Förderbescheid ist da: Weg ist frei für neues Pfarrhaus in Walburg

Fachwerk in Gefahr: An der Nordseite des Pfarrhauses platzt bereits der Putz ab, die Balken sind morsch. Foto: Rehbein/nh

Walburg. Eigentlich gibt es in der evangelischen Landeskirche Kurhessen-Waldeck einen Neubaustopp. Warum Wahlburg trotzdem ein neues Pfarrhaus bekommt, lesen Sie hier.

Morsche Balken an der Nordwand, abplatzende Fliesen in der Waschküche, Risse in der Wand, ein einsturzgefährdetes und daher abgestütztes Kellergewölbe: Das um 1800 gebaute Pfarrhaus in Walburg ist so marode, dass es abgerissen wird. Eine Sanierung ist zu teuer - aber auch die Kosten für einen Ersatz sind enorm: 600.000 Euro sind dafür vorgesehen.

„Die Kosten für eine Grundsanierung sind Anfang der 2000er-Jahre auf 750.000 Euro geschätzt worden“, berichtet Walburgs Pfarrer Dirk Rehbein, der derzeit allein die 240 Quadratmeter Wohn- und Arbeitsfläche nutzt. Bereits 1972 sei ein erster Antrag auf Abriss und Neubau gestellt worden, die Landeskirche Kurhessen-Waldeck habe sich aber für Sanierungen entschieden. „An der Substanz des Gebäudes wurde aber nie etwas getan“, sagt Rehbein. Der Energieverbrauch sei enorm.

Das hat bald ein Ende: Die Landeskirche hat 300.000 Euro an Baumittelförderung für einen Neubau freigegeben. Ab Frühjahr 2015 zieht Rehbein übergangsweise in eine Wohnung, dann soll das Pfarrhaus abgerissen werden. An seiner Stelle wird ein Einfamilienhaus mit 135 Quadratmeter Wohnfläche errichtet - groß genug für eine Pfarrerfamilie mit zwei bis drei Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen. „Es geht ja bei dem Neubau nicht um mich, sondern um eine langfristige Perspektive für die Pfarrstelle in Walburg“, sagt Rehbein. An das Haus schließt sich der 45 Quadratmeter große, separate Amtsbereich des Pfarrers an, wo auch vertrauliche Gespräche geführt werden können.

Hohe Kosten wegen Auflagen 

Dass Abbruch und Neubau 600.000 Euro kosten sollen, liege an den Vorgaben der Landeskirche, erklärt Dekanin Ulrike Laakmann. Die Bauweise kirchlicher Gebäude müsse besonders nachhaltig sein, eine Wärmedämmung aus Styropor sei dabei ebenso tabu wie der Einbau von schlecht zu entsorgenden Kunststofffenstern. Zudem habe die Landessynode beschlossen, dass für volle Pfarrstellen ein Pfarrhaus vorgehalten werden soll. Eine Mietwohnung sei langfristig keine Lösung.

Rehbein hofft, den Betrag nicht voll ausschöpfen zu müssen. Mehrere Experten hätten die Kalkulation überprüft und für realistisch befunden, sagt er, der wegen der hohen Kosten viele Fragen aus der Gemeinde erwartet. Das ebenfalls sanierungsbedürftige Lutherhaus soll wie geplant verkauft werden, wenn die Bauarbeiten in der Kirche beendet sind. Während des Pfarrhaus-Neubaus wird das Gemeindehaus noch Rehbeins Arbeitszimmer beherbergen.

Termin: Am Donnerstag, 15. Januar, findet zum Thema ab 19.30 Uhr im Lutherhaus ein Info-Abend für alle Gemeindeglieder des Kirchspiels Walburg statt.

So soll die Finanzierung aussehen

600.000 Euro müssen für Abriss und Neubau aufgebracht werden:

• 300.000 Euro: Baumittel der Landeskirche

• 100.000 Euro: Energiesparfonds der Landeskirche

• 120.000 Euro: Eigenmittel des Kirchenkreises

• 19.000 Euro: Rücklagen der Kirchengemeinde und zinsloser Kredit der Landeskirche

Bleiben noch gut 60.000 Euro. Dazu sagt Dekanin Ulrike Laakmann: „Wir haben ja zum Neubau gesagt und das werden wir einhalten.“ Soll heißen: Der Kirchenkreis muss es leisten.

Von Friederike Steensen

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