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Ein Chefarzt und der Triathlon: Jens Klingebiel bereitet sich auf WM im Oktober vor

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Von: Andreas Arens

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Das war bei der Ironman-EM (70.3): Jens Klingebiel (Zweiter von rechts) von der Orthopädischen Klinik in Hess. Lichtenau trat mit zwei Kollegen, Thomas Selo (Assistenzarzt, links) und Philipp Jungermann (rechts), sowie Stephan Sommerfeld, einem guten Freund, in Helsingör an.
Das war bei der Ironman-EM (70.3): Jens Klingebiel (Zweiter von rechts) von der Orthopädischen Klinik in Hess. Lichtenau trat mit zwei Kollegen, Thomas Selo (Assistenzarzt, links) und Philipp Jungermann (rechts), sowie Stephan Sommerfeld, einem guten Freund, in Helsingör an. © Klingebiel/privat

Der Lichtenauer Chefarzt Dr. Jens Klingebiel ist bei der Ironman-WM im Oktober am Start. Ein Interview mit dem Göttinger.

Hess. Lichtenau – Eigentlich sollte es nur ein sportlicher Trip mit Freunden zur Triathlon-Europameisterschaft im dänischen Helsingör werden. Doch plötzlich hatte der Chefarzt der Orthopädischen Klinik Hessisch Lichtenau, das Ticket zur Ironman-WM über die Halbdistanz („70.3“ genannt) in der Hand. Damit überraschte Dr. Jens Klingebiel vor allem sich selbst. Wie es dazu kam, dass er am 28. Oktober bei der WM startet, verriet uns der gebürtige Göttinger im HNA-Gespräch.

Herr Klingebiel, wie sind Sie überhaupt zum Triathlon gekommen?

Vor drei Jahren hatte ich mir mit einem befreundeten Kollegen, Dr. Daniel Baake, der jetzt in Göttingen arbeitet, in den Kopf gesetzt, man müsste mal so einen Ironman gemacht haben. Ich komme vom Laufen, habe früher einmal im Jahr an einem Marathon teilgenommen, und Radfahren habe ich auch regelmäßig gemacht. Dann haben wir uns gesagt: Ach komm, wir üben ein bisschen Schwimmen, unsere Angstdisziplin, und melden uns einfach mal für einen 70.3-Ironman, die Halbdistanz, an. Es gibt zwei Distanzen, die Halbdistanz sowie die Volldistanz, die bei unserem Arbeitsalltag und Familie nicht zu schultern wäre.

Und wie schafften Sie es als Hobby-Athlet zu den Weltmeisterschaften?

Nach unserem ersten Triathlon in Zell am See in Österreich hatte ich Blut geleckt. Eigentlich wollte ich nur ins Ziel kommen und habe dann eine Zeit geschafft, die ich mir selbst gar nicht zugetraut hätte. Mir ging es danach körperlich auch besser als nach einem Marathon. Inzwischen habe ich mit Philipp Jungermann und Thomas Selo zwei Kollegen motiviert, die wie ich in der Nähe von Kassel wohnen. Wir fahren die Strecke zur Arbeit oft mit dem Rad, manchmal laufen wir zurück. Und der Vierte im Bunde ist mein langjähriger Freund Stephan Sommerfeld. Gemeinsam haben wir uns für die Ironman 70.3 EM 2021 in Helsingör angemeldet.

Wo Sie sich für die WM qualifiziert haben ...

Ich hatte gar keine Ambitionen, Ziel war es nur , die Distanz zu schaffen. Beim Einchecken einen Tag vorher wurde ich gefragt, ob das meine Qualifikation für die WM wäre. Ich wusste gar nicht, was der von mir wollte, und habe aus Spaß gesagt: „Ja klar!“ Der Tag des Rennens war dann super, schönes Wetter – und wir haben alle tolle Zeiten geschafft. .

Wie haben Sie von der Qualifikation erfahren?

Zwei Wochen später bekam ich plötzlich eine Mail von der Ironman-Organisation in den USA: „Gratulation! Sie sind in Ihrer Altersklasse für die Ironman-Weltmeisterschaften 70.3 2021 qualifiziert.“ Ich war erstmal völlig perplex, aber natürlich stolz wie Bolle. Erst hatte ich überlegt, ob ich überhaupt hinfahre, dann habe ich ein Video von der Strecke in St. George gesehen. Das war so epochal, dass ich unbedingt daran teilnehmen wollte.

Sie nehmen 2022 teil, obwohl Sie sich für 2021 qualifiziert hatten – warum?

Im letzten September galt coronabedingt in den USA noch ein Einreise-Stopp für EU-Bürger. Ich habe über viele Wege versucht, eine Ausnahmegenehmigung zu bekommen, die gab es aber nur für Profis. Kurze Zeit später gab die Ironman-Organisation bekannt, dass aufgrund der weltweiten Ausnahmesituation die Qualifikation auf das folgende Jahr übertragen wird. Ich bin sehr froh, dass ich meinen Slot behalten durfte. Jetzt fiebere ich der WM Ende Oktober natürlich entgegen.

Wie sieht Ihre Vorbereitung aus?

Ende Mai war ich bei einem 70.3-Triathlon im Kraichgau. Ich habe mich noch nie so gequält. Beim Laufen hätte ich mich selbst verfluchen können, dass ich Ende Juni schon wieder einen Triathlon mache. Dann zusammen mit einem Freund über die olympische Distanz in Zürich. Ende Juli starte ich über die Halbdistanz in Dresden. Ansonsten ist mein einziges Training, dass ich mit dem Rad zur Arbeit fahre, mit meiner Frau am Wochenende laufe, und ab und zu muss ich auch mal schwimmen. Ich habe keine Trainingspläne, sondern mache das aus Lust und Laune.

Betreiben Sie noch andere Sportarten?

Mittlerweile nur noch Skifahren, meine ganz große Leidenschaft. Ich war zum Tiefschneefahren mit Freunden schon häufiger in Nordamerika. Das war immer toll, Riesenerlebnisse. Einmal waren wir in Silverton in Colorado, einer alte Minenstadt auf 4000 Meter Höhe. Es gab nur einen Lift, und wir mussten mit unserem Guide noch weiter aufsteigen. Das war in der Höhe schon extrem anstrengend. Am Abend sagte der Guide zu uns: „Exzellente Skifahrer, aber mittelmäßige Wanderer.“

Sie haben aber in Göttingen auch mal Fußball gespielt, immerhin in der Landesliga ...

Ja. aber nur eine Saison. Als Abiturient war ich beim FC Grone, und in der Rückrunde habe ich mich verletzt. Ich war damals im Sport-LK und wollte mein Abi nicht gefährden. Danach habe ich nur noch unterklassig gekickt – und in Jena in der Uni-Auswahl. Da war das Niveau fast höher als in der Landesliga, die Spieler standen zum Teil im Kader von Carl Zeiss Jena. Zusätzlich war ich in der Kreisklasse beim TSV Groß Schneen aktiv. Das war toll, die schönste Vereinszeit, die ich hatte. Wir waren eine gemischte Truppe aus Studis und Alteingesessenen. (Andreas Arens)

Zur Person: Dr. Jens Klingebiel

Dr. Jens Klingebiel (50) wurde 1971 in Göttingen geboren. Am Felix-Klein-Gymnasium baute er sein Abitur und absolvierte anschließend er den Zivildienst in der Altenpflege. 1992 ging er zum Medizinstudium nach Jena. Nach Zwischenstationen in New York, Luzern und in Halle/Saale kam er 2002 an die Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau. Dort ist er seit 2021 Chefarzt. Dr. Jens Klingebiel ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

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