Hessisch Lichtenauer hatten viele Fragen an Bürgermeister-Kandidaten

Die Kandidaten (von links) Stefan Wicke (SPD), Michael Heußner (CDU), Marc Sachse (parteilos), Ursula Sauer (Bürgerliste) und Friedhelm Koch (parteilos) mit den Moderatoren Kathrin Bretzler und Stefan Forbert beim HNA-Lesertreff. Foto: Röß

Hessisch Lichtenau. Sie waren sich fast überall einig: Bürgermeisterkandidaten äußerten sich sehr allgemein und blieben oftmals konkrete Antworten schuldig.

Dass den Bürgern in Hessisch Lichtenau derzeit viele Fragen unter den Nägeln brennen, war am Donnerstagabend beim HNA-Lesertreff zur Bürgermeisterwahl deutlich zu spüren. So nutzen zahlreiche Hessisch Lichtenauer im Bürgerhaus die Gelegenheit, den Kandidaten unter anderem in punkto Anschlussverwendung von Hartplatz und Senkefeld auf den Zahn zu fühlen. Viele Fragen zielten zudem darauf ab, weitere mögliche finanzielle Einschnitte auszuloten. Die viel kritisierte mangelnde Transparenz zwischen Rathaus und Bürgern wurde mehrfach von den Kandidaten selbst thematisiert. Zweieinhalb Stunden stellten sich Stefan Wicke (SPD), Michael Heußner (CDU), Marc Sachse (parteilos), Ursula Sauer (Bürgerliste) und Friedhelm Koch (parteilos) den Fragen der HNA-Moderatoren Stefan Forbert und Kathrin Bretzler sowie des Publikums. Einige Themen, die an diesem Abend diskutiert wurden, waren Finanzen, die Landgrafenstraße und das Industriegebiet sowie das Thema Flüchtlinge.

Stefan Wicke zum den Themen:

Finanzen: Trotz klammer Kassen spricht Wicke sich für den Erhalt der Dorfgemeinschaftshäuser aus. Als Sportler befürwortet er auch einen Kunstrasenplatz auf dem Hartplatz, doch würden darüber die Stadtverordneten entscheiden. Eine Pferdesteuer will er nicht einführen. Im Hinblick auf den Leerstand sei er froh, dass viele Pferdehalter aus Bad Sooden-Allendorf in die Lossestadt ausgewichen seien.

Landgrafenstraße/Industriegebiet: In Sachen Belebung der Innenstadt, insbesondere der Landgrafenstraße will Wicke zunächst mit allen Beteiligten reden, was gewünscht wird: Gewerbe, Wohnungen oder Gastronomie. Bei der Anschlussverwendung für das Industriegebiet Senkefeld will Wicke aktiv Werbung bei Gewerbetreibenden machen und sieht darin, dass vom Regierungspräsidium bereits Abwasser und Kanalanschlüsse verlegt wurden, einen Vorteil für Neuansiedlungen.

Flüchtlinge: Auf Angela Merkels „Wir schaffen das“ antwortet Wicke der Kanzlerin: „Es muss auch gesagt werden wie!“ Integration sei keine Einbahnstraße und müsse von beiden Seiten gelebt werden.

Michael Heußner zu den Themen:

Finanzen: Auch Heußner will die Dorfgemeinschaftshäuser weiter erhalten. Bei geschätzten 600 000 Euro sieht er jedoch keine Finanzierungsmöglichkeit für einen Kunstrasenplatz. „Abzüglich aller Förderungen blieben trotzdem zwischen 50 000 und 200 000 Euro bei der Stadt.“ Eine derart willkürlich ausgesuchte Steuer wie die Pferdesteuer schwebt auch Heußner nicht vor, „es hätten genauso gut auch Kanarienvögel sein können“. Er sieht jedes Tier auf der Koppel als Bereicherung für die Landschaft und somit für den Tourismus. Landgrafenstraße/Industriegebiet: „Wir müssen uns auf die Poststraße konzentrieren, wenn die funktioniert, dann kommen auch kleine Betriebe in die Landgrafenstraße.“ Als „Sahnestückchen, für das sich ganz sicher Betriebe finden“ bezeichnet Heußner das Industriegebiet Senkefeld dank der Aufwertung durch das Regierungspräsidium.

