Kein gewöhnlicher Baum

In Reichenbach wächst Nachfahre des Beuys-Kunstwerkes 7000 Eichen

Hellgrün leuchtet die Eiche im Garten von Birgit Osigus-Koch, die aus Eicheln der Kasseler Beuys-Eichen gezogen worden ist.
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Hellgrün leuchtet die Eiche im Garten von Birgit Osigus-Koch, die aus Eicheln der Kasseler Beuys-Eichen gezogen worden ist.

Knapp 7000 Bäume stehen als das Kunstwerk „7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ von Joseph Beuys in Kassel. Ein direkter Nachfahre der Eichen wächst aber auch im Hessisch Lichtenauer Ortsteil Reichenbach. Genauer gesagt im Garten von Birgit Osigus-Koch.

Reichenbach – Sie hatte im Zuge des „Projektes Eichenfeld – Erste nachwachsende Generation“ von Johannes Steiner einen Setzling der Beuys-Eichen von einem Bekannten geschenkt bekommen. „Er wohnt in Kassel und hat viel mit der Universität zu tun“, sagt Osigus-Koch. So konnte er ihr den dreizehnten von 178 Sämlingen von dem Kunstprojekt vermitteln.

Als Osigus-Koch den Baum bekam, war er nicht einmal kniehoch. Inzwischen hat sich aus dem Pflänzchen ein stattlicher junger Baum entwickelt, dessen Höhe die Reichenbächerin auf fünf bis sechs Metern schätzt. „Die Linde scheint ihn gutgetan zu haben.“ Die Familie setzte die junge Eiche zu einer alten Linde in ihrem Garten, denn „Linden gelten als gute Ammenbäume für Eichen“, weiß Osigus-Koch. Ansonsten brauche die Eiche aber keine besondere Pflege.

Ein Stückchen Beuys in ihrem Garten stehen zu haben, erfüllt Birgit Osigus-Koch mit einem gewissen Stolz. „Ich finde Beuys in jeglicher Form gut“, sagt die Baumpatin. „In Kassel stößt man überall auf ihn.“ Denn Joseph Beuys ließ zwischen 1982 und 1987 7000 Bäume in der Stadt pflanzen – darunter nicht nur Eichen, sondern auch Robinien, Platanen, Eschen, Linden, Zierkirschen, Ahorne, Vogelbeeren und sogar Ginkgos. Die Bäume wurden jeweils mit einer Basaltstele ergänzt. Der Stuttgarter Landschaftsarchitekt Johannes Steiner hat dann mit dem Projekt Eichenfeld, das seit 2000 existiert, zuerst in einem theoretischen Teil die Skulptur 7000 Eichen dem Wald außerhalb der Stadt gegenübergestellt und die Möglichkeiten ihrer natürlichen Vermehrung verglichen. So übernehme im „richtigen Natur-Urwald“, wo der Mensch weder ökonomischen noch kultivierenden Einfluss habe, der Eichelhäher die Verbreitung von Eicheln als Saatgut. Dadurch werde der Baumbestand sichergestellt und die Expansion des Waldes gefördert, wie es in einer Kurzinformation zum Baum heißt, die Osigus-Koch 2002 mit erhalten hat. In der Stadt funktioniere diese Saatgutverbreitung aber nicht. Deswegen müsse der Mensch in die Rolle des Eichelhähers schlüpfen und die Verbreitung der Skulptur 7000 Eichen übernehmen.

Besonders auch die Verbreitung der Bäume ist es, was Osigus-Koch interessiert. Wo gibt es vielleicht schon

überall Nachfahren der Beuys-Eichen? Dazu konnte sie bisher aber keine Angaben finden. Auch hat bisher niemand von ihr wissen wollen, wie es ihrem Eichenbäumchen geht.

Für ihren Garten will Birgit Osigus-Koch auf jeden Fall noch ein Schild anfertigen lassen, um zu erklären, was für ein besonderes Eichenexemplar hier steht. „Wenn ich mal nicht mehr bin und das Haus verkauft wird, soll doch der Baum erhalten bleiben“, wünscht sie sich. (Evelyn Ludolph)

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