Prozess am Landgericht Kassel

Grillhütten-Mord: Drei Angeklagte sind laut Gutachter schuldfähig

Kassel / Hessisch Lichtenau. Im Prozess um den Grillhütten-Mord in Hessisch Lichtenau vor dem Landgericht Kassel erläuterte am Freitag Georg Stolpmann seine psychiatrischen Gutachten zur Schuldfähigkeit der drei Angeklagten.

Sollte der Vorwurf zutreffen, dass die drei 2013 einen 38-Jährigen in der Grillhütte „Waldfrieden" erschlagen haben, dann hat Alkohol die Steuerungsfähigkeit bei zweien beeinträchtigt. Von einem Ausschluss der Schuldfähigkeit geht der Gutachter jedoch bei keinem der beiden aus.

Bei Sergej B., der laut Anklage Hauptakteur der Tat gewesen sein soll, musste sich der Gutachter auf die Ermittlungsakten und die Aussagen von Zeugen während des Prozesses beziehen, denn der 28-Jährige verweigerte jede Mitwirkung, was sein gutes Recht ist. Stolpmann fand bei ihm keine Hinweise auf eine psychische Störung. Er sei wie die beiden anderen am Tattag betrunken gewesen, von einem Vollrausch sei jedoch nicht auszugehen, Steuerungs- und Einsichtsfähigkeit seien nicht beeinträchtigt gewesen, er sei nicht alkoholabhängig.

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Anders stehen die Dinge bei dem 35-jährigen Alexander B. Für ihn empfahl der Gutachter die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt, da er an einer Alkoholabhängigkeit leide. Zum Tatzeitpunkt muss er erheblich betrunken gewesen sein, sollten die Vorwürfe zutreffen, war laut Gutachten seine Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt, die Einsichtsfähigkeit jedoch noch gegeben. Psychische Auffälligkeiten fand Stolpmann bei ihm nicht.

German G. (22) attestierte der Gutachter zwar einen Missbrauch von Alkohol, der die Gefahr für eine Sucht berge, doch es liege noch keine Abhängigkeit vor. Stolpmann wollte nicht ausschließen, dass auch bei ihm wegen des Alkoholpegels die Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt war.

Am 10. Oktober wird der Prozess fortgesetzt, dann sind nach derzeitigem Stand die Plädoyers geplant. Die drei Angeklagten schweigen vor Gericht weiter. Anwalt Mutlu Gönal, der den 28-Jährigen vertritt, kündigte weitere Beweisanträge an, so dass sich der Fortgang des Prozesses durchaus noch verzögern könnte. (pas)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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