Das spätgotische Kirchlein von Hopfelde

Die Kirche im Dorf lassen: Mondsichelmadonna in Hopfelde gibt Rätsel auf

Baudenkmal: Die kleine spätgotische Kirche von Hopfelde wurde aus Bruchsteinen gemauert.
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Baudenkmal: Die kleine spätgotische Kirche von Hopfelde wurde aus Bruchsteinen gemauert.

47 Gotteshäuser der evangelischen Kirche gibt es im ehemaligen Kirchenkreis Witzenhausen. Jede Kirche hat eine spannende Geschichte zu erzählen. Heute: die Kirche in Hopfelde.

Hopfelde – Die Entstehung der kleinen, spätgotischen Saalkirche in Hopfelde gibt Rätsel auf. Dass es im Ort einen Pfarrer gegeben hat, ist ab dem Jahr 1505 nachgewiesen. Als relativ sicher gilt auch, dass das spitzbogig gestaltete Portal mit seinem gekreuzten Profil aus Birnstäben, die in Hohlkehlen eingebettet sind, 1519 erbaut wurde, denn diese Jahreszahl ist über dem Portal vermerkt.

70 Jahre lang sei die Kirche anschließend im Rohbau geblieben, zum einen, weil die Einwohner zu arm waren – Hopfelde hatte 1539 nur 15 Herdstellen – zum anderen bedingt durch die Reformation, schreibt der ehemalige Ortsvorsteher Heinrich Brink. 1569 wurde sie Filialkirche von Reichenbach, doch konnten die Einwohner sie immer noch nicht nutzen, sondern mussten zu Fuß zum Gottesdienst bis nach Reichenbach. Erst 1592 wurde ihre Kirche dann durch eine Spende von Landgraf Wilhelm IV. fertiggebaut und eingeweiht. Die Wände bestehen aus Bruchsteinmauerwerk mit Sandsteinquadern in den Ecken und einem Fassadenturm.

Die Kanzel und der Opferstock in der Kirche stammen aus dem 17. Jahrhundert.

Könnte es aber doch sein, dass die Geschichte der Kirche weiter zurückreicht als das erste fassbare Datum von 1519? Denn eines passt nicht zum Befund: In den Jahren 2004 und 2005 wurde die Kirche renoviert und im Innenraum wurden alte Farbschichten an den Wänden abgetragen. Darunter kamen Malereien zum Vorschein, Marienfiguren in unterschiedlicher Größe, von denen vier erhalten sind.

Dargestellt ist Maria als Mondsichelmadonna im Strahlenkranz: Maria mit Jesuskind steht auf der Mondsichel, ist in Sonnenstrahlen gekleidet und von Sternen umgeben. Die Darstellung geht auf die Offenbarung des Johannes zurück. „Der Restaurator hat die Malereien auf 1470 datiert“, sagt Barbara Westerhoff, die als Mitglied des Kirchenvorstands-Teams die Renovierung intensiv begleitete.

Pfarrerin Dorothee Holzapfel kann sich gut vorstellen, dass die Mariendarstellungen vor der Reformation entstanden sein könnten und dass die Kirche ursprünglich eine Marienkapelle war. Spätere Malereien haben sich im Bereich der Fenster auf der Empore erhalten und zeigen, dass die Kirche einmal bunt ausgemalt gewesen sein muss. Erhalten ist auch der Opferstock von 1696 und die Kanzel aus der gleichen Zeit.

Der Altar besteht aus einer Sandsteinplatte, die eine Grabplatte gewesen sein könnte. Die Wetterfahne auf dem Turm trägt das Datum 1785. Noch einmal erneuert und mit Schindeln eingedeckt wurde der Turm 1949. Bei der letzten Renovierung, die 2005 endete, wurden vergitterte Patronatsbänke des Ritterguts Glimmrode entfernt und die Kanzel zur Seite gerückt. Auch ein Emporen-Anbau auf der Nordseite wurde entfernt.

Pfarrerin Dorothee Holzapfel kommt mit dem Fahrrad, die offene Kirche liegt am Radweg.

Die kleine Schrankorgel von 1955 erfüllt ihren Zweck. Eindrucksvoll ist das rote Glaskreuz vor dem Fenster hinter dem Altar, das von Pfarrer Dietmar Kuhn gestiftet wurde und dem Raum Charakter verleiht. Alte und neue Traditionen: Der Anbau von Flachs brachte in Hopfelde eine Leinenweberzunft hervor, die ihre Tradition bis heute pflegt, die Mitglieder werden immer noch von der Zunft zu Grabe getragen.

Zudem wird an Karfreitag ein Holzkreuz von Hollstein nach Hopfelde getragen. Vor der Kirche wurde ein Labyrinth angelegt, wie in mittelalterlichen Kathedralen. Es symbolisiert den Weg in die Mitte als Lebensweg zu Gott. (Von Kristin Weber)

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