Hessisch Lichtenau

Anwohner beschweren sich über nächtliche Trink-Gelage in Lichtenauer Parks – Kritik an Stadt und Polizei

Steht noch am ursprünglichen Platz: Zwei der Bänke um den Karpfenfängerteich wurden von nächtlichen Ruhestörern abgeschraubt und in die Hütte gezerrt.
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Steht noch am ursprünglichen Platz: Zwei der Bänke um den Karpfenfängerteich wurden von nächtlichen Ruhestörern abgeschraubt und in die Hütte gezerrt.

Anwohner aus Hessisch Lichtenau beschweren sich über nächtlichen Lärm und Abfall in den Grünanlagen.

Hessisch Lichtenau - „Es sind über 30 Grad und ich kann nachts kein Fenster aufmachen, sonst hab ich das Gefühl, die liegen bei mir im Bett“, klagt eine 56-Jährige, die in unmittelbarer Nähe des Karpfenfängerteichs in Hessisch Lichtenau wohnt.

Fast täglich träfen sich dort Leute, die Alkohol trinken und laut Techno-Musik hören. Dieses Problem gebe es in allen drei Parks der Stadt. Aus Angst vor Repressalien möchte die Frau ihren Namen nicht veröffentlichen.

„Die ganze letzte Woche war bis 23.30 Uhr Ruhe – und dann ging es los, bis morgens um 3.30 Uhr“, berichtet die Anwohnerin, die um 4.30 Uhr zur Arbeit muss. „Die sitzen meist schon nachmittags dort“, hat die 56-Jährige beobachtet. Am nächsten Tag finde man im Park leere Whiskey-Flaschen und Pizzakartons vor.

Von der Stadt fühlt sich die Anwohnerin im Stich gelassen. „Vor Wochen haben sie die zwei Bänke, die fest mit Schrauben verankert rund um den Teich standen, in die Hütte gezerrt – und die Stadt unterstützt das noch und lässt sie einfach dort stehen.“

Und auch sonst sei die Verwahrlosung der Grünanlage das falsche Zeichen an die Ruhestörer: „Das Wasser ist grün und stinkt, weil die Fontäne seit Wochen kaputt ist – das sieht nicht nur hässlich aus, sondern schadet auch den Fischen im Teich.“

Da in diesem Jahr coronabedingt kein Fest rund um den Teich stattfinde, habe man alles so zuwachsen lassen, dass man von einer Seite den Teich kaum mehr sehe. Um es den nächtlichen Ruhestörern schwerer zu machen, schlägt die Anwohnerin vor, die Lampen rund um den Teich nachts abzuschalten.

Enttäuscht ist die 56-Jährige auch von der Polizei: „Neulich habe ich gehört, wie ein Polizist gesagt hat, dass sie die Personalien aufnehmen – ein Anruf am nächsten Tag beim Ordnungsamt hat aber ergeben, dass sie nie aufgenommen wurden.“ Sie könne der Polizei ja keine Vorschriften machen, aber wenn die Ruhestörer merkten, dass ihr Verhalten keine wirklichen Konsequenzen hat, gebe es doch auch keinen Anlass für sie, es zu ändern.

Neulich habe sie die Auskunft erhalten, es sei niemand mehr vor Ort gewesen, als die Streife zum Teich kam. „Die Grünanlage hat drei Ausgänge. Wenn die Polizei mit ihrem Auto da zu einem hineinfährt, sind die doch zum anderen längst verschwunden“, kritisiert die Anwohnerin und schlägt vor, doch mal Streife zu laufen oder sich an allen Ausgängen zu positionieren.

„Seit Jahren sind wir nächtlichen Ruhestörungen ausgesetzt und fühlen uns von der Gemeinde im Stich gelassen“, pflichtet eine Nachbarin bei, deren Straße ebenfalls an die Grünanlage des Karpfenfängerteichs angrenzt. Das Ordnungsamt verweise auf die Polizei, die nachts zuständig sei, aber ja auch noch andere Aufgaben zu bewältigen habe.

Das sagt die Polizei dazu:

In der näheren Umgebung von Karpfenfängerteich und Frau-Holle-Park sei zwischen dem 1. April und dem 31. Juli in den vergangenen drei Jahren ein Anstieg an Meldungen bei der Lichtenauer Polizei von zwei auf vier (davon zwei während des Weinfestes) und in diesem Jahr zwölf Fälle zu verzeichnen, sagt Polizeisprecher Alexander Först.

Von den Vorfällen seien einer aus dem April, zwei aus dem Mai und neun aus Juni und Juli. Neben den Einsätzen in Hessisch Lichtenau habe es aber auch vergleichsweise viele Einsätze in Großalmerode gegeben, sagt Först. „Ruhestörungen wird sich immer angenommen, aber es gibt eine Prioritätenliste.“

Die Polizei appelliere zunächst an die Vernunft und die gegenseitige Rücksichtnahme, beschreibt Först das übliche Vorgehen. So ermahnten die Polizisten zunächst und forderten die Verursacher auf, die Lärmquelle zu beseitigen. Nicht immer würden Personalien aufgenommen. Bei wiederholten massiven Verstößen sei es auch möglich, die Musikanlage sicherzustellen. Gehe der Lärm von Personen selbst aus, könne eine Auflösung oder ein Platzverweis bis hin zur Einlieferung in Polizeigewahrsam erfolgen.

Das sagt die Stadt dazu:

Was den Park angehe, so sei bekannt, dass es dort bisweilen Ruhestörungen durch alkoholisierte Erwachsene gebe. Die Beschwerden seien real, nachvollziehbar und richtig, allerdings wisse er keine wirkliche Lösung für das Problem, sagt Bürgermeister Michael Heußner.

„Im Verhältnis herrscht in Hessisch Lichtenau Ruhe – das nützt den Menschen, die punktuell betroffen sind, aber natürlich herzlich wenig.“ Allerdings könne er keinen Bereitschaftsdienst einrichten, um nachts eine Hilfspolizistin ausrücken zu lassen, sagt Heußner. Dafür gebe es die Polizei – „und die macht es nach besten Kräften“. Kenne man die Namen der Ruhestörer, könne man als Anwohner am nächsten Tag auch eine Anzeige beim Ordnungsamt erstatten, da die Stadt für die Verfolgung der Lärmanzeigen zuständig sei.

Was die kaputte Fontäne betrifft, so müsse man mit dem Floß auf den Teich und die Pumpe ausbauen, was Zeit in Anspruch nehme. Mängel, wie auch die demontierten Bänke, die der Stadt bisher nicht bekannt waren, könnten beim Beschwerdemanagement der Stadt gemeldet werden. (Gudrun Skupio)

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