Interview mit Monika Walenta-Müller

Tourismus-Chefin über neuen Namen des Naturparks: Frau Holle endlich im Rampenlicht

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Als Frau Holle verkleidet schüttelt Marlu Stoffels aus einem Fenster des neuen Frau-Holle-Museums in Hessisch Lichtenau (Werra-Meißner-Kreis) ihr Kissen aus.

Hessisch Lichtenau. Der Naturpark Meißner-Kaufunger Wald heißt ab sofort Geo-Naturpark Frau-Holle-Land. Über den Wandel sprachen wir mit der Lichtenauer Tourismus-Chefin Monika Walenta-Müller.

Hessisch Lichtenau. Die kreisweite touristische Dachmarke „Werratal“ hatte dem Lichtenauer Stadtparlament schon vor zehn Jahren nicht geschmeckt. Die Stadt liege an der Losse und nicht an der Werra, hieß es. Viele wünschten sich Frau Holle als zentrale Werbefigur, doch die hatte das Rennen seinerzeit verloren. Jetzt erlebt sie ein Comeback: Der Naturpark Meißner-Kaufunger Wald heißt ab sofort Geo-Naturpark Frau-Holle-Land. Über den Wandel sprachen wir mit der Lichtenauer Tourismus-Chefin Monika Walenta-Müller.

Als Tourismus-Chefin einer Stadt, die sich gern Frau-Holle-Stadt genannt hätte, müssen Sie sich über die Umbenennung des Naturparks unglaublich freuen. Haben Sie schon immer gewusst, dass Frau Holle das beste Zugpferd für die Region in Sachen Tourismus ist?

Monika Walenta-Müller: Seit Jahrzehnten wirbt unsere Stadt mit der Figur Frau Holle. Agenturen mit denen wir in dieser Zeit zusammenarbeiteten sprachen immer von einem unglaublichen Pfund, was viel mehr Beachtung verdient hätte. Und ja, ich habe immer geahnt und gehofft, dass Frau Holle irgendwann zur verdienten Popularität gelangt.

Die Stadt setzt seit Jahrzehnten touristisch stark auf Frau Holle. Hat sich das gelohnt? 

Monika Walenta-Müller

Walenta-Müller: Den Erfolg eines Konzeptes machen immer viele kleine Mosaiksteine aus. Frau Holle spielte deshalb auch beim Hessentag in 2006 eine große Rolle. Der damalige Ministerpräsident Roland Koch hat den Park in Frau Holle-Park umbenannt und die Frau-Holle-Statue eingeweiht. Daran angeschlossen hat sich der Ausbau des Frau Holle-Rundweges mit der Einweihung des Holleums 2011.

Und die Gästezahlen? 

Walenta-Müller: Die Übernachtungszahlen liegen bei rund 35 000 pro Jahr, die Anzahl der gebuchten Stadtführungen hat 2016 um über 25 Prozent zugenommen. Zusätzlich haben wir festgestellt, dass viele Busse einen Zwischenstopp in der Stadt einlegen und eigenständig eine Führung durch die Altstadt organisieren. Allein am ersten Weihnachtsfeiertag waren drei Busgruppen unterwegs.

Wie stark ist die Wirkung der Märchenfigur Frau Holle? Wie bekannt ist sie? 

Walenta-Müller: Gerade in den letzten Jahren lässt sich wieder ein großes Interesse an Märchen feststellen. Dazu beigetragen hat sicher das 200-jährige Jubiläum der Hausmärchen der Brüder Grimm, das weltweit begangen wurde. Im Fernsehen werden zur besten Sendezeit die Märchen der Brüder Grimm gezeigt, die zum großen Teil auch ganz aktuell produziert wurden. Frau Holle gehört zu den bekanntesten und rangiert in der Beliebtheit ganz vorne.

Was reizt Touristen an ihr? 

Walenta-Müller: Natürlich die moralische Geschichte von Gold- und Pechmarie. Das Gute wird belohnt und das Böse bestraft. Aber auch die anderen Darstellungen und Seiten der Frau-Holle-Figur sind interessant. Die Geschichte der Freya, die als Göttin der Liebe, des Glücks und der Fruchtbarkeit verehrt wurde, begeistert die Besucher ebenso wie ihre dunkle Seite, wenn sie an Wotans Seite mit dem wilden Heer durch die Rauhnächte jagd. 2016 waren internationale Filmteams im Holleum zu Gast, um über die Vielseitigkeit dieser Figur zu berichten.

Wie viele Besucher waren denn schon im Holleum? 

Walenta-Müller: Wir erwarten noch in diesem Monat den 6000. Besucher. Das ist für eine Einrichtung, die nur am Sonntagnachmittag für drei Stunden geöffnet ist, durchaus beachtlich. Die Dauerausstellung zum Besuch der Brüder Grimm in Hessisch Lichtenau, die 2015 eingerichtet wurde, hat das Interesse noch verstärkt.

Was erwarten Sie durch die Namensänderung im Hinblick auf die Touristen-Zahlen? 

Walenta-Müller: Ich hoffe, dass es einen deutlichen Schub geben wird, weil Frau Holle einfach alle kennen. Die Bezeichnung Frau-Holle-Land unterstreicht nun die märchenhafte Ausrichtung Nordhessens, die durch die GrimmHeimat Nordhessen und die Deutsche Märchenstraße erfolgreich betrieben wird. Allerdings haben wir schon in den 1980er und 1990er Jahren auf Touristik-Messen mit Frau Holle als zentraler Werbefigur für den ganzen Kreis geworben. Es gab sogar schon einmal die Idee, unsere Region ähnlich wie das Heidi-Land in der Schweiz in Frau-Holle-Land umzubenennen. Also alles nicht ganz neu.

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