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Freiherr-vom-Stein-Schule ist jetzt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“

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Von: Wiebke Huck

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Stolz auf den neuen Titel: Dr. Dieter Vaupel (von links), Schüler Tom Stange, Schülerin Emilia Ciesla, Lehrer Günther Tschiersky und Schulleiter Björn Faupel.
Stolz auf den neuen Titel: Dr. Dieter Vaupel (von links), Schüler Tom Stange, Schülerin Emilia Ciesla, Lehrer Günther Tschiersky und Schulleiter Björn Faupel. © Wiebke Huck

„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Diesen Titel darf jetzt die Freiherr-vom-Stein-Schule in Hessisch Lichtenau tragen.

Hessisch Lichtenau – Denn Schüler und Lehrer haben sich mit ihren Unterschriften dazu verpflichtet, sich an ihrer Schule gegen Ausgrenzung und für Toleranz einzusetzen.

Bei einer Feierstunde in der Aula durften die Schüler jetzt neben einer Urkunde ein Schild entgegennehmen, das den Titel der Schule in großen Lettern zeigt. Damit ist die Freiherr-vom-Stein-Schule offiziell dem Netzwerk der Courage-Schulen beigetreten. Davon gibt es 3600 in Deutschland.

Angefangen hat alles mit einer Arbeitsgemeinschaft, die Lehrer Günther Tschiersky bereits vor einigen Jahren zusammen mit einer Handvoll Schüler ins Leben gerufen hat. Anfänglich trug sie den Namen AG Extrem, daraus entwickelte sich mit der Zeit die AG Schule ohne Rassismus. Die AG setzt sich bereits seit Längerem für Toleranz ein und klärt die Mitschüler mit verschiedenen Aktionen auf, zum Pride-Day oder mit Thementagen, kürzlich zum Krieg in der Ukraine.

Schulleiter dankt allen, die sich stark gegen Rassismus machen

„Was ist eigentlich Rassismus?“, fragte Schulleiter Björn Faupel bei der Verleihung. Rassismus würde bedeuten, sich einer anderen Gruppe überlegen zu fühlen, beantwortete er selbst seine Frage, was ihn zu einer neuen führte: „Warum sollten einige Menschen besser sein als andere?“. An der Freiherr-vom-Stein-Schule seien alle gleich, dafür würden sich Lehrer und Schüler einsetzen.

Er dankte allen, die sich für den Titel stark gemacht haben, die Mut zeigen, Courage und für andere einstehen. „Schule ohne Rassismus ist nicht nur ein Label, es ist die Verantwortung, die wir alle tragen, gerade jetzt in dieser schwierigen Zeit“, so Faupel.

Das Prädikat „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist nur zum Teil eine Auszeichnung für Geleistetes. Vor allem ist es eine Verpflichtung. 870 Schüler besuchen die Freiherr-vom-Stein-Schule. Sie alle haben die Selbstverpflichtung unterschrieben, die sich aus drei Punkten zusammensetzt:

In verschiedenen Punkten gegen Rassismus

In Punkt eins heißt es: „Ich setze mich dafür ein, dass meine Schule nachhaltige Projekte, Aktionen und Veranstaltungen durchführt, um Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, zu überwinden.“ Punkt zwei fordert Aufmerksamkeit: „Wenn an meiner Schule Gewalt, diskriminierende Äußerungen oder Handlungen ausgeübt werden, dann wende ich mich dagegen, spreche dies an und unterstütze eine offene Auseinandersetzung, damit wir gemeinsam Wege finden, einander respektvoll zu begegnen.“

Der dritte Punkt steht für aktive Mitarbeit: „Ich bin aktiv, damit meine Schule jedes Jahr Projekte gegen alle Formen von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, durchführt.“ 87 Prozent der Schüler machten im Vorfeld bei einer Befragung mit und sprachen sich für den Eintritt in das Netzwerk aus. Verliehen wird der Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ vom Verein Aktion Courage und unterstütz vom Bundesprogramm „Demokratie leben“. Die Schüler freuen sich auf ihre neue Aufgabe: „Wir haben dafür abgestimmt, dem Netzwerk beizutreten. Wir haben eine Stimme und bekommen eine Plattform, um sie zu nutzen. Das werden wir nicht halbherzig tun, wir stehen alle zu der Selbstverpflichtung und sind eine Gemeinschaft“, sagt die Schülerin Shirley Elawure, die auch zur Arbeitsgemeinschaft Schule ohne Rassismus gehört.

Jede Schule muss sich einen Paten suchen, der sie und ihre Arbeit im Netzwerk begleitet. Die Freiherr-vom-Stein-Schule hat sich für den ehemaligen Schulleiter und Buchautor Dr. Dieter Vaupel entschieden. Er hat sich intensiv mit der Geschichte von Hessisch Lichtenau und der Rolle der Stadt im Nationalsozialismus beschäftigt. In der ehemaligen Munitionsfabrik in Hirschhagen hatten viele Juden im Zweiten Weltkrieg Zwangsarbeit leisten müssen. Dazu hat Vaupel ein Buch über die junge Blanka Pudler und ihre traumatischen Erlebnisse in Hessisch Lichtenau geschrieben.

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