Hessisch Lichtenau

Geburtshilfe für Lämmer: Einblicke in den Alltag des Schäfers Alexander Schlauch

Lämmer und Mutterschafe stehen gemeinsam auf der Weide in Walburg. Auszubildende Sarah Markon lässt ihren Sohn Eddy ein Lamm streichen.
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Lämmer und Mutterschafe stehen gemeinsam auf der Weide in Walburg. Auszubildende Sarah Markon lässt ihren Sohn Eddy ein Lamm streichen.

Mehr als 70 Lämmer rennen blökend über die Wiesen am südlichen Ortsrand von Walburg und machen übermütig Bocksprünge. Alexander Schlauch ist Schäfer und hilft Mutterschafen bei der Geburt.

Walburg - Im Laufe des Aprils werden es 180 Jungtiere sein, erwartet Schäfer Alexander Schlauch. Derzeit arbeitet er 18 Stunden am Tag, um seinen 120 Mutterschafen zur Seite zu stehen. „Ein großer Teil der Geburten findet nachts statt“, berichtet der Schäfer. Kurz vor der Niederkunft werden die Schafe unruhig. Die Tiere sondern sich von der Herde ab, lassen sich am Fuße eines Baumes oder zwischen Büschen nieder. Die Geburten gehen meistens innerhalb von Minuten vonstatten. Manchmal dauert es eine Stunde. Bei besonders großen Lämmern leisten Schlauch und seine Auszubildende, Sarah Markon, Geburtshilfe. Bei manchen Neugeborenen müssen sie die Fruchtblase vom Kopf ziehen, damit die Kleinen nicht ersticken. Die Muttertiere lecken ihre Lämmer ab und regen so den Blutkreislauf an. Nach zehn Minuten versuchen die Jungen bereits – noch etwas wackelig – auf den eigenen vier Beinen zu stehen.

Sie saugen die erste Muttermilch, die lebenswichtige Biestmilch, die ihr Immunsystem auf Vordermann bringt. Werden zwei Lämmer geboren, setzt sie der Schäfer zusammen mit dem Muttertier in ein kleines Gatter. So kann sich die Bindung zwischen Mutter und Jungen festigen. Danach kehrt die Familie zurück zur Herde. Derzeit übernachtet Schlauch im Wohnwagen bei seinen Schafen. Nur zwei, drei Mal die Woche fährt er nach Hause, um sich zu duschen. „Das ist die anstrengendst Zeit im Jahr“, betont der Schäfer. Doch auch sonst wartet harte körperliche Arbeit auf ihn. Bei jedem Wetter ist er draußen unterwegs. Freie Wochenenden hat er keine. Wenn es gut läuft, kommt er auf eine Woche Urlaub im Jahr.

Arbeitet 18 Stunden am Tag: der Walburger Schäfer Alexander Schlauch.

Schlauch verdient sein Geld mit Landschaftspflege, sogenannten Agrarumweltmaßnahmen. Die 200 Hektar Grünland, die der Schäfer bewirtschaftet, sind seit 2017 Nationales Naturerbe. Der ehemalige Truppenübungsplatz wird vom Bundesforst betreut. Schlauch darf seine Weiden nicht düngen und sie erst zur Jahresmitte mähen. Von den Lämmern verkauft er die Böckchen. Die weiblichen Tiere braucht er zur Verjüngung der Herde. Für die Wolle seiner insgesamt 520 Coburger Füchse, einer genügsamen Landschafrasse, bekommt er gerade so viel Geld, dass er die Schur der Tiere bezahlen kann.

„Meine ersten Schafe kaufte ich mir 2002“, erzählt Schlauch. Seit 2009 ist er im Vollerwerb Schäfer. Bis zur Übernahme der Flächen bei Walburg pflegte er mit seinen Tieren Naturschutzflächen zwischen Dohrenbach und Werleshausen. Rücksicht wünscht er sich von Hundehaltern, die ihre Tiere anleinen sollten. Eine Herausforderung sind die Wölfe. Einer sprang im vergangenen Jahr über den 90 Zentimeter hohen Zaun und tötete acht Schafe. Der Hütehund konnte sie nicht verteidigen, da er – um beim Lammen nicht zu stören – nicht bei der Herde war. (Michael Caspar)

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