Hessisch Lichtenau: Zorbas-Betreiber in Griechenland

Corona sorgt für Zorbas-Aus in Hessisch Lichtenau

Das Zorbas im Jahr 1983: So sah das griechische Restaurant in Hessisch Lichtenau nach der Renovierung von Jannis und Maria Kalaitzidis aus.
+
Das Zorbas im Jahr 1983: So sah das griechische Restaurant in Hessisch Lichtenau nach der Renovierung von Jannis und Maria Kalaitzidis aus.

Jannis (63) und Maria Kalaitzidis (53) haben das Restaurant Zorbas an der Landgrafenstraße in Hessisch Lichtenau aufgebaut und Ende Juni wieder abgegeben – nach fast 40 Jahren.

Hessisch Lichtenau – Wir haben per Videointerview mit Jannis (63) und Maria Kalaitzidis (53) gesprochen, die in den Ruhestand nach Griechenland zurückgegangen sind. „Was wir in der Corona-Pandemie gemacht haben, war nicht mehr unsere Arbeit“, sagt Jannis. „Das war der Grund, warum wir jetzt aufgehört haben.“

Per Telefon Bestellungen entgegennehmen und das abgepackte Essen ohne Kontakt an Kunden übergeben: „Das war nicht unser Ding“, sagt Jannis, der im Service gearbeitet hat und den Kontakt zu den Gästen liebte. „Die werde ich vermissen.“ Dabei denkt er auch an Gäste, deren Taufe im Zorbas gefeiert wurde, und die später die Taufe ihrer Kinder dort gefeiert haben.

Maria erinnert sich zuerst an Stammtische, die sich wöchentlich im Zorbas getroffen haben. „Das waren jeden Tag andere“, sagt sie. „Die meisten trafen sich freitags.“ Eine von ihnen sei eine Gruppe Frauen gewesen, die dienstags nach dem Schwimmen zusammenkam. „Sie waren eine Konstante, die uns lange begleitet hat.“

Eine Feier in den Anfangsjahren: Maria (links) und Jannis Kalaitzidis (rechts) haben oft Musiker auftreten lassen.

Um ihren Gästen immer wieder etwas Besonderes zu bieten, ließ das Ehepaar regelmäßig Musiker auftreten. „Das waren meistens Freunde von uns aus verschiedenen Kulturen“, sagt Jannis. So sei unter anderem griechische, deutsche und türkische Musik gespielt worden.

Doch nicht immer war im Zorbas so viel los. 1982 übernahmen die beiden das Gebäude, ein halbes Jahr sanierten sie es. Die Eröffnung war am 5. August 1983. „Die ersten zwei Monate war viel Betrieb, weil die Leute neugierig waren“, sagt Jannis. Doch dann sei es still geworden. „Wir mussten die Lichtenauer erst mal an die griechische Lammkeule und Zaziki gewöhnen“, sagt er. „Die kannten damals nur Pizza und deutsche Küche.“ Ab 1987 sei es dann täglich besser geworden, als ein Straßenumbau in Hessisch Lichtenau das Restaurant besser erreichbar gemacht habe.

Die ganze Zeit war Maria die Küchenchefin, obwohl sie keine gelernte Köchin ist. Sie stand vorher zu Hause am Herd, seitdem sie neun Jahre alt war. Im Zorbas probierte sie viel aus. „Es war mir dabei immer wichtig, dass die griechischen Gerichte auch griechisch bleiben und nicht für den deutschen Geschmack verändert werden“, sagt sie.

Stattdessen habe sie auch deutsche Gerichte auf die Karte genommen, um allen Gästen etwas Passendes anbieten zu können. „In den vergangenen Jahren kamen dann zunehmend Gerichte für Gäste mit Unverträglichkeiten sowie für Vegetarier und Veganer dazu.“

In den letzten Tagen des Restaurants sei es besonders emotional gewesen. „Viele Stammgäste kamen vorbei und haben geweint“, sagt Jannis. Nun sind die beiden nach Griechenland zurückgezogen, in das Dorf Mylopotamos. Jannis kam 1975 von dort nach Kassel, um Philosophie zu studieren, und lernte Maria kennen. Sie lebte in Deutschland, da ihr Vater bei Volkswagen arbeitete.

Zurück in Griechenland: Maria und Jannis Kalaitzidis leben jetzt in dem Dorf Mylopotamos.

Auf die Idee mit dem Restaurant sei Jannis gekommen, da er während des Studiums in der Gastronomie gearbeitet habe. „Der Name Zorbas kommt von dem Roman Alexis Zorbas von Nikos Kasantzakis,“ sagt er. „Ich war ein großer Fan von seinen Büchern – besonders von diesem.“

Grund seien die sprachlichen Bilder gewesen, die der Autor in dem Roman gezeichnet habe, in dem es um die Freundschaft eines Kopfmenschen mit einem Lebenskünstler gehe. „Im Ruhestand werden wir die Arbeit vermissen“, sagt Jannis. Jetzt will sich das Ehepaar ein paar Wochen in Griechenland am Meer in der Nähe der türkischen Grenze ausruhen und sich dann neue Aufgaben suchen.

Hessisch Lichtenau kehren sie jedoch nicht komplett den Rücken. „Unser Sohn wohnt noch dort, den werden wir gelegentlich besuchen“, sagt Maria. Sobald es die Corona-Lage zulässt, wollen sie auch ihre Tochter besuchen, die in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia lebt. Enkel haben die beiden noch keine. (Von Fabian Becker)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.