Am Dienstag beginnt auch für Muslime Fastenzeit

Ramadan im Werra-Meißner-Kreis: Gebetet wird nur mit Maske

Während der Pandemie müssen Gläubige ihren eigenen Gebetsteppich in die Hessisch Lichtenauer Moschee mitbringen: Kasim Sen (von links), Vorbeter Osmar Arar und Yusuf Gökmen.
+
Während der Pandemie müssen Gläubige ihren eigenen Gebetsteppich in die Hessisch Lichtenauer Moschee mitbringen: Kasim Sen (von links), Vorbeter Osman Arar und Yusuf Gökmen.

Gebetet wird nur mit Maske, Sicherheitsabstand und in begrenzter Personenzahl. Der Vorbeter überträgt seine abendlichen Koranrezitationen im Internet. Das gemeinsame Fastenbrechen in der Moschee entfällt.

Werra-Meißner – Zum zweiten Mal begehen die Muslime im Werra-Meißner-Kreis ihren Fastenmonat Ramadan unter Corona-Bedingungen: Er beginnt am Dienstag, 13. April, und endet am Mittwoch, 12. Mai, mit dem Fastenbrechen beim Zuckerfest.

„Fasten lässt den Körper zur Ruhe kommen und bereichert uns mental“, sagt Osman Arar, der Religionsbeauftragte der türkischen Ditib-Gemeinde in Hessisch Lichtenau. Ab morgen fasten die Muslime vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang. Noch vor dem Morgengrauen gegen 4.30 Uhr wird gefrühstückt. Dann verzichten die Gläubigen den ganzen Tag über auf Essen und Trinken.

„Hunger und Durst wecken unser Mitgefühl mit den Armen“, erläutert Vorbeter Arar. „Wir geben während des Ramadans zweieinhalb Prozent unseres Reichtums als Almosen an Hilfsorganisationen“, ergänzt Kasim Sen, der Kassierer der muslimischen Gemeinde. Einladungen zum abendlichen Fastenbrechen in der Eyüp-Sultan-Moschee an der Industriestraße 63 müssen dagegen auch in diesem Jahr aufgrund der Pandemie unterbleiben. Nach dem abendlichen Gebet im Gotteshaus, das kürzer als üblich ausfällt, gehen alle rasch nach Hause.

Imam Osman Arar überträgt seine Rezitationen aus dem Koran übers Internet. „An den 30 Abenden des Fastenmonats wird der Koran einmal vollständig vorgetragen“, berichtet er. So habe es sie der Prophet Mohammed gelehrt. Die Lesung erfolgt auf Arabisch, auch wenn die meisten türkischstämmigen Gläubigen das nicht beherrschen. „Die Sprache des Korans ist nicht einfach, die Auslegung durch einen fachkundigen Menschen entsprechend wichtig“, betont Sen. Vorbeter Arar hat sieben Jahre lang an der Hochschule im türkischen Corum die heilige Schrift der Muslime studiert.

„Knapp 80 türkische Familien gehören der Gemeinde an“, berichtet Sen. In der Moschee haben sie sich im vergangenen Jahr selten gesehen: „Vor allem die Älteren, die nach dem Beten sonst immer noch eine Tasse Tee getrunken haben, leiden unter dem Mangel an Kontakten.“ Alle würden das aber geduldig ertragen, auch wenn sich die Pandemie „zäh wie ein Kaugummi“ hinziehe.

Moschee in Witzenhausen bleibt vermutlich zu im Ramadan

Derzeit geschlossen ist die Selimiye-Moschee an der Oberburgstraße 6 in Witzenhausen. Mit Sorge beobachtet der Vorsitzende der Ditib-Gemeinde, Ali Mehmet Bükücü, die steigenden Inzidenzwerte: „Wir werden wohl auch während des Ramadans nicht öffnen.“ Näheres werde er mit dem ehrenamtlichen Vorbeter der Gemeinde, Tugay Duran, besprechen. Er werde rechtzeitig zum Fastenbeginn aus der Türkei nach Deutschland zurückkehren. Bükücü hat aber auch Positives zu berichten. So stieg die Zahl der Gemeindemitglieder im vergangenen Jahr trotz der Pandemie von gut 50 auf gut 60 Personen. „Wir haben viele persönlich angesprochen“, sagt der Vorsitzende, der sein Amt 2018 antrat. (Michael Caspar)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.