Große Freundschaft bis heute

Eine West- und eine Ost-Familie lernten sich auf B 7 kennen

Seit 25 Jahren befreundet: Inge Vogler (von links), die Schwester von Fritz Peterseim (vorn links), Marion Peterseim, Karla Metz und Robert Metz. Foto: D. Möller

Hessisch Lichtenau. Vor 25 Jahren lernten sich zwei Familien auf der Bundesstraße 7 kennen. Bis heute sind sie Freunde.

Wenn ein Nordhesse und ein Westthüringer in diesen Tagen zusammentreffen, gibt es meist etwas zu feiern. So auch am Mittwoch im Hotel „Zum Schwan“ in Wanfried, wo man sich 25 Jahre nach der Grenzöffnung zwischen Katharinenberg und der Brombeermannstadt zum freundschaftlichen Schmausen traf.

„Wir haben uns vor 25 Jahren auf der Bundesstraße 7 zwischen Eschenstruth und Fürstenhagen getroffen, als der Verkehr in Zweierreihen von Kassel Richtung Osten im Schritttempo dahinfloss“, erinnert sich Robert Metz aus Hessisch Lichtenau. Er wollte damals eigentlich zusammen mit Ehefrau Karla und den zwei Töchtern nach Kassel, um den Ansturm der Massen von DDR-Bürgern zu erleben. „Angesichts des Stop-and-go auf der B7 sind wir in Eschenstruth links abgebogen und ich wollte über Eiterhagen zurück nach Lichtenau. Das wiederum rief den Protest meiner Frau und der Töchter hervor, so dass ich mich zähneknirschend wieder auf die B 7 begab.“

Was dann folgte, erinnert ein wenig an ein Märchen: Karla Metz hatte noch abgelegte Wintermäntel ihrer Töchter im Kleiderschrank, suchte in den parallel zu ihnen fahrenden DDR-Autos nach eventuellen Abnehmern und fand sie in der Familie von Fritz Peterseim aus Heyerode. Der Zahnarzt aus dem Thüringischen war mit Ehefrau Marion und ebenfalls zwei Töchtern auf der Heimfahrt von Kassel. Die Familie war enttäuscht, in der nordhessischen Metropole vor verschlossenen Kaufhäusern zu stehen.

Kurz vor Fürstenhagen kurbelte Karla Metz das Fenster runter und suchte den Kontakt zu Marion Peterseim. „Wir haben uns schnell verstanden und haben die Peterseims zu uns zum Abendbrot eingeladen“, blickt die Lichtenauerin zurück und verschweigt nicht, dass im Hause Metz nur wenig Obst zu finden war.

Das wiederum rief Robert Metz auf den Plan, der Mitbewohner im Haus sowie Freunde und Verwandte per Telefon mobilisierte, die mit Südfrüchten und Süßigkeiten für die Gäste aus Thüringen an der Haustür klingelten. „Wir waren überwältigt von der Gastfreundschaft, und so manche Träne ist bei uns geflossen“, schämt sich Fritz Peterseim auch heute nicht seiner damaligen Gefühle.

Da an diesem Tag der Grenzübergang nach Katharinenberg geöffnet worden war, mussten die Peterseims nicht mehr über den Grenzübergang Herleshausen zurück. Den ersten Kontakt mit Heyerode machten Robert und Karla Metz am ersten Weihnachtstag. Da lagen endlich ihre beantragten Visa für die DDR vor, die sie jetzt aber nicht mehr brauchten.

Aus dem Zufallstreffen auf der B 7 wuchs eine enge Freundschaft, die sich durch gegenseitige Hilfeleistungen über ein Vierteljahrhundert hinweg verfestigt hat und die auch 25 Jahre nach der Grenzöffnung noch jung und frisch ist wie eh und je.

Von Dieter Möller

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