und den Hassbotschaften, die sie auch heute noch täglich erfährt. Rassismus gäbe es bereits in einfachen Aussagen wie: „Du kannst aber gut deutsch“– in Anspielung auf ihre Hautfarbe und ihren Namen. „Das Schubladendenken muss aufhören“, sagt Lijana. „Und wenn man sich die jungen Generationen von heute anschaut, dann kann es nur besser werden.“

Nach den Vorträgen verschafften sich Besucher beim Markt einen Überblick über die Projekte aller Partner aus den vergangenen beiden Jahren. (Kerim Eskalen)

„Demokratie leben!“ förderte 269 Projekte

Das Bundesprogramm „Demokratie leben!“, hat zum Ziel, auf lokaler Ebene Demokratie zu fördern, Vielfalt zu gestalten und Extremismus vorzubeugen. Dabei sollen neben vor allem jungen Menschen auch Vereine und Verbände eingebunden werden. Nach 2015 bis 2019, läuft von 2020 bis 2024 die zweite Förderperiode mit dem Träger Werra-Meißner-Kreis. Das Projekt wurde im Kreis mit bisher mehr als 135 000 Euro gefördert.

Um die Ziele auf lokaler Ebene umzusetzen, ist die Partnerschaft für Demokratie verantwortlich. Seit Juni 2015 hat diese 269 Projekte im Landkreis gefördert. Die Koordinierungs- und Fachstelle auf Burg Ludwigstein wird durch Rukin Tatli, Katharina Franke, Stephan Sommerfeldt und Kim Hofmann als Jugendkoordinatorin der JugendJury „KommUnity“ betreut. Die Ergebnisse der Demokratiekonferenz sowie Bilder gibt es auf der Internetseite: zu.hna.de/demokratie1207

Anträge sind bei Interesse bis zum 15. Juli einzureichen: Email: demokratie-leben-wmk.de/foerderung/

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