Der Wald ist sein Arbeitsplatz

Mathis Wullenweber ist neuer Förster in Hessisch Lichtenau

Kahle Flächen: In Hessisch Lichtenau fielen viele Fichten dem Borkenkäfer zum Opfer, wie auf dem
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Kahle Flächen: In Hessisch Lichtenau fielen viele Fichten dem Borkenkäfer zum Opfer, wie auf dem Foto im Hintergrund zu sehen. Mathis Wullenweber, neuer Revierförster in Hessisch Lichtenau, will nun wieder aufforsten. Seine Hündin Brana, eine Steirische Rauhhaarbracke, ist dabei oft an seiner Seite.

Naturschutz, der Wald als Ort der Erholung und als Holzlieferant – das ist für Mathis Wullenweber, den neuen Revierförster in Hessisch Lichtenau, wichtig.

Hessisch Lichtenau – In seinem etwa 1750 Hektar umfassenden Revier ist es seine größte Aufgabe, die Schäden im Wald der vergangenen drei Jahre zu beseitigen. Denn die Unwetter, lange Trockenperioden und der Borkenkäfer haben seine Spuren hinterlassen, so Wullenweber. „Hier gab es große Bestände an Fichten.“ Jetzt sei davon fast nichts mehr übrig. Der Vorrat an Holz im Forstamt Hessisch Lichtenau habe sich innerhalb von drei Jahren von 2,6 Millionen Festmetern auf 800 000 reduziert. Die vom Borkenkäfer befallenen Bäume müssten gefällt und aus dem Wald abtransportiert werden, damit nicht noch mehr Bäume befallen würden. Verkaufen lässt sich das Holz aber trotzdem, denn die Käfer fressen nur die Rinde, sagt der 35-jährige Förster.

Jetzt gilt es, wieder aufzuforsten. Dabei werden etwa zwei bis drei unterschiedliche Baumarten gepflanzt. Das sei laut Wullenweber vom jeweiligen Standort und Klima abhängig. In den Wäldern in Hessisch Lichtenau kommen unter anderen Bergahorn und Roteiche zum Einsatz. Dabei plane er oft für einen langen Zeitraum. „Vieles, was ich hier mache, erlebe ich nicht mehr.“ Denn mancher Baum wächst 200 Jahre lang.

Vorgänger hinterlässt große Fußstapfen

Für den gebürtigen Arnsberger (Nordrhein-Westfalen) sei es spannend, im Wald arbeiten zu können. Denn dieser reinige nicht nur die Luft und das Wasser, sondern „bringe dem Menschen auch etwas“, sagt Wullenweber. Da der Wald in Hessisch Lichtenau teils in kommunaler und teils in privater Hand sei, gäbe es viele unterschiedliche Interessen. Diesen gerecht zu werden, sei eine der größten Herausforderungen. Gerne hätte der 35-Jährige sich noch Rat bei seinem Vorgänger Gert Snethlage geholt. Der kam jedoch im Juli bei einem Arbeitsunfall im Wald ums Leben. „Ich trete in große Fußstapfen“, sagt Wullenweber.

Doch ohne Erfahrung kam der neue Revierleiter nicht nach Lichtenau. 2009 lernte er bei Hessenforst und war als Forstwirt in Schotten (Vogelsberg) tätig. Von 2015 bis 2018 studierte er Forstwirtschaft an der Fachhochschule für angewandte Kunst und Wissenschaft (HAWK) in Göttingen. Anschließend arbeitete er im Privatwald im Harz, bis er 2020 seine Ausbildung bei Hessenforst im Forstamt Jesberg abschloss. Seit 2020 ist Wullenweber im Forstamt Hessisch Lichtenau tätig, seit September als Revierleiter.

Viel Büroarbeit für Förster

Dabei ist er nicht nur im Wald unterwegs. E-Mails bearbeiten, Termine koordinieren und die nächsten Tage planen gehören zu seinen täglichen Aufgaben. Je nach Jahreszeit fallen im Wald unterschiedliche Arbeiten an: Jetzt im Herbst werden neue Bäume gepflanzt und alte gekennzeichnet, die für den Laubholzeinschlag gefällt werden sollen. Wenn es das Wetter zulässt, trainiert der 35-Jährige abends mit seiner Steirischen Rauhhaarbracken-Dame Brana oder geht mit ihr auf die Jagd – aber nicht in seinem Revier, denn dort hat er kein Jagdrecht.

Wichtig sei, den Wald als multifunktionale Fläche zu gestalten, denn obwohl Hessen zu 42 Prozent mit Wald bedeckt sei, habe man nicht so viel Platz wie etwa Kanada. „Wenn wir unsere Rohstoffe nicht vor Ort erzeugen, müssen wir noch mehr importieren.“ Ziel sollte es laut Wullenweber also sein, unter Berücksichtigung von Klimawandel und Naturschutz, „astreines Holz“ zu ernten. (Natascha Terjung)

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