Geburtstag: Naturschützer Konrad Volkhardt wird 95

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Mit einer prächtig blühenden Odontioda: Um seine Orchideen im großen Gewächshaus in seinem Garten kümmert sich Konrad Volkhardt auch mit 95 noch.

Hessisch Lichtenau. „100 möchte ich gern werden." Das sagt Konrad Volkhardt, als hartnäckiger Naturschützer bekannt. Am Samstag vollendet er sein 95. Lebensjahr.

In der Natur unterwegs sein und frische Luft, das nennt er als Rezept für sein langes Leben. Und er fühle sich „immer noch jung“.

Dennoch: Künftig will er etwas kürzer treten. Seit 1982 Vorsitzender des Naturschutzbund-Kreisverbandes (Nabu) Werra-Meißner, will er das Amt Ende des Jahres in jüngere Hände legen. Und sein Rechtsstreit um den Ankauf von Naturschutzflächen mit dem Fachbereich Landwirtschaft des Werra-Meißner-Kreises, den er im zweiten Anlauf vorigen Herbst gewann, sei sein „letzter Streich“ gewesen. „Jetzt haben wir ein Grundsatzurteil, wonach Naturschutzverbände mit den Vertretern landwirtschaftlicher Interessen gleichgestellt werden“, sagt er zufrieden.

Auch sonst scheint sich zu fügen, was Konrad Volkhardt so alles angepackt hat - unter seinem Leitsatz „Tue Recht und scheue niemand“. Seine Jahre im Krieg, erklärt er, hätten ihn nicht nur viel Leid und Elend erleben lassen, sondern auch eine gehörige Portion Willens- und Durchsetzungskraft hinterlassen.

Sein Hauptanliegen, das ehemalige Braunkohle-Abbaugebiet Glimmerode in einen Lebensraum seltener und gefährdeter Pflanzen- und Tierarten zu verwandeln, ist vollendet: „70 Hektar reichen“, summiert er die Flächen mit Feuchtwiesen und Wald und Grünarealen, die im Laufe der Jahrzehnte vom Nabu zusammengekauft wurden. Quasi als Lebenswerk hat er im vorigen Jahr die 161 Seiten starke Dokumentation „Von einer Müllhalde zum Nabu-Schutzprojekt“ vorgelegt.

„Könnte jetzt bergab gehen“

Aber er ist nicht nur stolz auf seine Errungenschaften in Sachen Naturschutz samt dem landschaftsangepassten Verlauf der A-44-Trasse. Vor allem seine 75 Jahre dauernde Ehe, seine beiden Kinder, sein Grundstück und sein Haus zählt der seit zwei Jahren verwitwete zweifache Großvater als persönliche Erfolge auf.

Und beim kürzlichen Kramen in alten Unterlagen stieß er auf etliche Urkunden, die dem gelernten Stauden- und Landschaftsgärtner, Industriekaufmann, Steuerberater, Bilanzbuchhalter, Tiefbautechniker und Verwaltungsleiter eines Auto-Händlers besondere Auszeichnungen für seine Orchideenzucht bescheinigen. Daneben lagen Berichte und Dankschreiben, die an seine frühere Zucht seltener Enten und Gänsearten erinnern. Heute füttert er nur noch vier Singschwäne auf dem Teich in seinem Garten.

Würde er alles noch einmal so machen? „Ganz genau so“, antwortet er sofort. Und nun? „Auf dem Höhepunkt hört man am besten auf“, blitzt wieder sein Humor auf, „es könnte jetzt bergab gehen.“ Vorher empfängt er am Samstag zwischen 10 und 13 Uhr in seinem Haus an der Retteröder Straße (Nr. 99) erst einmal die Gratulantenschar. 

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