Fußballverein muss nun selbst Rasen mähen

+
Müssen nun selbst für die Rasenpflege aufkommen: Vorsitzender Günter Vogt (links), und sein Stellvertreter Erkan Kilci vom Lichtenauer Fußballverein haben die Klage gegen die Vertragskündigung der Stadt verloren.

Hessisch Lichtenau. Der Lichtenauer Fußballverein hat einen Prozess gegen die Stadt, die den Nutzungsvertrag für den Sportplatz gekündigt hatte, um den Rasen nicht mehr mähen zu müssen, verloren.

Seit Ende vergangenen Jahres hat der Lichtenauer Fußballverein (LFV) keinen gültigen Nutzungsvertrag mehr für den Sportplatz. Gestern hat das Amtsgericht Eschwege im bisher ersten Fall dieser Art die Klage des Vereins abgelehnt und die Kündigung der Stadt Hessisch Lichtenau für rechtsgültig erklärt.

„Der Vertrag, der am 18. November 1980 geschlossen wurde, wurde seitens der Stadt wirksam gekündigt“, sagt Richter Dr. Alexander Wachter auf Anfrage. Mietverträge mit einer längeren Laufzeit als 30 Jahre können von jeder Vertragspartei nach Ablauf von 30 Jahren außerordentlich mit der gesetzlichen Frist gekündigt werden, heißt es sinngemäß im Paragraphen 544 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Auf diesen hat sich der prozessführende Richter Mark-Heinrich Merten bezogen. Die zweite, fristlose Kündigung Ende November wäre allerdings unwirksam, sagt Wachter. „Die Tatsache, dass die Stadt unter dem Schutzschirm steht, ist kein Grund für eine Kündigung, sondern liegt in der Risikosphäre der Stadt.“

Stadt spart 25.000 Euro

Seitens der Stadt wolle man den Vertrag mit dem LFV fortführen - nur ohne das Mähen. Wie die anderen fünf Vereine müsse der LFV dafür selbst eine Lösung finden. Die Stadt habe die vergangenen zwei Jahre selbst nur noch einen kleinen Mäher benutzt, nachdem der Großflächenmäher kaputt gegangen war. „Durch einen Beschluss der Stadtverordneten darf ich mit dem Bauhof nicht mehr aushelfen, weil es zu aufwendig ist“, sagt Bürgermeister Jürgen Herwig auf Anfrage. 25 000 Euro spare Hessisch Lichtenau dadurch. Als sehr frustrierend hat Günter Vogt, Vorsitzender des LFV, das Urteil bezeichnet. „Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass die Kündigung nicht korrekt ist.“ Laut einem Anwalt, der den Verein beraten habe, sei ein Nutzungsvertrag nicht mit einem Mietvertrag gleichzusetzen: Zum einen nutze der Verein den Platz unentgeltlich und zahle keine Miete, zum anderen müsse er auch andere Vereine auf den Rasen lassen und könne den Platz nicht wie sein Eigentum nutzen, wie es bei einer Wohnung der Fall wäre. Eine Berufung vor dem Landgericht in Kassel, für die sich der Verein einen Anwalt nehmen müsste, werde jedoch zu teuer. „Wir müssen das Urteil akzeptieren und sind nun gezwungen, uns einen Großflächenmäher zuzulegen.“ Mehrere Tausend Euro müsse der Verein dafür aufbringen.

Kontakt: Wer einen großen Mäher günstig abzugeben hat, kann sich an Günter Vogt, Tel. 0 56 02/10 02, wenden.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.