Video: So wird eingeklemmte Person aus einem Auto befreit

Reportage von Feuerwehr-Übung: Erst alles sichern, dann schneiden

Schweres Gerät: Michael Eck (links) und Björn Künzel von der Feuerwehr Hessisch Lichtenau zerschneiden bei einer Übung mit der Rettungsschere die Verbindungsstücke zwischen Dach und Unterbau eines Autos, damit das Dach schlussendlich übergeklappt werden kann. Foto: Künemund

Hessisch Lichtenau. Was Feuerwehren mit den durch die HNA-Aktion "Alte Autos für die Feuerwehr" gespendeten Autos genau anstellen, haben wir uns bei einem Übungsabend angeschaut.

Die Hessisch Lichtenauer Feuerwehrmänner Michael Eck und Björn Künzel setzen die Rettungsschere an den Verbindungsstücken zwischen Fahrzeugdach und Unterbau an. Nach und nach durchtrennen sie diese. Bis sie mit ihren Kameraden das Dach des Autos abheben können, um bei einem Unfall eine eingeklemmte Person zu befreien.

Bei der Vorbereitung und Begleitung des Freischneidens müssen viele Details zur Patientensicherung berücksichtigt werden. „Deswegen üben wir das oft“, sagt Stefan Schlegel, Pressewart der Hessisch Lichtenauer Brandschützer. Unsere Zeitung war bei so einer Übung mit dabei. Ein schrottreifer Opel wurde vor einem Baum bei der Wache geparkt. Die Ausgangssituation: Eine eingeklemmte Person auf dem Fahrersitz soll freigeschnitten und bestmöglich geschützt werden.

Ein Teil der Feuerwehr fährt mit dem multifunktionellen Löschgruppenfahrzeug zum simulierten Unfallort. Zusätzlich rückt ein Rüstwagen mit Geräten zur technischen Hilfeleistung wie Stromerzeuger, Seilwinde und Säge an. Die beiden Fahrzeuge parken mit ausreichendem Abstand, um allen Rettungskräften Platz zu lassen. Danach machen sich die beiden Gruppenführer ein Bild von der Lage und verteilen Aufgaben. Im Ernstfall stimmen sie das Vorgehen mit Ärzten ab und passen es so an die Situation der verletzten Person an.

Die Einsatzkräfte legen die benötigten Geräte auf eine Decke, um alles zügig zur Hand zu haben. Dann sichern und stabilisieren sie das Auto. Keile unter den Rädern schützen vor dem Wegrollen. Stein- und Holzklötze unter der Karosserie stabilisieren das Fahrzeug, sodass Unfallopfer mit möglichen Rückenverletzungen geschützt sind. „Durch die Arbeit mit der Rettungsschere würde das Auto sonst wackeln. Das kann Verletzungen verschlimmern“, erläutert Stefan Schlegel. Dann erst geht es an das „Auseinandernehmen“ des Autos.

Dazu schlagen die Brandschützer Rück- und Seitenscheiben ein - mit einer von innen vorgehaltenen Schutzplane, um Insassen vor Splittern und Glasstaub zu schützen. Mit einem elektrischen Spreizer drücken sie den vorderen Kotflügel ein. Dadurch entsteht ein Spalt zwischen Tür und Motorraum, in den sie den Spreizer einsetzen, um die Fahrertür auszuhebeln.

Die Feuerwehrmänner und -frauen entfernen das Dach, indem sie vier Verbindungssäulen zwischen Dach und Unterbau (Mitte und hinten auf jeder Seite) mit der Rettungsschere zerschneiden. Auch im vorderen Drittel des Dachs setzen sie einen Schnitt. An dieser Stelle können sie es nach vorne überklappen. „Dadurch nehmen wir dem Auto Stabilität. Wir können so den Motorraum nach vorne weg drücken. Dann könnte auch ein Patient abtransportiert werden, der im Fußraum eingeklemmt war“, sagt Stefan Schlegel abschließend.

Von Florian Künemund

Hintergrund:

Jeder Verkehrsteilnehmer kann einmal in einen Unfall verwickelt werden - umso wichtiger ist es, dass die ehrenamtlichen Helfer von der Freiwilligen Feuerwehr dann wissen, wie sie Unfallopfer aus einem Auto befreien.

Aus diesem Grund haben wir von der HNA/Witzenhäuser Allgemeine gemeinsam mit den Wehren im Werra-Meißner-Kreis die Aktion „Alte Autos für die Feuerwehr“ ins Leben gerufen.

Wir bitten Sie darum, die Ausbildung der Wehren zu unterstützen und Ihr altes Auto zur Verfügung zu stellen, wenn es reif für die Schrottpresse ist. Davon können alle profitieren. Viele Wehren würden das Fahrzeug sogar bei Ihnen abholen. Kontaktieren Sie dazu einfach Ihre örtlichen Brandschützer oder rufen Sie an unter Tel. 01 73 / 9 62 48 81.

Allein der Feuerwehr Hessisch Lichtenau wurden bislang 13 Autos gespendet. „Wir bedanken uns für den großen Zuspruch“, sagt Pressewart Stefan Schlegel.

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