Ramazan Bayrami - Zuckerfest

Fastenmonat Ramadan endet mit süßem Familienfest

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Türkische Köstlichkeiten: Baklava und Spritzgebäck darf Kamile Gökmen jetzt auch wieder tagsüber genießen. Zum heutigen Zuckerfest werden die Backwaren reichlich serviert.

Hessisch Lichtenau. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder essen noch trinken, besinnlich werden, vermehrt beten und im Koran lesen stand vier Wochen für Muslime an.

Heute endet ihr heiliger Fastenmonat Ramadan mit einem der wichtigsten muslimischen Feste, dem Ramazan Bayrami, also Ramadan-Fest.

Das Fasten ist für alle Muslime Pflicht, erklärt Kamile Gökmen, Vorsitzende des Frauenvereins der türkisch-islamischen Gemeinde in Hessisch Lichtenau. Ausgenommen sind nur Kranke, Kinder, Schwangere und Stillende. „Es dient der körperlichen und seelischen Reinigung, der Körper kann entschlacken“, sagt sie. Man solle sich auf das Wesentliche besinnen und Mitgefühl mit den Armen haben. Daher gehören auch Spenden zum Ramadan. Ist die Sonne untergegangen, dürfen Muslime essen und trinken. Die Mitglieder der Lichtenauer Gemeinde treffen sich jeden Samstag zum gemeinsamen Fastenbrechen.

Fastenbrechen: Die Gemeindemitglieder treffen sich jeden Samstag, um gemeinsam zu essen. Dazu laden sie auch Gäste ein, wie hier Staatsminister Michael Roth.

Nach den vier Wochen steht eine große Feier an, während der nicht weiter gefastet werden darf. Bereits im Vorfeld wird das Haus gereinigt, eingekauft für das Festessen und Geschenke besorgt. In der Türkei zum Beispiel ist das dreitägige Ramadanfest mit Feiertagen verbunden. In Hessisch Lichtenau seien die Schulleiter so tolerant, den Kindern den ersten Tag des Festes frei zu geben, berichtet Kamile Gökmen. Der Tag geht früh los mit dem Festgebet in der Moschee. Danach trifft sich die ganze Familie festlich gekleidet am gedeckten Frühstückstisch. Man gratuliert sich zum Fest, Eltern erwarten, dass ihre Kinder sie besuchen kommen. Am Nachmittag stehen Besuche bei älteren oder kranken Nachbarn und Verwandten an. Früher seien Kinder in Gruppen losgezogen, um in der Gemeinde zum Fest zu gratulieren und im Gegenzug Süßigkeiten und Geld zu erhalten, erinnert Gökmen sich. Große Geschenke wie zum christlichen Weihnachtsfest gibt es hingegen nicht.

Den ganzen Tag herrscht Kommen und Gehen. Besuche seien wichtig, betont die Vorsitzende des Frauenvereins. „Dann erlebt man das Fest mit anderem Gefühl.“ Ebenso wichtig sei es, die Gräber der Verwandten zu besuchen, im Koran zu lesen und für die Verstorbenen zu beten.

Übrigens: Da die süße türkische Köstlichkeit Baklava eine große Rolle beim Fest spielt, heißt es umgangssprachlich Zuckerfest. Der Ausdruck kommt laut Kamile Gökmen noch aus früherer Zeit, zu der Mütter nicht einfach Süßigkeiten im Geschäft kaufen konnten, sondern sich speziell für das große Fest die Mühe machten, das arbeitsaufwändige Gebäck herzustellen - und das während des Festes ausgiebig genossen wird.

Ramadan - der heilige Monat

Der Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders und gilt als heiliger Monat, weil während ihm die heilige Schrift des Islam, der Koran, zur Erde gesandt worden sein soll.

Da der Mondkalender 354 Tage hat, statt wie der gregorianische Kalender 365 Tage, findet der Ramadan nicht immer im Sommer statt. Der Fastenmonat verschiebt sich jedes Jahr um elf Tage nach vorne, in Schaltjahren um zwölf Tage.

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