Sparzwang

Fußballverein kämpft gegen Kündigung des Sportplatzvertrags

Kampfgeist geweckt: Günter Vogt und Erkan Kilci wollen die Kündigung nicht akzeptieren. Foto: Shuhaiber

Hessisch Lichtenau. Die Mitglieder des Lichtenauer Fußballvereins 1919 können nur noch mit dem Kopf schütteln. Anfang März hatte der Magistrat der Stadt Hessisch Lichtenau dem Verein den Nutzungsvertrag für den Sportplatz an der Heinrichstraße zum 31. Dezember 2015 gekündigt.

Obwohl dieser Vertrag im Jahr 1980 auf 66 Jahre geschlossen wurde. Die Kündigung will der Verein nicht akzeptieren und wenn nötig sogar vor Gericht ziehen.

Laut Nutzungsvertrag, der unserer Zeitung vorliegt, ist die Stadt als Eigentümerin des Sportplatzes und des Sporthäuschens noch bis zum Jahr 2046 verpflichtet, die Anlage „ordnungsgemäß zu unterhalten und instand zu halten“. „Wir haben Widerspruch eingelegt, weil der Vertrag keine Kündigungsmöglichkeit vorsieht“, sagt Günter Vogt, Vorsitzender des Lichtenauer Fußballvereins. Da es sich um einen Nutzungs- und nicht um einen Miet- oder Pachtvertrag handele, sei die Kündigung unzulässig.

„Der Vertrag regelt die Rechte und Pflichten zur Nutzung des Sportplatzes und des Umkleidegebäudes“, erklärt Vogt. Der langfristige Vertrag sei seinerzeit abgeschlossen worden, um Zuschüsse vom Landessportbund zu erhalten. „Wir haben damals zusätzlich einen Kredit von 50 000 Mark aufgenommen und in Eigenregie das Umkleidegebäude ausgebaut und die sanitären Anlagen saniert“, ergänzt der 2. Vorsitzende Erkan Kilci.

Die Stadt hat dem Verein offenbar schon einen neuen Vertrag ohne Sportplatzpflege angeboten, der aber abgelehnt wurde. „Wenn wir die Pflege übernehmen, brauchen wir einen Rasenmäher. Die Kosten dafür können wir aber nicht tragen“, sagt Vogt. Stattdessen habe man der Stadt einen Nachtrag zum laufenden Nutzungsvertrag angeboten. Der Verein übernehme die Sportplatzpflege, wenn die Stadt einen Nachlass bei den Nebenkosten gewährt. Das habe wiederum die Stadt abgelehnt.

Sparzwang

Seit 2013 müssen alle sechs Sportplätze im Stadtgebiet von den Vereinen selbst gemäht werden. Damit sollen etwa 40 000 Euro freiwillige Leistungen pro Jahr gespart werden. Das sorgt für Unmut. Die Fußballvereine fühlen sich wegen dieser Regelung deutlich schlechter gestellt als Vereine, die in der Halle trainieren und keine Rasenpflege finanzieren müssen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Verein die Mitgliedsbeiträge erhöht, weil die die Vereinsförderung im Jahr 2013 gestrichen wurde. Für den Lichtenauer Fußballverein bedeutet das ein Minus von 3500 Euro pro Jahr.

Der Lichtenauer Fußballverein zählt derzeit 230 Mitglieder, davon 100 Jugendliche, die in zwölf Mannschaften spielen. „In einigen Mannschaften haben wir bis zu sieben verschiedene Nationalitäten“, sagen Kilci und Vogt, denen die Jugend- und Integrationsarbeit eine Herzensangelegenheit ist.

Das sagt die Stadtverwaltung:

„Es tut wirklich weh, aber der Schutzschirm zwingt uns zu diesen drastischen Maßnahmen“, sagt Erster Stadtrat Heinz E. Vogt. Die Stadt erhalte von der Kommunalaufsicht des Regierungspräsidiums keine Genehmigung für freiwillige Leistungen und die Unterhaltung der Sportplätze zähle leider dazu. Deshalb habe man sich bereits 2013 dazu durchgerungen, die Mäharbeiten nicht mehr vom Bauhof ausführen zu lassen. Da der Haushalt für 2015 noch nicht verabschiedet wurde, gelte die vorläufige Haushaltsführung. Da seien der Stadt leider die Hände gebunden.

„Laut Städte- und Gemeindebund müssten die Stadt den Sportplatz weiter pflegen, aber er sagt auch, dass der Vertrag weder Veränderungen noch künftige Gegebenheiten abbildet“, sagt Vogt. Gleichzeitig hofft er, dass es im nächsten Jahr wieder mehr Geld aus dem Kommunalen Finanzausgleich (KFA) gibt. Vogt wünscht sich, dass die Vereinsförderung für aktive Jugendliche wieder eingeführt wird. „Außerdem brauchen wir ein Konzept, dass regelt, in welchen Bereichen die Stadt verpflichtet ist, Kosten zu übernehmen. Denn das schlimmste wäre, wenn wir die Vereine, die die Jugendarbeit und Integration im Breitensport fördern, verhungern lassen.“ (alh)

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