Sie wollen Vorbehalte abbauen

Hessisch Lichtenau hat jetzt einen Ausländerbeirat

Hessisch Lichtenaus neuer Ausländerbeirat: Ayse Birdal (von links), Selver Giesing, Alexandru Cucu, Kasim Sen und Corina Acosta de Gundlach mit Bürgermeister Michael Heußner. FOTO: MICHAEL CASPAR
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Hessisch Lichtenaus neuer Ausländerbeirat: Ayse Birdal (von links), Selver Giesing, Alexandru Cucu, Kasim Sen und Corina Acosta de Gundlach mit Bürgermeister Michael Heußner.

Kasim Sen ist Vorsitzender des Ausländerbeirats Hessisch Lichtenau. Das neue Gremium hat ihn während der konstituierenden Sitzung im Bürgerhaus einstimmig gewählt.

Hessisch Lichtenau – „Ich möchte Aufklärung in beide Richtungen betreiben, will Vorbehalte auf deutscher Seite, aber auch auf Seiten der Zugewanderten abbauen“, erklärte der neue Vorsitzender des Ausländerbeirats, Kasim Sen. Der gebürtige Türke, der bei der Beiratswahl mit Abstand die meisten Stimmen geholt hatte, versprach allen Hilfesuchenden Unterstützung. Das könne er aber nur mit Rückendeckung seiner vier Beiratskollegen sowie der drei nicht gewählten Kandidaten schaffen. Sen: „Wir brauchen jede Hand.“

„Die deutsche Sprache ist der Schlüssel zur Integration“, betonte Sens Stellvertreterin Selver Giesing. Das wisse sie aus ihrer Arbeit als Erzieherin im städtischen Kindergarten Karpfenfänger. Dort liege der Ausländeranteil hoch. Gleichzeitig, so Giesing, sei es aber auch wichtig, dass die zweite und dritte Generation der Zuwanderer ihre Muttersprache und Herkunft nicht vergesse. Sie selbst habe als Mädchen sehr vom muttersprachlichen Unterricht profitiert, den damals Türkisch-Lehrer Muzaffer Köklü in Hessisch Lichtenau erteilt habe.

„Ich weiß, wie es ist, in der Schule nichts zu verstehen“, erklärte Ayse Birdal, die bei den Beiratswahlen nach Sen die meisten Stimmen holte. Im Alter von acht Jahren ist sie als Gastarbeiterkind nach Deutschland gekommen. Nur in Mathematik und im Sport, wo die Sprache nicht so wichtig war, konnte sie damals Leistung zeigen. Die gelernte Floristin, die sich derzeit beruflich neu orientiert, will insbesondere die Frauen unterstützen. Es sei wichtig, deutsches Fernsehen zu schauen und Zeitung zu lesen, betonte sie. Birdal regte eine wöchentliche Sprechstunde im Rathaus an, wo Beiratsmitglieder Zuwanderern beim „Papierkram“ helfen würden.

Für Sprach- und Integrationskurse am Abend machte sich Alexandru Cucu stark, der vor acht Jahren aus Moldawien nach Deutschland gekommen ist. Viele Ausländer arbeiteten und hätten daher tagsüber keine Zeit. Deutsch, so der Lagerist, habe er von Kollegen und beim Fußball gelernt. „Wir Zuwanderer können auch den Deutschen Dinge beibringen“, betonte die Schriftführerin des Beirats, Corina Acosta de Gundlach. Die Chorleiterin, die seit 20 Jahren in Deutschland lebt, will Interessierten zum Beispiel die Zubereitung venezolanischer Gerichte vermitteln.

„Der Beirat wird nur dann etwas erreichen, wenn alle an einem Strick ziehen – und zwar in die gleiche Richtung“, gab Bürgermeister Michael Heußner (CDU) zu bedenken. Der Beirat habe es jetzt in der Hand, die 1262 wahlberechtigten Ausländer der Stadt von seiner Arbeit zu überzeugen. Dann werde die Wahlbeteiligung beim nächsten Mal mehr als 8,48 Prozent betragen. „Ihr seid ein tolles Team“, sagte Edmund Pliefke (SPD) vom Ortsbeirat Hessisch Lichtenau. (Michael Caspar)

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