Einsatz bei Gefahrgut-Unfall

Hessisch Lichtenauer Feuerwehr hat neue Chemikalienschutzanzug-Träger ausgebildet

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Wurden zu Chemikalienschutzanzug-Trägern ausgebildet: Florian Höch (von links), Konrad Großkopf, Lucas Flohr und Jannik Koschinski mit Ricardo Sieber und Marc Rübenkönig.

Die Feuerwehr Hessisch Lichtenau hat sechs neue CSA-Träger ausgebildet. CSA steht für Chemikalienschutzanzug, erklärt Stadtbrandinspektor Steffen Rödel.

Sie kommen vor allem bei Unfällen mit Gefahrgut zum Einsatz, also beispielsweise mit Tanklastern – aber auch, wenn an einer Industrieanlage durch Defekte oder Brände gefährliche Stoffe austreten, erklärt Stefan Schlegel, Pressesprecher der Lichtenauer Feuerwehr.

Das sei zum Beispiel schon dann der Fall, wenn am Schwimmbad Chlorgas austritt. Pro Jahr gibt es für die Gefahrstoffgruppe im Schnitt etwa einen Einsatz, bei dem Schutzanzugträger benötigt werden, schätzt Rödel. Der Werra-Meißner-Kreis besitze ein Gefahrgutkonzept und sei in vier Gefahrstoffgruppen eingeteilt – mit Waldkappel und Großalmerode bildet Hessisch Lichtenau die Gefahrstoffgruppe West.

Die Einsatzkräfte der Wehren werden gemeinsam ausgebildet und alle im Fall eines Einsatzes alarmiert. „Gefahrguteinsätze sind sehr umfangreich und machen viel Personal nötig“, sagt Rödel. In dem Anzug, der aus mehreren Kunststoffschichten besteht, wird es sehr schnell sehr warm, außerdem benötigt man Atemschutzgeräte. Mit diesen sei ein 30-minütiger Einsatz möglich, der durch den CSA-Anzug auf 20 Minuten verkürzt werde, weil man laut Rödel noch die Zeit zum Ausziehen mit berücksichtigen muss.

Die CSA-Träger werden beim An- und Ausziehen des Anzugs unterstützt.

Die Ausbildung zum CSA-Träger baut auf der Grundausbildung auf, Voraussetzung ist zudem ein absolvierter Atemschutzgeräteträger-Lehrgang. „Außerdem empfehlen wir, vorher den Sprechfunklehrgang gemacht zu haben, weil die Kommunikation unter dem Anzug sehr schwierig ist“, fügt Rödel hinzu.

Mit den Lehrgängen sei es allerdings noch nicht getan: Alle drei Jahre wartet auf die CSA-Träger ein spezieller medizinischer Test, außerdem gibt es jährliche Übungen, Prüfungen und theoretische Unterweisungen. Der Lehrgang an sich muss mindestens zwölf Stunden dauern, erklärt Rödel, bei der Lichtenauer Wehr sind es 24 – auf zwei Wochen verteilt und meist abends, damit auch Berufstätige die Chance zur Teilnahme haben.

„Nach dem Lehrgang dürfen wir die CSA-Träger allerdings noch nicht einsetzen, offiziell braucht man noch den GABC-Einsatz-Lehrgang“, so der Stadtbrandinspektor. GABC steht für Gefahrstoff Atomar-Biologisch-Chemisch. Dieser Lehrgang werde an der hessischen Landesfeuerwehrschule in Kassel absolviert.

„Durch die vielen Schulungen, Übungen und Untersuchungen ist es gar nicht so einfach, Einsatzkräfte zu motivieren“, sagt Rödel, deshalb sei ein Zusammenschluss mehrerer Wehren sinnvoll. Bisher hätten sich aber immer noch genug Freiwillige gemeldet, auch um weiter voranzukommen.

Einsätze mit CSA-Träger werden unter anderem auch durch die A 44 nicht weniger, vermutet Rödel, auch wenn man bisher Glück gehabt habe. „Die Chemikalienschutzanzüge dienen der Sicherheit der Einsatzkräfte. Giftige Gase und Dämpfe werden nicht nur über die Atmung, sondern auch über die Haut aufgenommen“, sagt er.

Parallel zum Einsatzort bauen Feuerwehrkollegen einen sogenannten Dekontaminationsplatz mit drei Zonen auf: Erst wird der Anzug grob gereinigt, dann abgelegt und im letzten Schritt zieht sich der Feuerwehrmann oder die Feuerwehrfrau um.

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