Eltern protestieren - Regelung soll ab August gelten

Kita-Gebühren in Hessisch Lichtenau sollen um 19 Prozent steigen

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Elternprotest: In allen vier Hessisch Lichtenauer Kindergärten sollen die Gebühren um durchschnittlich 18,9 Prozent erhöht werden. Dagegen protestierten vorige Woche 30 Eltern. Sie zogen vors Rathaus, wo der Ausschuss für Ordnung und Soziales tagte, um ihrem Ärger Luft zu machen, mit dabei auch Dirk Rübsam (2. von links) und Katja Rautenkranz-Bätzel (vordere Reihe 5. von rechts). 

Hessisch Lichtenau. Eltern, deren Kinder eine der vier Kitas in Hessisch Lichtenau besuchen, sind empört: Ab August sollen die Gebühren um durchschnittlich 18,9 Prozent steigen.

Das macht beispielsweise für einen Krippenplatz, der nur ganztags (7 bis 17 Uhr) gebucht werden kann, eine Erhöhung von 45 Euro pro Monat und 540 Euro im Jahr aus.

Der Beitrag erhöht sich von 259 auf 304,20 Euro monatlich und somit auf 3650,40 Euro jährlich. Dazu kommt noch das Essensgeld, das je nach Kita zwischen 60 und 70 Euro pro Monat kostet. Eltern müssen also unabhängig von der Höhe ihres Einkommens etwa 4500 Euro pro Jahr für einen Krippenplatz ausgeben. „Bei manchen sind angesichts dieser Zahlen Tränen geflossen“, berichtet Dirk Rübsam, Elternbeirats-Vorsitzender des Forellenfängerkindergartens in Fürstenhagen. Gerade bei jungen Eltern, die Job und Familie unter einen Hut kriegen müssen und sich eine Existenz aufbauen wollen, sprudele das Geld nicht üppig. „Viele arbeiten nur Teilzeit und haben sogar zwei Kinder gleichzeitig in der Kita. Das ist finanziell eine unglaubliche Belastung!“

Für die Stadt sei der Schritt dennoch nötig, um die Personalkosten der Kindergärten decken zu können, die in den vergangenen zwei Jahren um 27 Prozent angestiegen sind. Das teilte Bürgermeister Michael Heußner den Eltern in einem Schreiben des Magistrats Anfang Januar mit. Grund sei das Kinderförderungsgesetz (Kifög), das seit September 2015 angewendet werden muss.

Doch diesen Zahlen können viele Eltern keinen Glauben schenken. Öfter hingen Zettel in den Kitas mit der Bitte, die Kinder früher abzuholen, da Erzieherinnen ersatzlos ausgefallen seien, berichten die Vorsitzenden aller vier Elternbeiräte übereinstimmend. In der städtischen Kita seien zudem über vier Monate drei Stellen unbesetzt geblieben, bis sich die Fachaufsicht eingeschaltet habe, berichtet Katja Rautenkranz-Bätzel. Die Elternbeiratsvorsitzende des Karpfenfänger-Kindergartens stellt die Glaubwürdigkeit der Stadt an dieser Stelle in Frage und verweist darauf, dass im Zuge des Kifög zudem Leitungs- und Vorbereitungsstunden gekürzt wurden.

Weiterer Kritikpunkt der Eltern: Das Land Hessen zahlt zu wenig Geld für die Kinderbetreuung. Angestrebt ist eine Drittel-Finanzierung zwischen Land, Kommune und Eltern, doch das Fördergeld des Landes bleibt hinter einem Drittel zurück. Grund ist die laut Kifög vorgeschriebene neue Berechnung des Personalbedarfs (siehe unten). Der Rest bleibt an Stadt und Eltern hängen. „Unmöglich“, sind sich alle einig.

Patricia Lautenbach vom Walburger Kita-Elternbeirat überlegt angesichts der neuen Gebühren, ob sie ihr Kind künftig zu Hause betreut. Bei einer Teilzeitstelle beispielsweise als Verkäuferin sei das Geld direkt weg, die Arbeit lohne sich nicht mehr. Auch andere könnten denken wie sie. „Ein fatales politisches Signal.“

Die Vorschläge der Eltern

In einem Brief des Fürstenhagener Elternbeirats an die Stadt heißt es: „Investieren Sie in die Zukunft und schaffen Sie Anreize für Familien, in dieser Kommune zu leben!“ Dazu verschiedene Ideen der Eltern:

• Verteilen der Lasten auf viele Schultern über eine Anhebung der Grundsteuer, die alle Einwohner gleichermaßen, aber in geringerem Umfang belastet. Den Eltern ist klar, dass die Grundsteuer länger als der Kita-Beitrag gezahlt werden muss. Dennoch sei das für sie in der akuten Situation leichter zu schultern, sagen viele.

• Entwurf eines neuen Berechnungsmodells, das nach dem Einkommen der Eltern gestaffelt ist und für größere Gebührengerechtigkeit sorgen soll.

• Vereinbart war für 2015 und 2016 die Anhebung der Gebühren um 11,50 Euro monatlich. Im Vorjahr wurde das entstandene Defizit aber über die Grundsteuer kompensiert. Dafür kommt im Empfinden der Eltern jetzt der „große Batzen“. Eine schrittweise Anhebung wäre verträglicher.

• Das Land Hessen in die Pflicht nehmen, seiner Drittelfinanzierung nachzukommen.

• Flexibler Wechsel in ein günstigeres Betreuungsmodul mit geringeren Zeiten soll nach Erhöhung möglich sein. 

Auf Anfrage der HNA bereitet die Stadt aktuell eine Stellungnahme vor, in der die Fragen der Eltern beantwortet werden sollen.

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