Nach Auszeit hat’s gefunkt

Marie und Christian Bauer feiern heute ihren 65. Hochzeitstag

Hochzeitstag: Marie und Christian Bauer feiern ihre Eiserne Hochzeit allein. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2015 – aufgrund der Corona-Pandemie war ein aktuelles Foto nicht möglich.
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Hochzeitstag: Marie und Christian Bauer feiern ihre Eiserne Hochzeit allein. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2015 – aufgrund der Corona-Pandemie war ein aktuelles Foto nicht möglich.

Sie kennen sich bereits seit über 80 Jahren und feiern heute ihre eiserne Hochzeit - Marie und Christian Bauer. Bei ihnen funkte es nach einer Auszeit.

Hessisch Lichtenau – Ausgerechnet zur Eisernen Hochzeit macht das Corona-Virus Marie und Christian Bauer aus Hessisch Lichtenau einen Strich durch die Rechnung. 

Eine Feier kann es heute, an ihrem 65. Hochzeitstag, wegen der bundesweit verhängten Kontaktsperre selbst im Kreise der Familie, zu der neun Enkel und sechs Urenkel zählen, nicht geben.

Die Jubilare kennen sich bereits seit über 80 Jahren, sind im sechs Kilometer entfernten Günsterode, heute Stadtteil von Melsungen im benachbarten Schwalm-Eder-Kreis, geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen. Trotzdem war der Weg bis zum Traualtar kein einfacher, denn Christians Vater war gegen die Verbindung.

In die Phase des politischen Umbruchs, als der autoritäre Nationalsozialismus die Demokratie ablöste, wurden sie hineingeboren: Christian 1932, Marie, eine geborene Kühlborn, ein Jahr später. 

Trostlos verlief ihre Schulzeit, erinnern sie sich: „Nahezu täglich kam ein anderer Lehrer, weil der Dorflehrer im Krieg war, und zuhause wurde in der Landwirtschaft jede Hand gebraucht!“

Damals: Marie und Christian Bauer als Brautpaar vor 65 Jahren in Günsterode.

Näher kamen sich beide jedoch erst, als Christian in der Lichtenauer Textilfabrik Fröhlich und Wolff eine Ausbildung zum Weber begonnen hatte, Marie im Forst arbeitete. 

Zwei Jahre lang waren beide jedes Wochenende gemeinsam unterwegs, gegen den Willen von Christians Vater. Auf Dauer hielt die junge Liebe dem Druck jedoch nicht Stand, und so kam es zur Trennung für vier Jahre. „Natürlich habe ich immer mal ein Auge auf ihn geworfen“, gesteht die heute 87-jährige. 

Bis in den Herbst 1954 dauerte ihre Auszeit, bis es richtig funkte. Nach einem halben Jahr ging’s zum Standesamt, tags drauf folgte die kirchliche Trauung in Günsterode.

Die Braut war bereits schwanger, brachte im Juli Tochter Ingrid zur Welt. Später kamen Christa, Bettina und Melanie dazu. Nach vier Jahren im Haus bei Maries Eltern zog die junge Familie nach Hessisch Lichtenau. Christian hatte beruflich zur Zeche Glimmerode als Bergmann gewechselt. 

In dieser Zeit baute sich das Paar selbst ein Haus am Hopfengarten, das sie 1964 bezogen und bis heute darin leben. Nicht weit davon entstand in den 60er-Jahren die Bundeswehr-Siedlung „Am Klappersberg“. 

Für die 82 Wohnungen übernahm Christian die Hausmeisterstelle, betreute 32 davon selbst noch als Rentner.

Beide sind bis heute Mitglied im Lichtenauer Schützenverein. Während Marie nur gelegentlich mit dem Luftgewehr geschossen hat, bestritt Christian bis ins hohe Alter Wettkämpfe und führte die Kasse über viele Jahre.

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