Flüchtlinge: RP prüfte auch Soldatenheim und Lenoir-Stift als Unterkunft

Ulrich Hennemuth

Hessisch Lichtenau. Die Nachricht hat alle überrascht: Schon am heutigen Dienstag ab 16 Uhr könnten Flüchtlinge in das praktisch über Nacht aus dem Boden gestampfte Zeltlager auf dem Sportplatz an der Hopfelder Straße in Hessisch Lichtenau einziehen.

Ob die Menschen wirklich so schnell kommen, wie viele es sind und woher sie stammen - auf all diese Fragen hatten gestern weder die Vertreter der Stadt noch des Regierungspräsidiums (RP) Kassel eine Antwort.

Was wir an Informationen rund um die Zeltstadt zusammentragen konnten, haben wir hier zusammengefasst.

AUSWAHL DES STANDORTS

Die Stadt hat gemeinsam mit dem RP Kassel verschiedene Standorte für eine schnell einzurichtende Flüchtlingsunterkunft geprüft, darunter war auch das Soldatenheim. Der Vermieter habe es aber laut Auskunft von Stadtrat Heinz Vogt abgelehnt, Flüchtlinge einzuquartieren. Im Gespräch war ebenfalls das Auguste-Förster-Haus (Lenoir-Stift), wo einstmals schon Flüchtlinge untergebracht waren. Das Haus soll aber nach Auskunft von Bürgermeister Jürgen Herwig derzeit wegen geplatzter Wasserleitungen nicht bewohnbar sein. Turnhallen seien nach Aussage von RP-Sprecher Harald Merz nicht im Gespräch gewesen, da diese zur schulischen Ausbildung und von Vereinen genutzt werden.

SPENDEN

Wer Kleidung und Spielsachen für die Flüchtlingsfamilien zur Verfügung stellen möchte, muss sich ein wenig gedulden. Aktuell gibt es weder eine koordinierte Sammel- und Ausgabestelle, noch ein Lager für Sachspenden. Wenn all das zur Verfügung steht, werden wir darüber berichten.

PERSÖNLICHE HILFE

Die Stadt Hessisch Lichtenau hat eine E-Mail-Adresse eingerichtet, wo alle Bürger Hilfe für Flüchtlinge anbieten, aber auch Anregungen und Initiativen vorstellen können. Wer gute Ideen hat, kann sich unter erstaufnahme@hessisch-lichtenau.de melden. Zusätzlich hat die Stadt einen Arbeitskreis ins Leben gerufen, in dem Betreiber von Lebensmittelgeschäften, Ärzte, Kirchenvertreter und andere mitarbeiten. „Hier geht es in erster Linie darum, die Flüchtlinge mit unserer Lebensweise vertraut zu machen und so das gemeinsame Leben für alle einfacher zu gestalten“, sagt Erster Stadtrat Vogt. Supermärkte wollen beispielsweise Handzettel in verschiedenen Sprachen verteilen, auf denen Verhaltensregeln beim Einkauf abgedruckt sind.

KAPAZITÄT DER POLIZEI

Eine große Aufgabe kommt auf die kleine Polizeidienststelle in Hessisch Lichtenau zu, die meist nur eine Streife im Einsatz hat. Dienststellenleiter Ulrich Hennemuth und Kreispolizeisprecher Jörg Künstler bestätigen auf Anfrage, dass keine personelle Aufstockung wegen der erwarteten 750 Flüchtlinge geplant ist. „In erster Linie kommen ja Menschen, die bei uns Schutz und Hilfe suchen - und keine Kriminellen“, sagt Hennemuth. Bei der großen Anzahl an Flüchtlingen seien anfangs eher logistische Probleme als handfeste Konflikte zu erwarten. „In erster Linie geht es um Absprachen in allen Bereichen und mit den verantwortlichen Behörden, um grundsätzlich erstmal einen geregelten Ablauf der Unterbringung der Flüchtlinge zu gewährleisten“, sagt Künstler. Im Ernstfall wird die Dienststelle Unterstützung anderer Polizeidienststellen des Kreises und aus Kassel anfordern müssen.

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