Vorstellung am 14. September

Dieter Vaupel veröffentlicht Buch über Banka Pudler, die den Holocaust überlebte

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Das Bild auf dem vorderen Buchdeckel: Blanka Pudler im Jahr 1936 als Schulkind.

Hirschhagen. Über die Zeit des Nationalsozialismus und den Holocaust gibt es unzählige Bücher – jetzt kommt ein neues hinzu, und doch ist es einzigartig.

Und trotzdem hat sich Dieter Vaupel dazu entschieden, nun ein weiteres Buch herauszubringen: „Auf einem fremden unbewohnbaren Planeten“ heißt es und beschreibt die Geschichte von Blanka Pudler, geboren 1929 in der heutigen Ukraine, die mit 15 Jahren Auschwitz und die Zwangsarbeit in der Hirschhagener Sprengstofffabrik überlebte.

„Ihre Geschichte ist eine ganz besondere“, sagt Vaupel. Er hat Blanka Pudler in den 1980er-Jahren kennengelernt, sie immer wieder getroffen, ihre Erzählungen mehrmals bei Veranstaltungen mit Schülern gehört. Dann hat er sich dazu entschieden, ihre Erlebnisse in der Ich-Form aufzuschreiben – und sie sei sofort begeistert gewesen.

Am 14. September 2017 starb Blanka Pudler mit 88 Jahren in Budapest, und Vaupel entschied sich, das Buch in ihrem Sinne fertigzustellen. Das schildert er im Vorwort. Danach wird der Leser unmittelbar in ihre Geschichte hineingeworfen: „Warum lügst du?“, heißt das erste Kapitel. 

Es beschreibt, wie Pudler kurz vor ihrem 15. Geburtstag von einer SS-Frau gerettet wurde: Alle Mädchen, die jünger als 16 waren, durfen zu ihrer Mutter. Blanka meldete sich, doch die SS-Frau warf ihr vor, zu lügen – das rettete Blanka das Leben, denn alle anderen wurden in die Gaskammer getrieben und starben dort.

Jeder hat schon mehrmals von den Taten der Nazis gelesen, Dokumentationen gesehen, Gedenkstätten besucht. Trotzdem schnürt es einem beim Lesen der Geschichte von Blanka Pudler erneut die Kehle zu, wenn man sich bewusst werden lässt, was sie durchmachen musste. Man möchte das Buch weglegen, so grausam sind ihre Erlebnisse, und gleichzeitig zieht es einen in die Geschichte hinein. J

e konkreter ihre Beschreibungen sind, desto schockierender wird einem der Holocaust vor Augen geführt: In Auschwitz warteten die Gefangenen sehnsüchtig auf den Wasserwagen, um etwas trinken zu können. Als der SS-Mann vorfuhr, wusch er mit dem Wasser erst einmal in aller Ruhe sein Auto, bevor er das Wasser ausschenkte – man kann sich nur schwer vorstellen, wie ein Mensch so brutal sein kann.

Der Leser ist ganz nah bei Blanka und ihrer Schwester Aranka – man sieht die Mädchen auf dem Boden liegen, erschöpft von der Zwangsarbeit in Hessisch Lichtenau, und möchte den Arm ausstrecken, um ihnen irgendwie zu helfen. Dass das alles so nah passiert ist, wird einem bewusst, wenn Blanka Pudler die Fachwerkhäuser in Hessisch Lichtenau beschreibt.

Nach dem Krieg lebte Blanka mit ihrer Schwester Aranka in Budapest. 1950 heiratete sie, 1952 wurde die Tochter Agnes geboren. Doch es bleibt die traurige Vermutung, dass der dunkle Schatten der Erlebnisse nie aus ihrem Leben verschwunden ist. Das Schicksal der rund sechs Millionen Juden bekommt mit Blanka Pudler ein Gesicht – und bewegt dadurch mehr als jede Zahl.

Das sagt der Autor: Geschichte soll nicht verloren gehen 

Dieter Vaupel, 1950 geboren, lebt in Gudensberg. Er war lange Zeit Schulleiter in Felsberg (beides Schwalm-Eder-Kreis) und arbeitet als Lehrbeauftragter für die Universität Kassel. Ihn verband eine enge Freundschaft zu Blanka Pudler, wie er selbst sagt. 

„2004 habe ich ihr von meiner Idee erzählt, ihre Geschichte aufzuschreiben, und sie war begeistert“, erzählt Vaupel. Für die Ich-Form habe er sich entschieden, um ihre Geschichte emotionaler werden zu lassen und dem Leser Einblicke in ihre Gefühlswelt zu geben. „Auf Blankas Beerdigung ist mir klar geworden, dass ich das Buch zu Ende bringen muss.“ 

Den Buchtitel habe Vaupel in Absprache mit ihr ausgewählt. „In ihrem Kinderkopf konnte Blanka sich nicht vorstellen, dass das Menschen waren, die so etwas tun“, sagt er. Ihm ist es wichtig, dass Blanka Pudlers Geschichte nicht verloren geht.

Buchvorstellung an Blanka Pudlers Todestag 

Das Buch „Auf einem fremden unbewohnbaren Planeten“ stellt Dieter Vaupel am Freitag, 14. September, in der Aula der Grundschule an der Heinrichstraße in Hessisch Lichtenau vor. An diesem Tag jährt sich Blanka Pudlers Tod zum ersten Mal. 

Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr, das Buch wird dort erhältlich sein. Außerdem kann man es ab sofort im Buchhandel und online kaufen: Blanka Pudler, Dieter Vaupel, „Auf einem fremden unbewohnbaren Planeten – wie ein 15-jähriges Mädchen Auschwitz und Zwangsarbeit überlebte“, Dietz Verlag, 136 Seiten, 10 Euro. ISBN: 978-3-8012-0530-0

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