Magistrat wollte Pacht direkt verlängern

Stadt Hessisch Lichtenau schreibt Pacht für zwei Jagdbezirke neu aus

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Wer wird künftig auf die Wildschweine anlegen? Über die Neuverpachtung im Jagdbezirk „Grüne Schlade“ und „Klappersberg“ stritt das Hessisch Lichtenauer Parlament.

 Soll die Stadt Hessisch Lichtenau die Eigenjagdbezirke „Grüne Schlade“ und „Klappersberg“ neu zur Verpachtung ausschreiben oder den Vertrag mit den Pächtern verlängern? 

Diese Frage sorgte bei der jüngsten Sitzung der Stadtverordneten für Debatten.

Der Magistrat hatte sich laut Bürgermeister Michael Heußner sich zuvor zwei Mal dagegen ausgesprochen, die Verpachtung öffentlich auszuschreiben. Heußner sah das Wohl der Gemeinde gefährdet und setzte die Anrufung des Parlaments auf die Tagesordnung. 

Seine Argumente: Er habe Hinweise, dass die damalige Vergabe nicht rechtens abgelaufen sei, auch gebe es Angebote, die über dem aktuellen Pachtzins lägen. „Es macht mir keine Freude, der Entscheidung des Magistrats widersprechen zu müssen“, so Heußner. 

Doch nur mit einer Ausschreibung, bei der jeder – auch die bisherigen Pächter – ein Gebot im verschlossenen Umschlag abgeben könne, könne man die Verwaltung von den Vorwürfen reinwaschen. „Neben der Höhe des Pachtzinses ist auch eine charakterliche und jagdliche Eignung, etwa beim Umgang mit Erholungssuchenden, zu berücksichtigen“, sprach sich Heinrich Lämmert (SPD) gegen eine Ausschreibung aus. Grundvoraussetzung sei, dass man mit den beiden Pächtern zufrieden sei – etwas Gegenteiliges könne er der Beschlussvorlage nicht entnehmen. 

Wegen Personalmangel kein Ausschreibungsverfahren ?

Neben einem umfangreichen Ausschreibungsverfahren, das Lämmert angesichts des Personalmangels in der Verwaltung für unnötig hält, gab der pensionierte Förster auch zu bedenken, dass der Pachtzins derzeit falle und eine Neuausschreibung ein finanzielles Risiko für die Stadt darstelle. Es sei abwegig, dass bei der Vergabe etwas schief gelaufen sei. 

„Es gibt Vorwürfe gegen einen ehemaligen Mitarbeiter der Stadt, dass er einem der Pächter gesagt habe, dieser müsse nur 50 Euro mehr bieten, dann erhalte er den Zuschlag“, konkretisierte Heußner. „Wenn Vorwürfe im Raum stehen, spielt Geld keine Rolle.“ Die vorliegenden Angebote seien alle von ortsansässigen Jägern, die bereits Jagden gepachtet hätten, somit alle dieselben Grundvoraussetzungen hätten.

Die Jagd hinter „verschlossener Tür“ zu vergeben habe ein „Geschmäckle“ und nichts mit seinem Demokratieverständnis zu tun, sagte Andreas Howorka (Team Howorka). Durch die Flurbereinigung im Zuge des Autobahnbaus gebe es nun größere Maisanbau-Flächen, hier würden Wildschweine große Schäden anrichten, sagte Ursula Sauer (Bürgerliste). „Der Pächter der Feldjagd hat keine Deckelung der Wildschäden in seinem Vertrag, dafür aber ein außerordentliches Kündigungsrecht, von dem er Gebrauch machen will, wenn sich nichts ändert.“ 

Viel Arbeit für den Fall das sich kein Pächter findet 

Sei die Feldjagd wegen der Wildschäden nicht mehr zu verpachten, komme auf die Verwaltung viel Arbeit zu: Wenn niemand sich zum Jagdvorstand bereit erkläre, gehe diese Aufgabe per Gesetz an die Stadt über, die dann die Aufgabe habe, von mehr als 300 Jagdgenossen für entstandene Wildschäden Geld einzutreiben und es den Betroffenen weiterzuleiten. Sauer stellte daher den Antrag, die Jagd „Klappersberg“ in den gemeinschaftlichen Jagdbezirk zurückzugliedern und die „Grüne Schlade“ so zu belassen. 

Neben der Pachthöhe sollen auch die zeitliche Verfügbarkeit bei Wildunfällen, die Ortsansässigkeit, der Abschuss des Schwarzwilds und die Begehung zur Erntezeit eine Rolle spielen. Lämmert gab zu bedenken, dass die Pachteinnahmen der Stadt durch die Rückgliederung gemindert würden. Sauers Antrag wurde abgelehnt (11 Ja-, 16 Nein-Stimmen, 4 Enthaltungen).

Auf die von Heußner angeregte Neuausschreibung entfielen 20 Ja-, und 8 Nein-Stimmen und 3 Enthaltungen. 

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