Flüchtlinge: „Wir müssen es schaffen, es gibt keine andere Lösung“, sagt Heußner auf Merkels Leitspruch. Das Problem sei jedoch weder in Deutschland noch in Europa zu lösen, sondern weltweit.

Marc Sachse zu den Themen:

Finanzen: An der Trägerschaft der Dorfgemeinschaftshäuser will Sachse bei leeren Kassen nichts ändern. Es gebe in Heli mehrere Fußballplätze, einen Kunstrasenplatz sieht er zudem aufgrund der Kosten nicht. Mit Bürgern und Vereinen will er Ideen entwickelt, wie der Hartplatz, der derzeit als Hundeklo herhalte, künftig genutzt werden kann. Eine Pferdesteuer schließt er nicht aus: „Bevor ich die Kitagebühr erhöhen muss.“

Landgrafenstraße/Industriegebiet: Die Landgrafenstraße sei zu hübsch, um zur Durchfahrtsstraße zu verkommen. „Um sie zu beleben, brauchen wir eine Fußgängerzone.“ Mit gezielter Werbung will Sachse Fachgeschäfte, die dem Internethandel die Stirn bieten können, und Gastronomie gewinnen. Falls die Hallen im Senkefeld bleiben, kann er sich einen Messestandort vorstellen, sonst will er Gewerbe und Industrie anwerben.

Flüchtlinge: „Wir in Heli können das schaffen“, sagt Sachse zu Merkels Credo. Den Ehrenamtlichen sei viel zugemutet worden, aber es gebe auch zahlreiche Betriebe, die mit den Flüchtlingen Geld verdienen.

Volles Haus beim HNA-Lesertreff in Hessisch Lichtenau

Ursula Sauer zu den Themen:

Finanzen: Das Ziel, die Dorfgemeinschaftshäuser zu erhalten, will sich Sauer weiter setzen. Man müsse sich jedoch an finanziellen Ausgaben orientieren - vor allem bei seltener Nutzung. Beim Kunstrasenplatz müsse man Kosten und Folgekosten berücksichtigen. „Durch eine Schulnutzung könnte man weitere Fördermittel bekommen, eine kostenlose Nutzung nur für die Vereine sehe ich nicht.“ Eine Pferdesteuer plant sie nicht, aber „Satzungen werden von Stadtverordneten erlassen“.

Landgrafenstraße/Industriegebiet: Die Idee der Fußgängerzone in der Landgrafenstraße habe bei den Bürgern nicht für Begeisterung gesorgt. Sauer sieht dort statt Fachgeschäften eher Wohnungen und verweist auf das Modellprojekt „Integrierte energetische Quartiersanierung“ in Witzenhausen. Wie vor der Nutzung durch die Flüchtlinge, plant Sauer die Flächen im Senkefeld an Gewerbetreibende zu verkaufen.

Flüchtlinge: Sauer hofft, dass sich die anderen Staaten erbarmen und mit ins Boot kommen. „Merkel hat wahrscheinlich Recht, wir werden und müssen es schaffen.“

Friedhelm Koch zu den Themen:

Finanzen: „Es gibt nichts Schlimmeres auf den Dörfern, als wenn man keine Möglichkeit hat, sich zu versammeln“, sagt Koch. Wenn die Bürger die Dorfgemeinschaftshäuser nutzen, will er nichts verändern. „Jetzt oder nie“, sagt er zum Kunstrasenplatz. Die Umrüstung gehe wesentlich günstiger, als von Heußner veranschlagt, zumal die Vereine den Willen hätten, viel in Eigenleistung zu erbringen. „Man muss erst verlässliche Zahlen einholen, bevor man den Platz kaputtredet.“ Er plant keine Pferdesteuer.

Landgrafenstraße/Industriegebiet: Belebung gehe nur im Konsens mit allen, daher müsse man bezüglich der Landgrafenstraße mit allen Vereinen Ideen entwickeln. Die Stadt könne keine Häuser kaufen. Koch kann sich ein Fest in der Innenstadt vorstellen, um die Bürger dorthin zu bringen. „Niemandsland“ nennt er das riesige Gewerbegebiet im Senkefeld, wo er mit Gewerbeansiedlung Arbeitsplätze schaffen will.

Flüchtlinge: Flüchtlinge müssen untergebracht und versorgt, aber auch an Werte und Regeln erinnert werden, die sie einhalten müssen.

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