Kleinster Lichtenauer Stadtteil ist auch einer der ältesten

Hollstein wird 825 Jahre alt – Feier zum Jubiläum fällt wegen Corona-Pandemie aus

Wie bei der Feldarbeit im vorigen Jahrhundert auch in Hollstein üblich, nahmen Herbert Koch (von links), Gustav Rode, Erna Koch, die beiden Pflegekinder Bernhard und Veronika und Justus Koch die Mahlzeiten an Ort und Stelle ein. 
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Wie bei der Feldarbeit im vorigen Jahrhundert auch in Hollstein üblich, nahmen Herbert Koch (von links), Gustav Rode, Erna Koch, die beiden Pflegekinder Bernhard und Veronika und Justus Koch die Mahlzeiten an Ort und Stelle ein. 

825 Jahre alt wird in diesem Jahr Hollstein, kleinster und einer der ältesten Lichtenauer Stadtteile, dessen Name aus der Welt der Sagen von Frau Holle stammen soll.

Der Überlieferung nach sollen Frau Holle, der Sagengestalt vom Hohen Meißner, bei einem großen Schritt runter ins Tal ein paar Steine in ihrem Schuh so sehr gedrückt haben, dass sie die Brocken ausschüttete. Allen Zweiflern dieser Geschichte bleiben die Hollsteiner den Beweis nicht schuldig und verweisen auf die beiden drei und fünf Meter hohen Zechstein-Dolomit-Felsen, „Hollesteine“ genannt, die südlich am Ortsrand stehen, dazu in unmittelbarer Nachbarschaft den Zechsteinhügel, die „Hollensteine“. Aus den Steinen soll sich der Name des Ortes ableiten, der 1195 erstmals urkundlich als „Holsten“ erwähnt wird. Papst Coelestin III. führte den Ort seinerzeit in einem Verzeichnis über die Besitztümer des Klosters Germerode auf.

Ab 1755 wird der Ort unter der heutigen Schreibweise geführt. In der Chronik zur 800-Jahr-Feier im Jahr 1995 wird zum Ursprung des Namens hingegen die These vertreten, dass er auf „Holden“, wie in der Mythologie Kobolde, Wichtel und Zwerge bezeichnet werden, zurückzuführen sei.

So unterhaltsam die Geschichte um den Ursprung des Namens der 120-Seelen-Gemeinde auch sein mag, zur geplanten 825-Jahr-Feier am 20. und 21. Juni wird sie nicht die Runde machen. Ortsbeirat und Freiwillige Feuerwehr, die das Jubiläum im Rahmen des Lindenfestes organisieren wollten, haben die Veranstaltung wegen der Corona-Pandemie schon vor Wochen abgesagt. Noch haben die Organisatoren die Hoffnung jedoch nicht aufgegeben, sich in diesem Jahr bei Kaffee und Kuchen oder zum traditionellen „Schnuddelabend“ treffen zu können, um in geselliger Runde zumindest ein bisschen Jubiläum feiern zu können.

Ortsvorsteherin Bianka Dücker und Artur Sandrock, der letzte Bürgermeister Hollsteins, zeigen Chronik und Festschrift der 800-Jahr-Feier vor 25 Jahren.

Und kommen die Hollsteiner ins Schnuddeln, vor allem auf Platt, dann gibt es immer was zu lachen. So steht die Geschichte von Georg Hollstein, den alle den „ahlen Barieser“ nannten, weil er immer davon erzählte, dass er 1871 in Paris dabei war, als Kaiser Napoleon III. gefangen genommen wurde, sogar in der Chronik. Als einer der Kalkbrenner im Ort war er für seinen Durst bekannt. Und kam er das Dorf hoch an Stückraths Wirtschaft vorbei, dann sprach er zu sich: „Seele, bleib stark!“ Und war er ein paar Schritte weiter, belohnte er seine Seele: „Weil du so stark warst, gehen wir jetzt einen Trinken!“ Drei Kneipen gab es im Ort, der 1905 so viele Einwohner hatte wie heute.

Als letzter Bürgermeister ging Artur Sandrock in die Geschichte der selbstständigen Gemeinde ein. Trotz der Kürze seiner zweijährigen Amtszeit bis zur Eingemeindung in 1974 legte er den Grundstein für das Neubaugebiet „Zur Mühlheim“.

An seinen Antrittsbesuch beim damaligen Landrat Wilhelm Brübach erinnert er sich noch gut: „Einen Zuschuss von 80 Prozent zum Bau des Abwasserkanals und der Straße ins Neubaugebiet bei Gesamtkosten in Höhe von 95 000 Mark sagte mir der zuständige Sachbearbeiter zu, sollte die Gemeinde die restlichen 19 000 Mark aufbringen können. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Nachdem ich mit dem Jagdpächter die Auszahlung der Pacht mehrere Jahre im Voraus vereinbart hatte, konnte der Ausbau beginnen. 17 Bauplätze wurden bei der Gelegenheit erschlossen.“ Mit Sandrocks Amtszeit endete auch die Ära der Rechnungsführer, die Steuern bar einzuziehen. Das Kassieren war zuletzt Aufgabe von Magda Kranhold, die sonntags zwischen 10 Uhr und 12 Uhr die Zahlungspflichtigen in ihrem Haus – auch bekannt als Hühnerfarm – im nahen Wald auf dem Chattenberg empfing. Sie hatte das Amt nach 22 Jahren von Mutter Alwine übernommen.

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